Christian O., Köpenick: Wir haben eine eineinhalb Jahre alte Berner Sennenhündin. Nun hat eine Tierärztin angeregt, über eine Kastration nachzudenken, weil das nicht nur die Läufigkeit verhindert, sondern auch Krankheiten wie etwa Krebs vorbeugen soll. Wir sind unsicher, ob das wirklich ratsam ist. Gibt es Gründe, die dagegen sprechen könnten? Simone R., Pankow: Zurzeit gibt es immer wieder Streit zwischen Hundehaltern und solchen, die keine Tiere haben. Ist es empfehlenswert, Hunde beiderlei Geschlechts kastrieren lassen, damit sie leichter zu bändigen sind beziehungsweise zahmer auftreten und welche Folgen hat das für die Gesundheit der Tiere?

Andreas Ochs, Tierarzt im Berliner Zoo, klärt auf: Ich glaube, dass hier zwei Fragestellungen miteinander verknüpft sind, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. Ja, die Kastration, das heißt die Entfernung der keimbildenden Gewebe, also der Hoden oder der Eierstöcke, kann bewirken, dass die Hunde tatsächlich ruhiger werden. Ursächlich dafür ist die dann geringere Hormonwirkung, die neben der Herabsetzung des Geschlechtstriebes und aller damit verbundenen Aktivitäten auch den Stoffwechsel der Tiere langsamer verlaufen lässt. Bei Hündinnen verschwinden die Phasen der Läufigkeit. Negative Folgen für die Tiere gibt es eigentlich keine.

Nach dem Eingriff Verfettung möglich

Die Besitzer merken allerdings gelegentlich, dass die Hunde nach einer solchen Operation einen verstärkten Appetit haben. Füttert man nun die gleichen Mengen weiter wie bisher, führt der verlangsamte Stoffwechsel zusammen mit einer auch oft auftretenden Bewegungsunlust zu einer zunehmenden Verfettung. Und dass diese nicht nur bei Menschen negative Folgen für die Gesundheit haben kann, darf man ja inzwischen als allgemein bekannt voraussetzen.

Für die Tatsache, dass eine Kastration von Hündinnen vor einer späteren Tumorbildung schützt, gibt es keine wirklich aussagekräftigen Studien. Anders ist die Situation, wenn bereits Neoplasien an den Ovarien oder der Gebärmutter aufgetreten sind, deren Wachstum nachweislich auf eine Störung der Hormonregulation zurückgeht. Hier kann die prophylaktische Kastration zur Verhinderung von Rezidiven sinnvoll sein.

Kein Mittel gegen Auseinandersetzungen

Aber – und nun kommt der andere Teil der Frage – nein, ich denke nicht, dass eine solche Maßnahme die Auseinandersetzungen zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern vermeiden kann. Solche Streitigkeiten basieren doch meistens auf dem Missverständnis, dass Hundebesitzer ihre Tiere gut kennen und voraussetzen, anderen Menschen sei es eben genauso klar, dass „der nix tut“. Zusätzlich sorgt leider die fehlende gegenseitige Rücksichtnahme aber auch auf der anderen Seite vielleicht übertriebene Ängstlichkeit für Aggressionen. Dagegen hilft aber auf keinen Fall die Kastration des Hundes.

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