Die Steuererklärung gehört für mich jedes Jahr zu den lästigen Aufgaben. Damit bin ich vermutlich nicht allein. Bisher habe ich sie über das kostenlose Online-Portal der deutschen Steuerverwaltungen, Elster, erledigt. Für eine kostenpflichtige Steuersoftware wollte ich bislang kein Geld ausgeben.
Im Rahmen meiner Arbeit habe ich nun Wiso Steuer* ausprobiert. Das können grundsätzlich auch andere tun: Die Software lässt sich zunächst kostenlos nutzen, bezahlt wird erst bei der Abgabe der Steuererklärung. Ich berichte von meinen persönlichen Erfahrungen und verrate am Ende, unter welchen Voraussetzungen ich im kommenden Jahr selbst dafür bezahlen würde.
>> Alle Fristen zur Abgabe der Steuererklärung finden Sie in einem separaten Text. Für das Steuerjahr 2025 endet sie am 31. Juli. Allerdings gilt das nur für Personen, die zu einer Abgabe verpflichtet sind. <<
Steuererklärung mit Wiso – wirklich „in wenigen Minuten“ fertig?
Buhl, der Anbieter hinter Wiso Steuer, bewirbt seine automatische Steuererklärung mit dem Versprechen, sie sei „in wenigen Minuten fertig“. Das setzt allerdings voraus, dass bereits viele Daten vorliegen oder aus dem Vorjahr übernommen werden können. Die neue OneClick-Funktion richtet sich beispielsweise vor allem an Nutzer, die ihre vorherige Steuererklärung bereits mit Wiso erstellt und online gespeichert haben. Da das bei mir nicht der Fall war, dauerte es deutlich länger. Nach ungefähr zwei Stunden war ich mit den Eingaben weitgehend durch.
Das lag nicht primär an der Software: Ich musste Abrechnungen herunterladen, Dokumente zusammensuchen und einzelne Belege einscannen. Wer seine Unterlagen schon vor dem Start sortiert, dürfte erheblich schneller vorankommen. Die zwei Stunden fühlten sich trotzdem weniger mühsam an als frühere Steuererklärungen mit Elster. Wiso nahm mir zwar nicht die Arbeit ab, gab ihr aber eine nachvollziehbare Struktur.
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Wiso Steuer erleichtert mit klarer Führung die Steuererklärung
Der erste Eindruck fiel positiv aus. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt und führt Schritt für Schritt durch die Steuererklärung. Statt selbst nach dem passenden Formular oder der richtigen Anlage zu suchen, arbeitet man verschiedene Themenbereiche ab.

Zunächst fragt Wiso persönliche Angaben ab. Anschließend wählen Nutzer aus, welche Einkünfte, Ausgaben oder besonderen Lebenssituationen für sie relevant sind. Dazu gehören etwa die Tätigkeit als Arbeitnehmer, selbstständige Einkünfte, Kinder, Versicherungen oder Kapitalerträge.
Viele Fragen lassen sich zunächst mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Erst wenn ein Bereich tatsächlich relevant ist, folgen detailliertere Eingabefelder. Dadurch wirkt die Steuererklärung weniger wie ein amtliches Formular und mehr wie ein umfangreicher Fragebogen.
Das Programm fragt beispielsweise nach Homeoffice-Tagen, beruflich genutztem Internet, Telefonkosten und Arbeitsmitteln. Dieser Ansatz hat einen klaren Vorteil: Nutzer müssen nicht vorab jede mögliche Steuerregel kennen. Wiso erinnert sie an absetzbare Kosten, die sie sonst womöglich vergessen hätten. An vielen Stellen bietet Wiso zusätzliche Erläuterungen und Videos an – welche ich aber nicht genutzt habe, da mir die Inhalte nicht spezifisch genug für meinen eigenen Fall waren.
Datenabruf vom Finanzamt mit Wiso Steuer möglich
Wiso bietet außerdem an, bereits gemeldete Steuerdaten vom Finanzamt abzurufen. Dafür muss der Nutzer den Zugriff zunächst freigeben. Anschließend kann das Programm beispielsweise Daten vom Arbeitgeber übernehmen, sofern sie dem Finanzamt bereits vorliegen.
Dieser Abruf von Bescheinigungen erspart vor allem das Abtippen der Lohnsteuerbescheinigung und anderer bereits übermittelter Angaben. Die Daten landen automatisch an der vorgesehenen Stelle, müssen aber weiterhin kontrolliert werden. Vollständig ersetzt der Abruf das Hochladen der eigenen Unterlagen selbstverständlich nicht. Rechnungen für Arbeitsmittel, Spenden, Handwerkerleistungen oder andere individuelle Ausgaben muss man weiterhin selbst ergänzen.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Am Schluss folgt eine automatische Prüfung
Praktisch fand ich die laufende Berechnung. Während der Eingabe zeigt Wiso an, mit welcher Erstattung oder Nachzahlung derzeit zu rechnen ist. Dadurch ist sofort nachvollziehbar, wie sich eine Angabe auf das voraussichtliche Ergebnis auswirkt.
Vor der Abgabe prüft das Programm die Steuererklärung noch einmal. Es weist auf fehlende Angaben, mögliche Widersprüche und Optimierungspotenzial hin. Die Meldungen lassen sich einzeln öffnen und bearbeiten. Das gibt Sicherheit. Klar ist aber auch: Das letzte Wort hat das Finanzamt. Die angezeigte Erstattung bleibt zunächst eine Berechnung der Software.

SteuerGPT half mir – allerdings erst im zweiten Versuch
Nicht vollständig überzeugt hat mich der KI-Assistent SteuerGPT. Beim ersten Versuch ließ sich die Funktion nicht nutzen. Das ist aber offenbar kein grundsätzliches Problem: Andere Personen aus der Redaktion, die ebenfalls Wiso Steuer verwendeten, berichteten nicht davon. Daraufhin startete ich einen zweiten Versuch. Und siehe da: Der Assistent funktionierte und war sogar hilfreich. Ich testete die Funktion anhand eines speziellen Falls.
Als Redakteurin erhalte ich Ausschüttungen der VG WORT. Die Verwertungsgesellschaft nimmt bestimmte urheberrechtliche Vergütungsansprüche für Autoren und Verlage wahr und schüttet die Einnahmen an die Berechtigten aus. Diese Zahlungen sind steuerpflichtig und müssen in der Steuererklärung angegeben werden.
Ich war mir unsicher, wo die Ausschüttungen in meinem Fall hingehören. SteuerGPT beantwortete die Frage und bot mir direkt an, zum entsprechenden Bereich in der Steuererklärung zu springen. Meine anschließende Recherche bestätigte den vorgeschlagenen Weg.
Die Antwort von SteuerGPT enthielt allerdings auch eine merkwürdige Passage
Hilfreich war für mich vor allem die direkte Navigation. Einen Teil der Antwort fand ich allerdings verwirrend. SteuerGPT schrieb: „Nur wenn du die Rechte nicht selbst geschaffen, sondern zum Beispiel geerbt hast, wären es Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung; dann würdest du sie unter Vermieter, Vermietung von eigenem Wohnraum und anderen Räumen nicht eintragen, sondern bräuchtest eine gesonderte fachliche Prüfung.“
Ganz aus der Luft gegriffen war der Hinweis zwar nicht: Das Steuerrecht ordnet bestimmte Einnahmen aus der Überlassung von Urheberrechten tatsächlich den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zu. Allerdings brachte der Assistent hier einen Sonderfall ins Spiel, der für meine eigene VG-WORT-Ausschüttung keine Rolle spielte und eher verwirrte.

Für mich war SteuerGPT deshalb vor allem als Navigationshilfe nützlich. Bei einer konkreten steuerlichen Einordnung würde ich mich nicht allein auf die Antwort verlassen.
Wer den Assistenten nutzt, sollte möglichst präzise Fragen stellen und wichtige Aussagen noch einmal anhand einer verlässlichen Quelle prüfen. Bei komplexen Fällen ersetzt die KI keine fachliche Beratung.
Was kostet Wiso Steuer?
Wiso Steuer* lässt sich zunächst kostenlos ausprobieren. Bezahlt wird erst, wenn die Steuererklärung an das Finanzamt übermittelt werden soll.
Der reguläre Einzelkauf kostet derzeit 45,99 Euro für ein Steuerjahr. Im Vorteils-Abo verlangt Buhl 35,99 Euro. Mit einer Lizenz lassen sich Steuererklärungen für bis zu fünf Personen anfertigen. Außerdem lässt sich WISO auf verschiedenen Geräten nutzen: Wer etwa im Browser mit der Arbeit beginnt, kann sie später auf dem Smartphone oder Computer fortsetzen.
Beim günstigeren Preis handelt es sich allerdings um ein Abonnement. Dieses verlängert sich automatisch für das nächste Steuerjahr. Buhl gibt an, dass Nutzer den Vertrag jederzeit über ihr Kundenkonto kündigen können.
Ob sich der Kauf lohnt, hängt daher auch vom eigenen Steuerfall ab. Wer lediglich wenige Zahlen aus der Lohnsteuerbescheinigung übertragen muss und sich mit Elster auskennt, braucht möglicherweise keine kostenpflichtige Software.
Wer mehrere Einkunftsarten, viele berufliche Ausgaben oder wenig Erfahrung mit Steuerformularen hat, profitiert eher von den Erklärungen und Prüfungen. Auch Familien können einen Vorteil haben, wenn sie mehrere der enthaltenen Steuererklärungen nutzen.
Was unabhängige Tests zu Wiso Steuer sagen
Mein positiver Eindruck von der Bedienung deckt sich weitgehend mit aktuellen Vergleichstests. IMTEST (ebenfalls Teil der FUNKE Mediengruppe) untersuchte 2026 fünf Steuer-Apps. Wiso Steuer erreichte nach den veröffentlichten Testergebnissen die Note 1,66 und belegte den ersten Platz. Das kostenlose Check24 Steuer erhielt die Note 1,79 und wurde als Preistipp ausgezeichnet.
Auch bei „Finanztip“ lagen beide Angebote nahezu gleichauf. Der Finanzratgeber empfiehlt Wiso als umfassende Lösung für unterschiedliche Steuerfälle, hebt aber auch Check24 Steuer als starke kostenlose Alternative hervor.

Der Vergleich ist für meine künftige Kaufentscheidung wichtig. Wiso Steuer überzeugte im Test. Es ist aber nicht das einzige Programm mit einer guten Bewertung. Da ich Check24 Steuer bislang nicht selbst ausprobiert habe, kann ich nicht beurteilen, ob mir die Bedienung dort ebenso gut gefallen würde. Einen Versuch ist das kostenlose Angebot aber allemal wert.
Mein Fazit: Würde ich Wiso Steuer wieder verwenden?
Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich Wiso Steuer* wieder verwenden. Die Bedienung gefiel mir, und die Steuererklärung verlief strukturiert. Wiso führte mich verständlich durch die einzelnen Bereiche, erinnerte mich an mögliche Ausgaben und zeigte jederzeit, wie sich meine Angaben auf die voraussichtliche Erstattung auswirkten.
SteuerGPT sehe ich dagegen zwiespältig. Der Assistent half mir, die richtige Stelle im Programm zu finden. Seine verwirrende Antwort zeigte aber auch, dass Nutzer die Verantwortung für ihre Angaben nicht an eine KI abgeben sollten.
Mein Urteil ist zudem noch vorläufig: Ich habe die Steuererklärung noch nicht abgeschickt. Deshalb weiß ich noch nicht, ob die Übermittlung reibungslos funktioniert, ob das Finanzamt Rückfragen stellt und ob die berechnete Erstattung ungefähr dem späteren Bescheid entspricht. Diese Erfahrungen lasse ich in meine Entscheidung für das nächste Jahr einfließen.
Trotzdem würde ich nach meinem bisherigen Test Geld für Wiso Steuer ausgeben. Die derzeit 45,99 Euro für den Einzelkauf wären mir die klarere Führung und die zusätzlichen Hilfen wahrscheinlich wert. Bevor ich endgültig beim kostenpflichtigen Angebot bleibe, würde ich wahrscheinlich noch die kostenlose Alternative von Check24 ausprobieren.
Quellen:
Eigene Recherche im Juli 2026
WISO Steuer – Die Steuersoftware von Buhl, in: Buhl Data Service GmbH. Zuletzt abgerufen am 24.07.2026
Steuer-Apps und Steuersoftware: Die besten Steuerprogramme, in: Finanztip. Zuletzt abgerufen am 24.07.2026
Steuerprogramme & Apps im Test 2026: Abgabe einfach machen, in: IMTEST. Zuletzt abgerufen am 24.07.2026



