Über die Jahre kann sich die Hautpflegeroutine einer Person verändern. Manche Produkte werden aussortiert, andere wiederum sind für die Hautpflege unersetzlich und kommen regelmäßig zum Einsatz. Zu letzteren sollten zweifellos Retinoide gehören. Sie gelten als besonders effektiv zur Milderung der sichtbaren Hautalterung, reduzieren Falten und straffen die Haut. Aber auf welches Retinoid sollte man in der Hautpflege eher setzen: Retinol oder Retinal?
Retinol und Retinal: Die Alleskönner in der Hautpflege
Retinol und Retinal gehören zur Gruppe der Retinoide, und sind Formen von Vitamin A. Seit vielen Jahren kommen sie in der Hautpflege zum Einsatz. Geschätzt werden Retinoide vor allem aufgrund ihrer Anti-Aging-Wirkung: Dank ihrer kleinen Molekülgröße können sie die oberste Hautschicht (Epidermis) leicht durchdringen. In der Tiefe sorgen Retinoide dagegen dafür, dass die Zellen mehr Kollagen und Elastin ausschütten.
Beide Substanzen spielen eine entscheidende Rolle bei der Hautalterung: Je mehr Kollagen und Elastin verfügbar ist, desto straffer und elastischer ist die Haut. Darum haben Retinoide die Fähigkeit, Falten zu mildern und die Haut optisch zu verjüngen. Eine Meta-Studie von 2006 zeigt, dass bereits in den frühen 1990ern die kollagenstimulierende Wirkung von Retinoiden wissenschaftlich gut untersucht war.
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Der Anti-Aging-Effekt entsteht aber auch durch die antioxidative und leicht peelende Wirkung von Retinoiden: Zum einen schützen sie vor vorzeitiger Hautalterung, indem sie schädliche freie Radikale in den Zellen einfangen. Zum anderen beschleunigen sie den Hauterneuerungsprozess und machen den Teint rosig, da sie abgestorbene Hautzellen abtragen. Noch dazu können Retinoide die Talgproduktion reduzieren und die Hautbarriere stärken.
Was ist der Unterschied zwischen Retinal und Retinol?
Beide Vitamin-A-Formen können den Hautzustand verbessern, wenn man sie regelmäßig anwendet. Sowohl Retinol als auch Retinal wirken nicht direkt auf der Haut, sondern erst nach ihrer Umwandlung in Retinsäure, der aktivsten Vitamin-A-Form.
Genau hier unterscheiden sich die beiden Retinoide: Retinal wandelt sich direkt in Retinsäure um, während Retinol zwei Syntheseschritte braucht: Es wird erst zu Retinal und dann zu Retinsäure. Aufgrund des schnelleren Umwandlungsprozesses ist Retinal also das aktivere Retinoid – es wirkt schneller und stärker.

Retinal vs. Retinol: Was ist besser?
Die Wissenschaft gibt eine recht eindeutige Antwort darauf, welches Retinoid das bessere ist. Eine Meta-Studie von 2022, die eine Vielzahl von Studienergebnissen berücksichtigt hat, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Retinal ist demnach das effektivste Retinoid für Hautpflegeprodukte. Bereits eine vergleichsweise geringe Konzentration von 0,05 Prozent genüge, um die Haut sichtbar zu verbessern, heißt es in der Studie. Bei Retinol seien hingegen Konzentrationen zwischen 0,25 und 0,3 Prozent empfehlenswert.
Überraschenderweise geht der starke Effekt nicht zulasten der Hautverträglichkeit: Retinal habe ein günstiges Wirkungs-Toleranz-Verhältnis, erklären die Forschenden, selbst bei höheren Konzentrationen. Besonders in der Anfangszeit der Behandlung mit Retinol kommt es dagegen nicht selten zu Rötungen, trockenen Stellen und Juckreiz. Hautreaktionen sind dabei wahrscheinlicher, je höher die Wirkstoff-Konzentration ist.
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Tipp: Retinoide in geringen Konzentration anwenden
Trotz der guten Verträglichkeit kann die Haut allerdings auch auf Retinal gereizt reagieren. Ein Produkt, das Retinal enthält, ist also nicht per se gut. „Es ist wichtig, ein Produkt zu wählen, das gut zur eigenen Haut passt und keine unerwünschten Reaktionen hervorruft“, rät die Dermatologin Susanne Steinkraus.
Mehr Produktvergleiche:
Wer noch nie Retinoide in der Hautpflege verwendet habe, solle sich langsam vortasten. „Anfänger sollten mit niedrigeren Konzentrationen beginnen und sich langsam steigern“, so Steinkraus. Außerdem sollte ein Produkt mit Retinol oder Retinal in kleinen Schritten in die Hautpflegeroutine eingebunden werden. Für die ersten Wochen reicht daher eine Anwendung zwei- bis dreimal die Woche aus.
Retinal und Retinol nicht für jeden Hauttyp geeignet
Für Menschen mit extrem empfindlicher Haut ist weder Retinal noch Retinal die beste Wahl. Hautreizungen lassen sich bei ihnen eher vermeiden, wenn sie zu Produkten mit sogenanntem Retinolester greifen. Das sind Vorformen von Retinol, die sanfter zur Haut sind, weil sie vor der Wirkung mehr Syntheseschritte durchlaufen müssen. Häufig eingesetzte Retinolester sind Retinylpalmitat, Retinolacetat, Retinyllinoleat.
Ob Retinolester, Retinal oder Retinol: Während der Behandlung mit Retinoiden sollte täglich Sonnencreme aufgetragen werden, da sie die Haut empfänglicher für UV-Strahlung machen. Wichtig: Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist es ratsam, keine Hautpflegeprodukte mit Retinoiden zu verwenden. Gesundheitliche Risiken für das Baby können Experten zufolge nicht ausgeschlossen werden.
Quellen
Mukherjee, S. [u.a]: Retinoids in the treatment of skin aging: an overview of clinical efficacy and safety, in: Clinical Interventions in Aging, 2006; Vol. 1(4): 327–348.
Milosheska, D.; Roskar, R.: Use of Retinoids in Topical Antiaging Treatments: A Focused Review of Clinical Evidence for Conventional and Nanoformulations, in: Advances in Therapy, 2022; Vol. 39: 5351–5375.



