Die Schlösser in Ostdeutschland hatten nach dem Krieg eine wechselvolle Geschichte: Vertreibung der Besitzer durch die kommunistischen Machthaber, Verfall zu DDR-Zeiten und, mit Glück, ein Neubeginn nach der Wende – mal durch tapfere „Wiedereinrichter“, also die adligen Vorbesitzer, mal auch durch bürgerliche Idealisten. Tüchtige Männer sind das und sehr viele Frauen, die sich im ungewohnten Metier des Hoteliers abmühen.
Im Nordosten, also in Mecklenburg-Vorpommern, gibt es besonders viele herrschaftliche Gebäude: 2000 Burgen, Schlösser, Guts- und Herrensitze insgesamt, von denen inzwischen 40 Prozent saniert sind. Ungefähr die Hälfte aller Adelssitze wird bewohnt, ein Zehntel wird touristisch genutzt. Das ergibt die stolze Zahl von 200 Gutshöfen und Schlössern in Mecklenburg-Vorpommern, die herrschaftliche Ferien versprechen.
Jedes Haus ist zweifellos ein Unikat. Doch nicht jedes taugt als Urlaubsdomizil, zumal viele der Gastgeber Amateure im Hotelgewerbe sind. Viele haben ihre Häuser nicht aus Passion dem Tourismus geöffnet, sondern weil das „Schlosshotel“ zwischen Bauschutt und Bankbürgschaften der letzte Rettungsanker war.
Übrigens: Die Bezeichnung „Schloss“ steht streng genommen nur den landesherrlichen Residenzen zu, also den Schlössern der Großherzöge und Herzöge von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz sowie den ehemaligen Pommernherzögen aus dem Greifengeschlecht. Alles andere sind Guts- oder Herrenhäuser. Aber so genau wird das nicht genommen. Sechs der interessantesten Häuser stellen wir vor.
Schloss Bellin
Ein gewaltiges Schloss in der Nähe von Güstrow, wuchtiges Neubarock mit einer pompösen Freitreppe, ein großer Park mit alten Bäumen, Teichen, Pavillons, kurzum: das ganze herrschaftliche Ensemble. Zu DDR-Zeiten als Heim heruntergewirtschaftet, 1998 zu einem Apartmenthotel umgebaut, das sich auf Hochzeiten spezialisiert hat. Alles wird perfekt organisiert.
„Jagdschloss Bellin“, Apartments ab 99 Euro, Tel. 038458/3220, www.jagdschloss-bellin.de
Schloss Marihn
Sie liegen irgendwo im Osten, zwischen Waren und Neubrandenburg, die „essbaren Landschaften“. Im Genussgarten von Marihn, nördlich des Müritz-Nationalparks, produzieren die Schlossherren Säfte, Marmeladen, Milch, Käse, Fleisch und Wurst. Das große, weiß strahlende Herrenhaus, 1890 erbaut, diente in DDR-Zeiten als „Konsum“, wurde 2006 aufwendig saniert und bietet Platz für gerade einmal zwölf Gäste. Man frühstückt oder diniert mit den Herrschaften im Salon und plaudert gepflegt über französische Lebensart, englische Rosen – und essbare Landschaften.
„Schloss Marihn“, Doppelzimmer ab 110 Euro, Tel. 03962/221930, www.schlossmarihn.com
Schloss Ulrichshusen
Das burgartige Familienschloss der von Maltzahns überstand vier Jahrhunderte, trotzte Kriegen und Schlachten. 1945 wurde es Zufluchtsort für Flüchtlinge, dann„Konsum“ und „HO“-Anlaufstelle. 1987 brannte es aus ungeklärter Ursache bis auf die Grundmauern ab. 1993 kauften die Nachfahren Alla und Helmuth von Maltzahn die Ruine und bauten sie nach alten Plänen wieder originalgetreu auf. Heute ist das Haus ein Schlosshotel; im Sommer trifft sich die Musikelite auf Schloss Ulrichshusen zur Festspielzeit. Mit Blick auf Schloss und Badesee sitzt es sich stilvoll im Restaurant-Café „Am Burggraben“. Spezialitäten sind Ulrichshusener Krebsessen sowie Wildgerichte aus dem eigenen Revier. Es gibt 18 Gästezimmer auf dem Schloss, weitere Zimmer im umgebauten Pferdestall. An der Badestelle plantschen die Kinder. Gäste können sich auch Boote und Räder ausleihen. Fazit: Wunderbares Domizil zum Urlauben, nicht nur zur Festivalzeit.
„Schloss Ulrichshusen“, Doppelzimmer ab 80 Euro, Tel. 039953/7900, www.gut-ulrichshusen.de
Schloss Karow
Erst vor zwei Jahren als Hotel eröffnet, präsentiert Schloss Karow eine neue Urlaubsidee: Hotel & Antiquitäten. Gefällt einem etwas an der Ausstattung, kann man es kaufen. Zimmer und Suiten sind gespickt mit Kunst und Antiquitäten. Das Schloss ist halb klassizistisch, halb neobarock. Park, Teich und Landschaft drum herum sind zauberhaft. Und wer nichts kauft, kann hier trotzdem in Ruhe über Spätbarock, Louis-XVI-Möbel und Klassizismus fachsimpeln.
„Schloss Karow“, Doppelzimmer ab 80 Euro, Tel. 038738/70600, www.schloss-karow.com
Gutshotel Gross Breesen
Was ist ein „Bücherhotel“? Ein Hotel voller Bücher. 100000 mindestens, unsortiert. Die Bücher kann man mitbringen, tauschen, mit nach Hause nehmen – und natürlich lesen, vorlesen, sich vorlesen lassen, diskutieren. Kurzum: ein Abenteuerspielplatz für Büchernarren mit „Mondschein-Lesungen“, „Bücherrallyes“ und literarischen „Nachtfahrten mit dem Kanu“. Alles klug und engagiert geleitet von einer (natürlich) idealistischen Büchernärrin. Die Lage des 1833 erbauten Gutshofes bei Güstrow ist malerisch, die Ruhe überwältigend. Ein Haus auch für Alleinreisende, denn über Bücher kommt man besonders leicht ins Gespräch.
„Gutshotel Groß Breesen“, Doppelzimmer ab 90 Euro, Tel. 038458/500, www.gutshotel.com
Gut Dalwitz
Der Hof in der Mecklenburgischen Schweiz ist seit 1349 in Besitz der Grafen von Bassewitz. Neuerdings ein prämierter Öko-Betrieb und „Ferienhof des Jahres“, bieten die Grafen ihren Gästen eine Reise in die Vergangenheit. Reiten, Jagen, Natur pur und aus der Küche deftige Steaks. Das Gut hat 800 halbwilde Hereford-Rinder und 130 Pferde. Kein Wunder, dass der umweltfreundliche Prinz Charles hier auch schon zu Gast war.
„Gut Dalwitz“, Wohnungen ab 50 Euro, Doppelzimmer ab 72 Euro. Tel. 039972/56140, www.gutdalwitz.de





