Mineralöl, Silikone, Mikroplastik und Parabene – wenn es um Substanzen geht, die es in der Kosmetik zu vermeiden gilt, fallen immer dieselben Begriffe. Dass Mineralöl oder Mikroplastik in der Hautpflege eigentlich nichts zu suchen haben, ist für viele unumstößlich. Aber was hat es mit Parabenen auf sich? Der Inhaltsstoff steht seit Jahren in der Kritik. Hersteller müssen sich an strenge Grenzwerte halten, da Parabene in hoher Konzentration schädlich sind. Sind die Verbraucher dadurch geschützt? Warum es daran große Zweifel gibt.
Was sind Parabene? Einfach erklärt
Als Parabene werden Alkylester der p-Hydroxybenzoesäure bezeichnet. Ester sind chemische Verbindungen, die sich durch eine Reaktion von Alkohol mit einer Säure unter Abspaltung von Wasser bilden. Einige Parabene werden als Konservierungsstoffe in Hautpflegeprodukten eingesetzt, da sie antimikrobielle und keimhemmende Eigenschaften haben. In der Kosmetik werden dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) zufolge häufig Ethyl- und Methylparabene sowie Butyl- und Propylparabene verwendet.
Welche Wirkung haben Parabene?
In einer Studie wies der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nach, dass in rund einem Viertel der über 62.000 untersuchten Kosmetikprodukte Methylparaben enthalten waren, in rund 18 Prozent steckte Propylparabene. Dass Parabene so häufig zum Einsatz kommen, liegt daran, dass sich mit ihnen Produkte lange haltbar machen lassen – sie verhindern, dass sich Bakterien, Hefen und Pilze vermehren.
Flüssige, wasserbasierte Formulierungen sind besonders auf Konservierungsstoffe angewiesen, da Wasser das Bakterienwachstum fördert. Sobald Gesichtscremes, Körperlotionen, Duschgels oder Deos geöffnet werden und mit Sauerstoff oder der Haut in Berührung kommen, dämmen Parabene die Anzahl an Mikroorgansimen ein.
Parabene werden meist anderen Konservierungsstoffen vorgezogen, weil sie nicht nur kostengünstig in der Herstellung sind. Für sie spricht auch, dass sie hautverträglich sind und im Vergleich zu anderen Konservierungsstoffen ein geringes Allergiepotential besitzen, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einem aktuellen FAQ zur Risikobewertung von kosmetischen Mitteln. Dem Nutzen von Parabenen stehen jedoch Bedenken über ihre Auswirkung auf die Gesundheit gegenüber.

Sind Parabene schädlich?
Es ist wissenschaftlich belegt, dass Parabene ähnlich wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Langkettige Parabene wie Butylparaben und Propylparaben haben dem BUND zufolge eine stärkere östrogene Wirkung als kurzkettige Methyl- und Ethylparabene. Sie hätten zudem „anti-androgene Effekte“, indem sie die Wirkung des männlichen Sexualhormons Androgen hemmen. In verschiedenen Tierversuchen hat sich gezeigt, dass hormonell wirksame Substanzen Fortpflanzungsstörungen verursachen sowie den Testosteronspiegel und die Spermienqualität reduzieren können.
Eine Langzeitstudie von Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, der Universität Leipzig und der Charité Berlin hat zudem ergeben, dass die Verwendung von Kosmetika mit Butylparaben während der Schwangerschaft mit einem höheren Risiko der Kinder einhergeht, übergewichtig zu werden.
Der Effekt wurde insbesondere für Mädchen nachgewiesen und konnte in anschließenden Mausmodellen bestätigt werden: Bei Tieren, die in der Schwangerschaft oder Stillzeit Butylparaben ausgesetzt waren, wiesen die weiblichen Nachkommen ein höheres Gewicht auf, weil sie mehr fraßen. Der Grund: Ein Gen, das an der Steuerung des Hungergefühls beteiligt ist, war herunterreguliert, berichteten die Forscher. Schwangeren rieten sie von parabenhaltigen Kosmetika ab: „Werdende Mütter sollten während der sensiblen Phasen von Schwangerschaft und Stillzeit mit Blick auf die künftige Gesundheit ihre Kindes unbedingt auf parabenfreie Produkte zurückgreifen“, hieß es in einer Pressemitteilung.
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Können Parabene krebserregend sein?
Im Zusammenhang mit Parabenen wird auch häufig auf eine britische Studie von 2004 verwiesen. Darin haben Forscher in 20 verschiedenen Proben von Brustkrebsgewebe Parabene nachgewiesen, wovon ein Großteil Methyparabene waren. Da sich Brustkrebs häufig unter dem Einfluss von Östrogen entwickelt, wurde aus der Studie die These entwickelt, dass Parabene – vor allem aus Deodorants – aufgrund ihrer hormonellen Wirkung zum unkontrollierten Wachstum von Brustkrebszellen beitragen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat kurz nach der Veröffentlichung der Studie 2004 eine Stellungnahme abgegeben. Darin wurde erklärt, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für die These gäbe, dass Parabene das Brustkrebsrisiko erhöhen. Die Aussagekraft der Studie sei aufgrund der geringen Anzahl der untersuchten Proben und der fehlenden Kontrollgruppe gering. Es könne daher nicht von einem kausalen Zusammenhang gesprochen werden.
Der BUND zählt Brustkrebs und auch Hodenkrebs zu den möglichen Gesundheitsrisiken hormonell wirksamer Chemikalien. Es ist aber bis heute noch nicht abschließend geklärt, ob Parabene tatsächlich karzinogen sind.
Strikte Regeln für die Verwendung von Parabenen in der EU
Strittig ist es zudem die Frage, ob Parabene, wie sie in frei verkäuflichen Kosmetika vorkommen, tatsächlich Auswirkungen auf die Gesundheit haben. In Deutschland und in der EU unterliegen Hautpflegeprodukte strengen gesetzlichen Regeln. „Kosmetische Mittel, von denen ein Gesundheitsrisiko ausgeht, dürfen nicht verkauft oder vertrieben werden“, betont das BfR.
Vom Wissenschaftlichen Ausschuss Verbrauchersicherheit (SCCS) der EU-Kommission werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Herstellung von Kosmetika gesetzt. Leitend dafür sind drei verschiedene Listen der EU-Kommission:
- Eine Positivliste mit unbedenklichen Inhaltsstoffen, die Kosmetikhersteller für den vorgegebenen Zweck anwenden dürfen,
- eine Negativliste mit allen verbotenen Inhaltsstoffen und eine
- Liste mit Substanzen, für die Höchstkonzentrationen definiert wurden.
Einige Parabene fallen in letztere Kategorie – sie dürfen nur in geringer Menge in Kosmetika vorkommen –, während andere gänzlich verboten sind.
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In einer Stellungnahme des BfR wird in Übereinstimmung mit den Richtlinien der EU-Kommission Methyl- und Ethylparabene als „sicher für alle Bevölkerungsgruppen“ eingestuft, wenn sie in Kosmetika in einer Konzentration von maximal 0,4 Prozent vorkommen. Butyl- und Propylparabene sind auf einer Konzentration von 0,19 Prozent beschränkt. Für Baby-Cremes und -Salben, die im Windelbereich eingesetzt werden, sind sie verboten.
Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene sind zudem folgende Parabene seit 2014 verboten:
- Isopropylparaben
- Isobutylparaben
- Phenylparaben
- Benzylparaben und
- Pentylparaben
„Cocktail-Effekt“ durch hormonell wirksame Inhaltsstoffe
In der vorgegebenen Höchstkonzentration seien von Parabenen in Kosmetika „keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten“, so das BfR. Durch die Grenzwerte kann sichergestellt werden, dass ein kosmetisches Produkt mit Parabenen nicht als endokriner Disruptor wirkt, also keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt ausübt.
Wenn es nach dem BUND geht, kann dennoch keine Entwarnung gegeben werden. Die EU-Kommission habe nämlich bei ihren Grenzwerten mögliche Kombinationseffekte nicht berücksichtigt: Wenn man mehrere Produkte mit Parabenen und anderen hormonell wirksamen Substanzen im Alltag verwendet, könnten sich die Chemikalien in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Dieser „Cocktail-Effekt“ sei bereits in Tiermodellen untersucht worden, so der BUND.
Berücksichtigt man den Umstand, dass es neben Parabenen noch eine Vielzahl anderer hormonell wirksamer Stoffe gibt, die nicht nur in allen möglichen Körperpflegeprodukten, sondern auch in Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen stecken, ist es ratsam, bedenkliche Substanzen im Alltag so gut es geht zu meiden.
Parabene in der Kosmetik erkennen
Bei kosmetischen Produkten ist es einfach, Parabene zu vermeiden. Entweder man steigt auf zertifizierte Naturkosmetik um, denn hier dürfen keine synthetischen Konservierungsstoffe verwendet werden. Oder man wirft einen Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe. Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen haben Methyl-, Ethyl-, Butyl- und Propylparabene keine schwer zu entschlüsselnde INCI-Kennzeichnung – sie haben immer die Endung „Paraben“.
Ist Kosmetik ohne Parabene gesundheitlich unbedenklich?
Das BfR befürwortet den Ersatz von Parabenen in Kosmetikprodukten nicht. Begründet wird dies mit der hohen Hautverträglichkeit und dem geringen Allergiepotential im Vergleich zu anderen Konservierungsstoffen. Die Daten der BUND-Studie zeigen, dass auch viele der größten und bekanntesten Kosmetikhersteller nicht auf hormonell wirksame Substanzen in ihren Formulierungen verzichten wollen.
Paraebenen: Was sind Alternativen?
Eine Alternative bieten zertifizierte Naturkosmetikmarken. In ihren Produkten verarbeiten sie Wirkstoffe, die eine natürliche konservierende und keimhemmende Wirkung haben. Dazu gehören Alkohol, ätherische Öle und Pflanzenextrakte. Jedoch sind Hautpflegeprodukte ohne Parabene nicht per se unproblematisch: Alkohol kann die Haut extrem austrocknen und reizen, ätherische Öle haben ein nicht zu unterschätzendes Allergiepotential –bei empfindlicher Haut sollte man daher zusätzlich darauf achten, dass die Produkte mild formuliert sind.
Quellen:
Verwendung von Parabenen in kosmetischen Mitteln. Stellungnahme Nr. 009/2011 des BfR vom 28. Januar 2011, in: bfr.bund.de (Bundesamt für Risikobewertung)
Kosmetik-Artikel: Alle Inhaltsstoffe müssen geprüft sein. Fragen und Antworten zur Risikobewertung von kosmetischen Mitteln, aktualisierte FAQ des BfR vom 7. März 2024 in: ebd.
Hormoncocktail im Badezimmer. BUND-Studie zu hormonell wirksamen Stoffen in Kosmetika, in: bund.net (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland)
Leppert, B. [u.a.]: Maternal paraben exposure triggers childhood overweight development, in: Nature Communications vol. 11: 561 (2020)
Übergewicht durch Kosmetik. Pressemitteilung vom 12. Februar 2020, in: ufz.de (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung)
Darbre, P.D. [u.a.]: Concentrations of parabens in human breast tumours, in: journal of applied toxicology vol. 24, 1: 5-13 (2004)



