Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) entscheidet am Mittwoch wieder über den Leitzins in den USA. Im September hatten die Währungshüter die Zielspanne auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Die Prognose für die nächste Sitzung fällt eindeutig aus. Für Aktien und Kryptowährungen wie Bitcoin dürfte jedoch entscheidend sein, was danach kommt. Denn ein weiterer Zinsschritt im Dezember bleibt wahrscheinlich – über den weiteren Kurs gehen die Einschätzungen auseinander.

Dazu spannend: Auch die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet diese Woche über die Leitzinsen im Euroraum. Prognosen zum EZB-Zinsentscheid finden Sie in einem separaten Text.

Fed-Zinsentscheid: Wann? Uhrzeit und Livestream im Oktober 2026

Die US-Notenbank berät am 27. und 28. Oktober 2026 über ihre Geldpolitik. Den Zinsentscheid veröffentlicht sie am Mittwoch, 28. Oktober, um 19 Uhr deutscher Zeit. Um 19.30 Uhr beginnt die Pressekonferenz mit Fed-Chef Kevin Warsh. Anleger können sie über die offiziellen Kanäle der Federal Reserve live verfolgen. Aufgrund der unterschiedlichen Termine für die Zeitumstellung in Europa und den USA findet die Veröffentlichung hierzulande diesmal eine Stunde früher statt als im September.

US-Notenbank Fed
Neben dem Zinsentscheid ist auch der weitere Ausblick der US-Notenbank für Anleger relevant.© Andrew Harnik/AP/dpa | Andrew Harnik

Prognose zum Fed-Zinsentscheid: Finanzprofis erwarten eine Zinspause

„Wir erwarten, dass die Fed den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belässt“, sagt Jörg Held, Leiter des Portfoliomanagements beim Vermögensverwalter Ethenea Independent Investors. Auch Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding und Mabrouk Chetouane, Chefstratege bei Natixis Investment Managers, rechnen mit unveränderten Zinsen.

Dabei hätten die jüngsten Inflationsdaten durchaus Argumente für eine weitere Erhöhung geliefert. Held verweist auf eine September-Inflation von 3,7 Prozent. Auch die Kernrate, die schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, sei gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Kommunikation der Notenbank deutet aus seiner Sicht dennoch auf eine Pause hin: Mehrere Fed-Mitglieder hätten zuletzt keine Eile für einen weiteren Zinsschritt erkennen lassen.

Trotz Inflation: Warum die Fed mit einer Zinserhöhung warten könnte

Für die Zinspause spricht aus Sicht der Experten vor allem, dass sich der Preisdruck derzeit nicht auf breiter Front verfestigt. „Anders als 2022 zeichnet sich bislang keine ähnlich breite und anhaltende Inflationsdynamik ab“, sagt Chetouane. Höhere Rohstoffpreise übertrügen sich nur begrenzt auf andere Verbraucherpreise.

Abgenutzter Ein-Dollar-Schein
Nach dem Fed-Zinsentscheid im Oktober folgt eine weitere Entscheidung der US-Notenbank im Dezember.© Karl-Josef Hildenbrand/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Auch vom Arbeitsmarkt gehe derzeit kein zusätzlicher Inflationsschub durch stark steigende Löhne aus. Das begrenze die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte: Gemeint ist dabei, dass höhere Preise über steigende Löhne und weitere Preiserhöhungen der Unternehmen die Inflation dauerhaft antreiben.

Hinzu kommt die doppelte Wirkung teurer Energie. Sie erhöht zwar zunächst die Kosten für Unternehmen und Verbraucher, lässt ihnen aber zugleich weniger Geld für andere Ausgaben. „Hohe Energiepreise wirken nicht nur inflationär: Sie schwächen auch die Nachfrage und können damit auf längere Sicht den Preisauftrieb dämpfen“, erklärt Axel Botte, Chefstratege bei Ostrum Asset Management.

Zusätzliche Zinserhöhungen könnten diese Belastung verstärken. Zugleich wirken die Anleihemärkte bereits bremsend. Die Renditen länger laufender US-Staatsanleihen sind gestiegen. Dadurch können sich Kredite und andere Finanzierungen verteuern – auch ohne eine weitere Zinserhöhung der Fed. Die Notenbank könne deshalb zunächst beobachten, wie stark die bisherigen Veränderungen die Wirtschaft bremsen, so Ryan.

Fed-Leitzins: Wie geht es im Dezember und 2027 weiter?

Eine Pause im Oktober bedeutet aus Sicht vieler Experten noch kein Ende der Zinserhöhungen. „Als wahrscheinlichsten nächsten Schritt sehen wir eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember“, sagt Wilding. Die Zielspanne würde damit auf 4,00 bis 4,25 Prozent steigen. Auch Ryan hält an seiner Erwartung einer Dezember-Erhöhung fest.

Für die Zeit danach die Prognosen allerdings auseinander. Wilding rechnet insgesamt mit ein bis zwei weiteren Erhöhungen. Ryan sieht dagegen derzeit keinen überzeugenden Grund für zusätzliche Erhöhungen im Jahr 2027. Der nachlassende Lohndruck und die bereits gestiegenen langfristigen Zinsen sprächen gegen eine schnellere Abfolge von Zinsschritten. Neue Inflationsüberraschungen oder eine Eskalation des Iran-Konflikts könnten diese Einschätzung allerdings verändern.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Eine eindeutige Ankündigung für Dezember erwarten die Experten von Warsh am Mittwoch nicht. Der Fed-Chef steht der sogenannten Forward Guidance skeptisch gegenüber – also konkreten Hinweisen darauf, welchen Zinskurs die Notenbank künftig einschlagen dürfte. Die Profis rechnen deshalb damit, dass Warsh sich zum weiteren Vorgehen bedeckt hält. Weitere Prognosen zum Fed-Leitzins finden Sie in einem separaten Text.

Aktien: Warum der KI-Boom für die Fed ein wichtiger Faktor wird

Für den Aktienmarkt dürfte eine Zinspause nur begrenztes Überraschungspotenzial haben, weil viele Anleger sie bereits erwarten. Die Finanzierungskosten bleiben dennoch hoch. Wilding zufolge leiden insbesondere Unternehmen außerhalb des KI-Sektors bereits unter den verschärften Bedingungen.

Zugleich stützen die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz bislang die US-Wirtschaft. Darauf verweisen Kish Pathak und Erik Weisman vom Vermögensverwalter MFS Investment Management. Sollte sich die jüngste Schwäche bei KI-Aktien verstärken, könnte die Konjunktur jedoch an Schwung verlieren. Bis Dezember dürften der Fed dazu weitere Informationen vorliegen.

Bitcoin und US-Dollar
Der Fed-Zinsentscheid kann auch Auswirkungen auf Kryptowährungen wie Bitcoin haben.© Fernando Gutierrez-Juarez/dpa | Fernando Gutierrez-Juarez

Damit wirkt der KI-Boom in zweierlei Hinsicht: Hohe Investitionen schaffen Nachfrage und können den Inflationsdruck aufrechterhalten. Wachsende Zweifel an ihrer Rentabilität können dagegen Aktienkurse belasten und die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben. Für die Fed macht das die Entscheidung über weitere Zinserhöhungen schwieriger.

Auch Held warnt davor, eine Zinspause mit einer Entspannung bei den Finanzierungskosten gleichzusetzen. Gibt die Notenbank wenig Orientierung, müssten Anleger den weiteren Kurs selbst einschätzen. Die Unsicherheit könne sich dann vor allem in den langfristigen Zinsen niederschlagen. „Eine Notenbank, die nicht spricht, überlässt die Zinspolitik dem Anleihemarkt“, sagt er.

Bitcoin: Warum eine Zinspause allein noch keine Entwarnung wäre

Für Bitcoin und andere Kryptowährungen könnte eine Zinspause kurzfristig entlastend wirken. Darauf verweist Stephen Coltman, Leiter der Makroanalyse beim Krypto-Anbieter 21Shares. Höhere Zinsen machen verzinste Anlagen im Vergleich attraktiver und können die Bereitschaft der Anleger verringern, zusätzliche Risiken einzugehen.

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Allerdings hängt diese Risikobereitschaft nicht allein von der Fed ab. Coltman sieht weitere mögliche Belastungen in Frankreichs Schuldenproblemen und der Finanzierung des KI-Booms. Verschärft sich die Unsicherheit an den traditionellen Finanzmärkten, könnten Anleger auch Geld aus Kryptowährungen abziehen. Beim KI-Boom richtet sich sein Blick auf die Verschuldung großer Technologieunternehmen. Steigende Kreditrisiken in diesem Sektor könnten dazu führen, dass Anleger auch andere risikoreiche Anlagen vorsichtiger bewerten.

Die entscheidende Frage am Mittwoch lautet deshalb nicht nur, ob die Fed wie erwartet pausiert. Für Aktien und Bitcoin zählt vor allem, wie viel Spielraum Warsh für weitere Zinserhöhungen erkennen lässt – und wie er die Belastungen durch hohe Finanzierungskosten einschätzt. Eine Pause im Oktober wäre noch kein Signal, dass die Zinsen bald wieder sinken.

Quellen:

Jörg Held, Leiter des Portfoliomanagements bei Ethenea Independent Investors – Marktkommentar, 26. Oktober 2026

Tiffany Wilding, Ökonomin bei Pimco – Marktkommentar, Oktober 2026

Mabrouk Chetouane, Chefstratege bei Natixis Investment Managers – Marktkommentar, Oktober 2026

Axel Botte, Chefstratege bei Ostrum Asset Management – Marktkommentar, Oktober 2026

Matthew Ryan, Leiter der Marktstrategie bei Ebury – Marktkommentar, Oktober 2026

Kish Pathak, Fixed Income Research Analyst, und Erik Weisman, Chefvolkswirt und Portfoliomanager bei MFS Investment Management – Marktkommentar, Oktober 2026

Stephen Coltman, Leiter der Makroanalyse bei 21shares – Marktkommentar, Oktober 2026

„Calendar: October 2026“, in: Federal Reserve. Zuletzt abgerufen am 27. Oktober 2026.

„Meeting calendars and information“, in: Federal Reserve. Zuletzt abgerufen am 27. Oktober 2026.