Denn in jedem Büro sitzen völlig unterschiedliche Typen zusammen, prallen Mentalitäten aufeinander. Das kann nerven, aber auch die Möglichkeit bieten, für sich selbst etwas zu lernen. Wir stellen sechs Typen vor, die nur der Einfachheit den männlichen Artikel vor sich hertragen. Denn: Männer sind so, Frauen auch...
Der Gernegroß
Doch, hier passt der männliche Artikel. Denn vor allem unter den Herren ist es weit verbreitet, sich größer, bedeutender und vor allem kompetenter zu fühlen, als man wirklich ist. Erstes Erkennungsmerkmal: lautstark klug daherreden, zu allem eine Meinung haben und diese auch gern mal ungefragt mitteilen. Was ihm klug und intelligent erscheint, plappert der Gernegroß nach. Was dazu führt, dass er viel redet, aber wenig sagt.
Er hält sich für einen klugen, welterfahrenen Typen. Tatsächlich durchschauen alle den Gernegroß, nehmen ihn wahr, aber nicht ernst. Deshalb kommt er beruflich auch selten besonders weit. Würde er sich tatsächlich mit Themen beschäftigen statt nur plump daher zu schwatzen, wäre er ein Meister des gesunden Selbstmarketings und ein Vorbild für diejenigen, die immer nur unauffällig ihre Arbeit wegputzen.
Der Jammerlappen
Keinem Menschen geht es schlechter, keiner leidet mehr. Er bekommt eine Gehaltserhöhung? Ach, die Steuer frisst doch sowieso alles weg. Er soll neue Projekte übernehmen oder wenigstens einen Kollegen unterstützen? Darauf folgt ein tiefer Seufzer, dann zählt er mit Leidensmiene detailliert auf, was er noch alles zu tun hat. Wenn das noch nichts hilft und sein Gegenüber nicht schon entnervt abwinkt, greift der Jammerlappen zum letzten Mittel: Seine gerade in dieser Zeit gehäuften Migräneattacken, die lädierte Bandscheibe...
Auf Dauer mag kein Kollege um Hilfe bitten und kein Vorgesetzter Aufgaben verteilen, denn das Genöle will sich keiner anhören. So gerät der Jammerlappen selten in die Gefahr, sich zu überarbeiten. Der Kollege ist eine Nervensäge, gewiss, doch die stillen Arbeitsbienen können sich etwas an ihm abgucken: Nicht immer mehr Arbeit annehmen, unter ihr fast zusammenbrechen und sich dann über den Stress beschweren, sondern auch mal höflich, aber bestimmt "Nein" sagen. Ohne Mitleidsgeheul.
Der Anbiederer
Er ist der Kofferträger vom Chef und redet ihm nach dem Mund. Er weiß viel, hält sich stets auf dem Laufenden, studiert Bücher und Fachzeitschriften und glänzt so schließlich mit klugen Ideen, Vorschlägen und Anregungen beim Vorgesetzten. Seine Auftritte beim Chef, aber auch seine Vorträge in Konferenzen würzt er gern mit Lobpreisungen des Chefs, z.B. durch die Wiedergabe einer besonders gelungenen Verhandlung des Big Boss – "eindrucksvoll, sage ich Ihnen, einfach eindrucksvoll".
Gern ist der Anbiederer auch im Büro unterwegs, streift mal "gedankenverloren" an Schreibtischen vorbei, schaut kurz genauer hin, dann lauscht er offenbar teilnahmslos einem Gespräch anderer Kollegen – immer auf der Jagd nach etwas, womit er beim Chef glänzen kann. Wenn es ganz blöd kommt, macht er sogar Karriere. Sicher, er arbeitet solide seine Aufgaben ab, doch das machen andere auch - nur verkaufen können die sich eben nicht so gut. Bei passender Gelegenheit mal etwas Nettes sagen - das tut keinem weh und macht eine Chefseele aufgeschlossener einem selbst gegenüber. Ganz ohne Schleimspur.
Der Intrigant
Ein ganz übler Zeitgenosse, der meist in der mittleren Hierarchieebene zu finden ist und das Spiel "nach oben buckeln, nach unten treten" aus dem Effeff beherrscht. Fies: Diese Menschen haben keine Skrupel, kein Gefühl für Ungerechtigkeit. Sie nehmen sich, was sie wollen, um aufzusteigen und gut dazustehen. Der Intrigant schnüffelt auch gerne in den Unterlagen der Kollegen oder streut Gerüchte. Nicht immer ist seine Tücke zu erkennen, er tarnt sich geschickt mit Freundlichkeit und einem lieben Lächeln. Die beste Strategie ist, einen großen Bogen um diesen Kollegen zu machen, sich im Falle einer Attacke gleich deutlich zu wehren, kleine Gehässigkeiten einfach abprallen lassen.
Der Pflegeleichte
Ach, so ein richtig Netter, mit dem alle sich gut verstehen. Er kommt immer pünktlich zur Arbeit, ist fleißig und zuverlässig, lehnt selten Mehrarbeit ab. Aber nehmen die Kollegen einen solchen Menschen für voll, nehmen sie ihn wirklich wahr? Im schlimmsten Fall wissen die "Entscheider" nicht mal seinen Namen, sondern nennen ihn "dieser Nette". Lässt dieser Kollege sich tatsächlich alles gefallen, darf er sich nicht wundern, wenn der Rest der Bürobevölkerung ihn nicht respektiert.
Doch vielleicht hat man es bei einem Pflegeleichten auch mit einer besonderen Spezies Kollege zu tun, mit einem äußerst gelassenen Menschen, der sehr wohl deutlich wird, wenn man ihm mal einen Haufen Akten hinfeuert und ihn für "lieb" hält – kurzum: wenn man seine Grenzen überschreitet. Denn die meisten Pflegeleichten haben schlicht keine Lust, ihre wertvolle Lebenszeit damit zu vergeuden, sich über Kollegen aufzuregen und lassen Macken oder Konflikte abprallen. Ein Kunststück, das einen Namen hat: Niederlächeln.
Die Klatschtante
Keine Frage, jeder plaudert gern mal einen Moment mit einem netten Kollegen in der Kaffeeküche oder auf dem Gang zwischen den Büros. Wo andere arbeiten und gelegentlich plaudern, ist es bei der Klatschtante andersherum: Sie tratscht und arbeitet gelegentlich. Dabei streunt sie gern durch die Gänge, vielleicht mit dem Vorwand, auf dem Weg zum Kopierer zu sein. An jedem Büro macht sie Halt und hält Plauderstunde – und beobachtet neugierig die Kollegen. Denn die sind ihr bevorzugtes Tratschobjekt. So kommen immer wieder Gerüchte in Umlauf, die sie, wenn es mal nichts zu tratschen gibt, einfach erfindet.
Ob erfunden oder wahr, ihre Geschichten können viel anrichten. Abgesehen davon wird sie eigentlich für ihre Arbeit bezahlt, nicht für ihr Kaffeekränzchen-Talent. Umso ärgerlicher, wenn ein Chef hier nicht eingreift. Die Klatschtante sollte man mit gebotener Höflichkeit behandeln, beim ersten Ansatz von Tratsch aber gleich auf die Uhr sehen und sich mit einem "Kinder, wie die Zeit vergeht..." aus dem Staub machen. Es gilt: Nie mittratschen, schon gar nicht über Privates. Denn schneller, als einem lieb ist, kommt der Bumerang zurück - und dann mit dem neuesten Klatsch über einen selber.
Von Alexandra Bülow



