Heute entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) erneut über die Leitzinsen im Euroraum. Den für Sparer und Anleger wichtigen Einlagezins haben die Währungshüter 2026 bereits einmal auf 2,25 Prozent angehoben. Nun wird ein weiterer Zinsschritt erwartet: Experten rechnen mit einer Erhöhung auf 2,50 Prozent und erklären, was die Entscheidung für Tagesgeld, Festgeld, Aktien und Bauzinsen bedeutet.

Alle Informationen zum Livestream und zu kommenden EZB-Terminen finden Sie in unserem Ratgeber „EZB-Zinsentscheid: Wann? Termine und Livestream im Überblick“

EZB-Zinsentscheid heute: Experten haben eine klare Erwartung an das Ergebnis

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, entscheidet am heutigen Tag erneut mit ihren Ratsmitgliedern über die Zinsen im Euroraum. Vor allem die gestiegenen Energiekosten sind ein Problem.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, entscheidet am heutigen Tag erneut mit ihren Ratsmitgliedern über die Zinsen im Euroraum. Vor allem die gestiegenen Energiekosten sind ein Problem. © AFP | Melissa Sue Gerrits

„Für die Zinssitzung im September scheint eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte wahrscheinlich“, sagt Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei der Zinsplattform Raisin. Auch Alessa Berardi, Leiterin vom Amundi Investment Institute, sagt: „Eine Zinserhöhung im September scheint so gut wie sicher.“ Konstantin Veit, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Pimco, stimmt den Expertinnen zu und macht es konkret: „Ich gehe davon aus, dass die EZB auf ihrer Septembersitzung den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent anhebt.“

Ausschlaggebend sind laut Ehlert zwei Faktoren: Zum einen zeigt sich die Wirtschaft im Euroraum trotz des Konflikts im Nahen Osten bemerkenswert widerstandsfähig. „Würde die Konjunktur schwächeln, hätte die EZB größere Bedenken, die Wirtschaft mit höheren Zinsen zusätzlich zu belasten“, erklärt sie.

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Zum anderen hält der Preisdruck an. Vor allem die hohen Ölpreise und mögliche Schocks bei den Gaspreisen dürften die Inflation für den Rest des Jahres über der 3-Prozent-Marke halten. „Die EZB setzt die Zinserhöhung daher wahrscheinlich als gezielten Absicherungsschritt ein, um Zweitrundeneffekten vorzubeugen“, so Ehlert. Damit sind weitere Preissteigerungen gemeint, die durch höhere Löhne und Produktpreise entstehen können.

Wie es nach der Septembersitzung mit dem EZB-Leitzins weitergeht, ist allerdings umstritten. Während einige Experten mit weiteren Zinsschritten rechnen, hält Veit über den September hinaus eine längere Zinspause für wahrscheinlich. „Allerdings nur, solange sich keinerlei neue Risiken für die Inflationserwartungen abzeichnen. Sonst könnte die EZB ihren Zinserhöhungskurs auch fortsetzen“, so der Profi.

Tagesgeld und Festgeld: Das bedeutet die EZB-Entscheidung für Sparer

Für Sparer bleiben die Aussichten damit erfreulich. Die Erwartungen des Marktes spiegeln sich bereits in den aktuellen Konditionen wider: Wo es derzeit Tagesgeld-Zinsen von bis zu 4,25 Prozent gibt, zeigt unser Tagesgeldvergleich. Der Spar-Ticker zeigt die neuesten Zinsänderungen.

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„Bei Tages- und Festgeldangeboten ist mit weiter steigenden Zinsen zu rechnen“, so Ehlert. Zwar haben etliche Banken den erwarteten Schritt teilweise eingepreist, „etwas Luft nach oben gibt es aber nach wie vor“, denkt sie. Auch der Wettbewerb um Spareinlagen dürfte die Zinsen in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau halten. Ehlert hat zudem einen Tipp: „Sparer können sich mit einer Zinstreppe die aktuellen Top-Konditionen dauerhaft sichern und gleichzeitig flexibel bleiben“, rät sie. Dabei werden Geldbeträge auf mehrere Laufzeiten verteilt, um sich stets die besten Zinsen zu sichern.

EZB vor dem Zinsentscheid: Was bedeutet der Termin für Aktien?

Steigende Leitzinsen können für Sparer mit Zinsprodukten erfreulich sein. Doch was bedeutet die Entscheidung für Anleger am Aktienmarkt? „Da die Finanzmärkte die Zinserhöhung bereits erwarten, dürften die Aktienmärkte eher verhalten reagieren“, vermutet Ehlert. Entscheidend werde der Tonfall in der anschließenden Pressekonferenz: Signalisiert die EZB eine Zinspause, könnte das die Aktienkurse stützen. Die Anleihemärkte haben die Entwicklung über die jüngst gestiegenen Renditen indes bereits abgebildet.

Das sieht auch Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Tradingplattform Etoro, so: „Signalisiert EZB-Präsidentin Lagarde eine mögliche Pause nach September, könnten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen sinken und die Bund-Renditen nachgeben.“ Das könnte Aktien entlasten. Hält die EZB dagegen weitere Zinsschritte offen, könnten Zinserwartungen und Renditen länger erhöht bleiben. Damit würden auch die Finanzierungskosten hoch bleiben. Das größte Risiko sieht Wienke in möglichen Zweitrundeneffekten.

Europäische Zentralbank
Auch die Aktienmärkte können auf EZB-Zinsentscheid reagieren – besonders der deutsche Leitindex Dax.© Boris Roessler/dpa | Boris Roessler

Solange höhere Energiepreise nicht stärker auf Löhne, Dienstleistungen und andere Preise übergreifen, bleibe der zugrunde liegende Inflationsdruck begrenzt. Verfestigt sich der Preisdruck dagegen, könnte die EZB zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sein. Dabei bleibt Öl der große „externe Unsicherheitsfaktor“. Der Preis liegt wieder bei über 90 US-Dollar, nachdem er im März zeitweise 120 US-Dollar erreicht hatte und im Juli auf etwa 70 US-Dollar gefallen war. Die starken Schwankungen erschweren die Einschätzung, wie dauerhaft der Energiepreisdruck auf die Inflation wirkt.

Für den deutschen Leitindex Dax sei das besonders relevant, da viele Industrie-, Chemie-, Auto- und Transportunternehmen vergleichsweise energie- und rohstoffintensiv sind. Anleger dürften deshalb darauf achten, ob die Unternehmen höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben können. „Gelingt das nur teilweise, geraten die Margen unter Druck“, so der Profi.

Bauzinsen: Dieser Faktor sorgt für steigende Finanzierungskosten

Für Immobilienkäufer kann der EZB-Entscheid wichtig sein, auch wenn Bauzinsen nicht direkt am Leitzins hängen. Sie reagieren vor allem auf Inflationserwartungen, Kapitalmarktzinsen und die Frage, wie restriktiv die Geldpolitik in den kommenden Monaten ausfallen könnte. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Renditen am Anleihemarkt. Steigen sie, können auch die Zinsen für Baufinanzierungen steigen. Das zeigt sich bereits: Die Zinsen sind im August deutlich gestiegen.

Auch Oliver Kohnen, Geschäftsführer vom Kreditvermittler Baufi24, führt den Anstieg auf die Entwicklung am Anleihemarkt zurück. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sei im August auf rund 3,31 Prozent gestiegen und habe damit den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Für Immobilienkäufer werde die Finanzierungsplanung dadurch anspruchsvoller. „Wer eine Finanzierung plant, sollte sich deshalb Konditionen frühzeitig sichern und ausreichend finanziellen Spielraum einplanen“, rät Kohnen. Unser Kredit-Ticker zeigt die neuesten Änderungen der Banken. Unser Baufinanzierungsvergleich die besten Konditionen im September.

Quellen:

Im Gespräch mit Jasmin Ehlert, Chefanalystin der Zinsplattform Raisin, im September 2026

Marktkommentar von Konstantin Veit, Portfoliomanager bei PIMCO, im September 2026

Marktkommentar von Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Tradingplattform eToro, im September 2026

Marktkommentar von Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, im September 2026