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Berliner entdecken die Wasserlage zum Wohnen

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Foto: Architekten Foerster Trabitzsch / ddp

Berlin ist eine Wasserstadt. Mit Spree, Havel und Dahme fließen hier gleich drei Flüsse. Hinzu kommen Seen, Teiche und Kanäle. 200 Kilometer Wasserwege führen durch die City. Längst stehen Häuser an solchen Gewässern hoch im Kurs. Wasser-Grundstücke werden für viel Geld verkauft.

Das Potenzial der Grundstücke mit direkter Wasseranbindung ist groß, die Verkaufserlöse entsprechend. Kein Wunder also, dass neue Wohnprojekte in den kommenden Jahren folgen sollen. "Insgesamt sind an der Oberhavel in Spandau 7500 Wohnungen und Häuser geplant, 3800 sind bereits fertig. Der Leerstand liegt bei nur zehn Prozent oder drunter", sagt etwa Projektmanagerin Dominique Sandten.

In den letzten Jahren sind drei neue Quartiere (Havelspitze, Pulvermühle und ein Quartier rund um die ehemalige Schultheiß-Brauerei am Spandauer See) bezogen worden. "In Planung und Umsetzung sind sechs weitere Quartiere, etwa das Haveleck mit fast 200 fertig gestellten und weiteren 600 geplanten Reihen- und Doppelhäusern sowie das Quartier Nordhafen", erklärt die Projektmanagerin.

Am Nordhafen entstehen Häuser in direkter Wasserlage mit Steg und Wohnungsgrößen von 110 bis 200 Quadratmetern. Ab etwa 300 000 Euro kostet die direkte Wasserlage. Häuser "in Wassernähe" sind im Quartier Haveleck ab 200 000 Euro zu haben.

"Die Nachfrage ist groß. Viele Spandauer, hauptsächlich Familien mit Kindern, die in den Wohnungen rund um die Oberhavel wohnen, ziehen in die Haveleck-Häuser", erklärt sie. Und für die Familien wird gesorgt. Sechs Kindergärten gibt es bereits, und ein weiterer ist in Planung, eine Grund- und eine Oberschule befinden sich in der Wasserstadt. Ausreichende Spiel- und Freiflächen wurden geschaffen, und Spandaus Altstadt ist schnell zu erreichen. "Die Wasserstadt Berlin-Oberhavel ist zentrumsnah gelegen, und man ist doch schnell draußen im Grünen", sagt Dominique Sandten und verweist auf die fast durchgängigen Uferbereiche mit Fahrradwegen bis nach Brandenburg.

Ein weiteres Wasserwohnprojekt befindet sich rund um die Halbinsel Stralau und Rummelsburg im Berliner Südosten. Hier sollen nach Angaben der Senatsverwaltung 4200 Wohneinheiten entstehen, davon seien 2300 schon fertig, 200 im Bau und 520 vertraglich gesichert. "Ein Haus an der Rummelsburger See kostet inklusive Grundstück bei 200 qm Größe rund 300 000 Euro" sagt Carola Lemke von der Projektsteuerung. Im Angebot sind neben Eigentumswohnungen und Häusern in diversen Preislagen auch Wohnungen zur Miete. "Die Mieten liegen auf Stralau und in der Rummelsburger Bucht im Schnitt neun bis zwölf Euro pro Quadratmeter."

Trotz etlicher Spiel- und Sportplätze und zwei Jugendfreizeitstätten gibt es auf Stralau ein Problem mit dem Einzelhandel. "Leider gibt es hier kaum Laufkundschaft, im Lichtenberger Bereich in Rummelsburg ist es besser", erklärt Carola Lemke und lobt die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mit Bus, Straßenbahn und S-Bahn: "Wir haben hier eine zentrumsnahe Lage mit ländlichem Charakter."

Und diese soll durch ein besonderes Projekt aufgewertet werden. In Planung sind acht "Floating Lofts" - Wasserhäuser in der Rummelsburger See. "Wohnen auf dem Wasser wird wörtlich genommen", sagt Carola Lemke. Solch schwimmende Häuser soll es in drei Größen - 130, 155 und 160 qm - geben, zu Preisen ab 400 000 Euro, viel Glas und eine große Dachterrasse inklusive.

Ein weiteres Projekt mit Schwerpunkt Wohnen am Wasser entsteht rund um die Heidestraße in Moabit. "Hier wird in absehbarer Zeit ein komplett neues Quartier entstehen", sagt Markus Diekow, Sprecher der Vivico Real Estate. Das Unternehmen ist Projektentwickler, Investor und größter Grundstückseigentümer in der Heidestraße.

Geplant ist die Schaffung eines gemischt genutzten Quartiers für unterschiedliche Nutzer mit Mieten im niedrigen und höheren Bereich. "Als Quartiersentwickler streben wir eine stabile Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Kultur an", erläutert Markus Diekow.

Auch gedacht ist an Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. Doch in welchem Umfang welche Planungen umgesetzt werden, ist noch unklar. "Die Entscheidungen werden im Rahmen des weiteren Verfahrens zusammen mit Bezirk und Senatsverwaltung entschieden", sagt Diekow. Geplant ist eine Promenade am Ufer, die bis zum Nordhafen führen soll.

Einen Namen hat das neue Quartier noch nicht. Der wird noch gesucht, soll aber noch in diesem Jahr bekannt gegeben werden. "Die Planung befindet sich noch in einer frühen Phase. Der nächste Schritt ist ein Bebauungsplan. Optimistisch gesehen ist die Realisierung erster Abschnitte ab 2011 oder 2012 möglich", fügt er hinzu.

Und auch im Norden Berlins tut sich etwas. Im Tegeler Hafen sollen südlich der Humboldt-Bibliothek ein Seniorenheim sowie direkt am Hafenbecken drei "Hafenhäuser" entstehen. "Dazwischen ist eine Piazza mit Cafés und Geschäften geplant", sagt ein Mitarbeiter der Stadt- und Regionalplanung im Bezirk Reinickendorf. Baubeginn ist 2009.

Doch damit nicht genug: Auch auf der Tegelinsel und der Nordinsel wachsen Wasserwohnpläne. Auf der Tegelinsel sind laut Bezirksamt Reinickendorf elf Stadtvillen mit einer Nutzfläche von jeweils 400 qm und mit Steg in direkter Wasserlage geplant. Schon in diesem Jahr soll die Bebauung losgehen, wobei ein Schwerpunkt auf der Erhaltung der Inselatmosphäre liegen soll. Auch soll die Insel weiterhin öffentlich zugänglich bleiben.

Während es auf der Tegelinsel mondän wird, sind auf der Nordinsel Reihenhäuser am Wasser sowie weitere Floating-Häuser, ähnlich derer in der Rummelsburger See, geplant. Und auch hier liegt der Baubeginn mit 2008/09 in unmittelbarer Nähe.