Florida

Konsumrausch im Traumurlaub

Kameras zum halben Preis, günstige Jeans oder billige Souvenirs, selbst der Traum von der eigenen Ferienwohnung an Floridas Küste rückt für einige Europäer in greifbare Nähe. Im Sunshine State ist unter Touristen das Shoppingfieber ausgebrochen - dem schwachen Dollar sei's gedankt.

Foto: Bildagentur Huber

Das Geld sitzt locker in diesem Sommer: Touristen in Florida, die aus dem Euro-Raum kommen, geben sich im Traumurlaub dem Konsumrausch hin. Der Euro ist gegenüber dem Dollar so stark wie nie. Für Urlauber auf Schnäppchenjagd bedeutet das, sie bekommen viel Dollar-Ware für wenige Euro. Von der Jeans bis zur Luxus-Immobilie ist bei Deutschen, Franzosen oder Italienern alles gefragt, berichtet Bud Nocera, der Direktor des staatlichen Tourismusverbands Visit Florida. "Manche Leute kommen ohne Gepäck, weil sie hier nicht nur Kleidung kaufen, sondern gleich auch die Koffer." Die Europäer sind ein Lichtblick in Floridas Konjunkturmisere.

Die US-Immobilienkrise hat den Sonnenschein-Staat so hart getroffen wie kaum eine andere Region in den USA. Jahrelang waren die Preise für Florida-Immobilien rasant gestiegen, umso abrupter fiel der Sturz aus. Im Verlauf vergangenen Jahres haben Häuser und Wohnungen mancherorts ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Mit etwas Risikobereitschaft und dem nötigen Kleingeld könnten sich Euro-Besitzer nun günstig den Traum vom Häuschen in den Tropen erfüllen. "Es gibt einige wirklich günstige Angebote", sagt Nocera. "Und das scheint noch einige Zeit so weiterzugehen."

Der Verband Shop America Alliance hat die Euro-Krössuse aus Europa ins Visier genommen und bietet ihnen Besichtigungstouren mit Einkaufsmöglichkeit. Erst ins Museum, dann ins Einkaufszentrum. Oder aber erst auf Shopping-Tour, dann zum Relaxen ins Wellness-Spa. Das Angebot kommt vor allem bei Deutschen gut an, berichtet Shop-America-Präsidentin Rosemary McCormick. "Das Lieblingswort der Deutschen ist Outlet", scherzt sie. "Sie wollen immer wissen, wo es die günstigsten Angebote gibt. Den Franzosen hingegen geht es eher um Stil."

Die Invasion der Europäer habe vor 18 Monaten begonnen, als der Dollar zu bröckeln begann, sagt sie. Vor zwei Jahren bekamen Urlauber für einen Euro etwa 1,20 Dollar. In den letzten Monaten waren es bis zu 1,60 Euro, also ein Drittel mehr.

Zu den kauflustigen Fernreisenden zählt auch Lars Binckebanck aus Deutschland. "Diesmal geben wir einfach Geld aus, ohne Rücksicht", sagt er. Binckebanck kommt jedes Jahr mit seiner Familie zum Urlaub in die USA. Diesmal haben sie sich ein Wohnmobil gemietet und wollen die Traumstrände an Floridas Küste abklappern. "In Disney World sind wir schon gewesen und haben viele Souvenirs und eine Kamera gekauft", sagt Binckebanck und zeigt seine High-Tech-Kamera, die daheim in Deutschland doppelt so viel kosten würde.

Die gewitterschweren und hurrikangefährdeten Hochsommermonate sind normalerweise nicht die Hauptsaison in Florida, viele kleinere Tourismusbetriebe haben in den Vorjahren dann zeitweilig dicht gemacht. Nicht so in diesem Jahr: An den feuchtheißen Everglades-Sümpfen halten Hotels ihre Tore offen, um Kajakfahrer und Vogelfreunde aus Europa zu beherbergen. Und im schicken South Beach, der Flanier- und Cocktailmeile von Miami, strömen die Touristen zum Auto-Scooter-Betrieb von Donald Thomas. "Man muss nicht einmal Werbung machen, und unsere Scooter sind trotzdem voll."

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