Wie lange bleiben die US-Zinsen hoch – und wann sind wieder Senkungen möglich? Diese Fragen bestimmen die langfristigen Prognosen für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Nach der Zinserhöhung im September liegt der Leitzinskorridor in den USA bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Mehrere Ökonomen erwarten bis Ende 2026 weitere Anhebungen. Auch die Terminmärkte preisen zusätzliche Erhöhungen ein. Finanzprofis erklären, was den Zinskurs beeinflussen könnte.

Fed-Leitzins: Aktuelle Prognose für 2026 und 2027

Für die Oktober-Sitzung am 27. und 28. Oktober rechnen die Marktteilnehmer überwiegend mit einer Zinspause. Laut dem Analysetool „CME FedWatch“ liegt die Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Zielspanne des Fed-Leitzinses von 3,75 bis 4,00 Prozent aktuell bei rund 85 Prozent. Eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte wird mit rund 15 Prozent eingepreist (Stand: 21. Oktober 2026).

Eine Pause im Oktober bedeutet allerdings nicht automatisch das Ende der Zinserhöhungen. Für Dezember liegt die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung des Leitzinskorridors auf 4,00 bis 4,25 Prozent bei rund 75 Prozent. Knapp 13 Prozent entfallen sogar auf eine Zielspanne von 4,25 bis 4,50 Prozent. Gleichzeitig liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Fed-Leitzins zum Jahresende auf dem aktuellen Niveau bleibt, bei rund zwölf Prozent.

Wichtig: Die aus Terminkursen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten spiegeln aktuelle Markterwartungen wider und können sich mit neuen Wirtschaftsdaten ändern. Die Prognosen zeigen: Eine weitere Zinserhöhung bleibt möglich. Woran liegt das?

US-Notenbank Fed
Wie wird sich der Leitzins 2026 in den USA entwickeln? Wir zeigen aktuelle Prognosen.© Andrew Harnik/AP/dpa | Andrew Harnik

US-Notenbank vor weiterer Zinserhöhung oder Pause? Das erwarten Profis

Tiffany Wilding, Ökonomin beim Vermögensverwalter Pimco, hält weitere Anhebungen für erforderlich. „Wir rechnen mit weiteren Zinserhöhungen, um die Zinssenkungen des vergangenen Jahres effektiv auszugleichen.“ Sie begründet das vor allem mit dem anhaltenden Preisdruck. Die Kernverbraucherpreise, die Lebensmittel und Energie außen vor lassen, seien im September stärker gestiegen als erwartet. Auffällig sei die Verteilung der Preissteigerungen über zahlreiche Konsumbereiche. Weitere Daten dieser Art könnten die Fed nach ihrer Einschätzung dazu bewegen, die Zinsen stärker anzuheben als bislang erwartet.

Robert Greil, Chefstratege beim Finanzdienstleister Merck Finck, erwartet ebenfalls eine weitere Erhöhung vor dem Jahreswechsel. Auch er verweist auf die verzögerte Weitergabe höherer Energiekosten: Bis diese auch andere Waren und Dienstleistungen verteuern, kann Zeit vergehen. Der Inflationsdruck könnte deshalb länger anhalten. David Kohl, Chefökonom beim Vermögensverwalter Julius Bär, prognostiziert hingegen nach 2026 ein Ende der Anhebungen. „Wir rechnen mit einer letzten Zinserhöhung im Dezember, auf die eine längere Pause folgen dürfte.“ Er erwartet einen Schritt um 0,25 Prozentpunkte auf einen Korridor von 4,00 bis 4,25 Prozent.

Für 2027 prognostiziert Kohl, dass die Fed diese Erhöhung rückgängig macht. Der Zielkorridor würde dann wieder auf 3,75 bis 4,00 Prozent sinken. Voraussetzung ist, dass sich die Inflation wie erwartet dem Zwei-Prozent-Ziel nähert.

Was länger hohe US-Zinsen für Aktien und Anleihen bedeuten

Für Aktien kommt es darauf an, ob Unternehmen trotz hoher Finanzierungskosten ihre Gewinne steigern können. Eine robuste Wirtschaft kann die Zinsbelastung abfedern. Schwächt sich die Nachfrage hingegen ab, geraten auch die Gewinnaussichten unter Druck. Besonders zinsempfindlich sind häufig Wachstumsunternehmen, deren Bewertung maßgeblich auf erwarteten Gewinnen in der Zukunft fußt. Höhere Zinsen verringern den heutigen Wert dieser künftigen Erträge. Umgekehrt können ein nachlassender Preisdruck und sinkende Zinsen die Bewertungen stützen.

Bei Anleihen wirken Zinsänderungen anders. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen dem festen Kouponzins einer bestehenden Anleihe und den Zinsen, die neue Anleihen bieten. Sinken die Zinsen am Markt, werden ältere Anleihen mit einem höheren festen Zinssatz attraktiver. Ihr Kurs steigt in der Regel. Steigen die Marktzinsen dagegen, verlieren bestehende Anleihen mit niedrigeren Kouponzins an Attraktivität und ihr Kurs fällt. Anleihen mit längeren Restlaufzeiten reagieren meist stärker auf solche Veränderungen.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Kohl erwartet über die kommenden zwölf Monate allmählich sinkende Renditen von US-Staatsanleihen. Das könnte die Kurse bereits ausgegebener Papiere stützen.

Johannes Mayr, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz, unterscheidet für den Anlageausblick zwischen zwei Szenarien: Geht zunächst die Inflation zurück, könnten sinkende Zinsen sowohl Anleihen als auch Aktienbewertungen stützen. Schwächt sich dagegen zuerst die Wirtschaft deutlich ab, können zwar ebenfalls die Zinsen sinken. Gleichzeitig würden dann aber die Gewinne der Unternehmen unter Druck geraten – und damit möglicherweise auch deren Aktienkurse.

Wann ist der nächste Zinsentscheid der Fed 2026?

Nach der September-Entscheidung richtet sich der Blick auf die nächste Fed-Sitzung Ende Oktober. Der Zinsentscheid wird am 28. Oktober verkündet. Im Dezember folgt die letzte Sitzung der US-Notenbank in diesem Jahr.

Abgenutzter Ein-Dollar-Schein
Im Oktober entscheidet die US-Notenbank erneut über den Leitzins.© Karl-Josef Hildenbrand/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Fazit zur Fed-Prognose: Eine Zinspause wäre noch keine Zinswende

Die Prognosen zeigen: Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet 2026 mit weiteren Zinserhöhungen der Fed – auch wenn eine Zinspause im Oktober zunächst ein wahrscheinliches Szenario ist. Für Anleger bleibt deshalb die Dauer der Hochzinsphase entscheidend. Erst wenn der Preisdruck nachhaltig nachlässt, gewinnt die Fed Spielraum für eine geldpolitische Lockerung, ohne ihr Inflationsziel zu gefährden.

Quellen:

Marktkommentar von Tiffany Wilding, Ökonomin bei PIMCO, im Oktober 2026

Marktkommentar von Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck, im Oktober 2026

Marktkommentar von David Kohl, Chefökonom bei Julius Bär, im Oktober 2026

Marktkommentar von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz, im Oktober 2026

FedWatch, in: CME Group. Zuletzt abgerufen am 21.10.2026