September

Verletzte bei Eröffnung eines Berliner Einkaufscenters

Bei Tumulten anlässlich der Eröffnung eines Elektronik-Marktes am Berliner Alexanderplatz sind in der Nacht zum Mittwoch mindestens fünf Menschen leicht verletzt worden. Rund 5000 Menschen drängelten dermaßen vor den Eingängen, dass eine große Scheibe zu Bruch ging.

Foto: bu fd/dt / DPA

Wer zu den ersten Kunden der „Alexa“ gehören wollte, der musste richtig früh aufstehen – oder durfte gar nicht erst zu Bett gehen. Bereits um Mitternacht öffnete mit dem Media-Markt das erste Geschäft in Berlins neuem Einkaufstempel. Der mit fast 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche „weltgrößte Media Markt“ lockt nach eigenen Angaben mit Angeboten und Preisen, „die es so noch nicht gab“.

Bei der Eröffnung des Elektromarktes hat es dann am frühen Mittwochmorgen mindestens fünf Verletzte gegeben. Grund dafür war das Gedränge. Besonders günstige Angebote hatte zahlreiche Kauflustige angelockt. Wie die Polizei am Vormittag mitteilte, drängelten sich rund 5000 Menschen dermaßen vor den Eingängen des neuen Marktes, dass eine große Scheibe zu Bruch ging und das Geschäft nach zwei Stunden unplanmäßig wieder geschlossen werden musste.

Die Polizei war eigenen Angaben zufolge mit 100 Beamten vor Ort vertreten. Ihre Versuche, die Konsumwut zu kanalisieren, mündeten gegen 2 Uhr in der Schließung der Eingänge. Von da an durften nur noch diejenigen kaufen, die es bis dahin in die Verkaufsräume geschafft hatten. Als sie gegen 5 Uhr ebenfalls den Markt verlassen hatten, wurde er ganz geschlossen und erst gegen 8 Uhr wieder geöffnet, ebenso wie die meisten anderen Geschäfte in dem Zentrum.

Seither verlief das Marktgeschehen „ruhig“, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Deutsche Polizeigewerkschaft protestierte gegen „solchen Unsinn“. Polizisten würden mit solchen Einsätzen von wichtigeren Aufgaben abgehalten. „Ganz offenbar hat auch beim Normalverbraucher eine Tendenz zur Gewaltbereitschaft im Gedränge eingesetzt, anders lassen sich die Verletzungen nicht erklären.“

Alle übrigen Geschäfte in der viergeschossigen Shopping-Mall zwischen Alexander- und Dircksenstraße in Mitte öffnen am heutigen Mittwoch um 8 Uhr ihre Glastüren, ebenfalls mit zahlreichen Sonderangeboten. Ein besonderes Eröffnungsfest wird es laut Center-Manager Oliver Hanna aber nicht geben. „Das ist ein Freizeit- und Einkaufszentrum, wie es in dieser Form in Berlin noch nicht da war. Die Besucher sollen es in Ruhe auf sich wirken lassen.“ In der Tat präsentiert sich der Neubau auf dem Gelände des im Zweiten Weltkrieg zerstörten alten Berliner Polizeipräsidiums in vielerlei Hinsicht als Einkaufswelt der Superlative: mehr als 56.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 1600 Parkplätze in den Tiefgaragen und 178 Läden auf vier Ebenen, so viele wie in keiner anderen Berliner Shopping-Mall. Darunter sind – wie Alvaro Portela vom portugiesischen Investor Sonae Sierra durchaus einräumt – viele der „üblichen Verdächtigen“. So sind bekannte Mode-Anbieter wie H&M, Zara, Esprit oder S.Oliver ebenso vertreten wie Deichmann (Schuhe), Intersport (Sport- und Freizeitartikel), Thalia (Bücher), Douglas (Parfümerie) oder die Drogeriemarkt-Kette Rossmann.

Vielfalt bei Läden und der Gastronomie

„Wir wollen und können auf erfolgreiche Marken nicht verzichten“, begründete Portela die Auswahl der Mieter. Zugleich gibt es aber auch einige „neue Gesichter“ – wie etwa der aus Polen kommende Anbieter „Smyk“, der sich auf Kindermode spezialisiert hat. Besonders hervorgehoben wird von Center-Manager Hanna aber der hohe Anteil von Anbietern aus der Region – mehr als ein Viertel aller Läden haben Inhaber aus Berlin und Brandenburg. Dazu gehört beispielsweise das Eiscafé „Angelina“, das bis zu 40 Sorten Eis im Angebot hat.

Auch kulinarisch wird in der Alexa auf große Vielfalt gesetzt. 15 Restaurants und Fastfood-Anbieter sind in der Mall vertreten. Ein Großteil gruppiert sich nach nordamerikanischem Vorbild um einen gemeinsam nutzbaren Gäste-Bereich. Der Vorteil gerade für Familien liegt auf der Hand: Keiner muss sich den Vorlieben eines Familienmitglieds unterordnen. Auch nach der Wahl unterschiedlicher Anbieter kann dann gemeinsam an einem Tisch gegessen werden.

Doch die Alexa soll nach dem Willen der Investoren aus Portugal und Frankreich weit mehr als ein schnöder Konsumtempel sein. „Wir möchten eine solche Atmosphäre schaffen, dass der Kunde gern auch einen halben Tag oder länger bei uns bleibt“, sagt Projektmanager Dirk Nadig. Und so präsentiert sich das Einkaufscenter äußerlich wie im Innern mit einer anspruchsvollen, wenngleich umstrittenen Architektur im Stil des Art déco, die bereits in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kaufhäuser auf dem Alexanderplatz prägte. Umstritten ist dabei vor allem der massige und größtenteils fensterlose Baukörper des Centers, der der Alexa bereits die wenig schmeichelhaften Spitznamen „Rosaroter Bunker“ und „Pharaonengrab“ einbrachte. Doch der Alexa-Architekt José Quintela kann mit derartiger Kritik leben: „Gebäude solchen Ausmaßes haben natürlich ihre Auswirkungen auf die urbane Umgebung.“ Es habe für ihn zwei Möglichkeiten gegeben: entweder etwas ganz Neutrales oder eine Ikone zu bauen. „Wir wollten ein ikonisches Gebäude“, sagt Quintela und bekam nach einem für Einkaufscenter durchaus nicht üblichen Architekten-Wettbewerb dafür die ausdrückliche Zustimmung des damaligen Senatsbaudirektors Hans Stimmann.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lobte auf der Eröffnungsparty am Abend das Einkaufszentrum als „Zukunftsprojekt“, das den Alexanderplatz belebe, Kaufkraft bringe und zur wirtschaftlichen Entwicklung Berlins beitrage. „Wenn die Investoren Erfolg haben, wird auch Berlin Erfolg haben“, betonte der Regierungschef.

290 Millionen Euro haben Sonae Sierra und Foncière Euris nach eigenen Angaben in das Projekt am Berliner Alexanderplatz investiert. 1000 Arbeitsplätze soll es einmal in der Alexa geben. Für das portugiesisch-französische Gemeinschaftsunternehmen ist das Center ein wichtiges Prestige-Projekt, um im harten Einzelhandels-Geschäft in Deutschland Fuß zu fassen. Laut Portela ist das Engagement in Berlin nicht auf schnellen Profit ausgelegt. „Wir werden Alexa langfristig in unserem Portfolio behalten, in guten wie in schlechten Zeiten.“ Bereits im ersten Geschäftsjahr erwartet er neun Millionen Besucher, im Schnitt also gut 30.000 pro Einkaufstag.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.