Der Neobroker Trade Republic erweitert sein Angebot – und das hat für manche Anleger seinen Preis. Das Berliner Fintech führt neben der bekannten 1-Euro-Order künftig ein zusätzliches Gebührenmodell ein, bei dem bis zu zwei Euro pro Order fällig werden. Gleichzeitig kommen neue Handelsplätze sowie ein „Web-Terminal“ für den Desktop hinzu. Was das für Anlegerinnen und Anleger konkret bedeutet, lesen Sie im Überblick.
Dazu spannend: Das neue Modell wirkt sich dabei nicht nur auf die Nutzer aus, sondern auch die Aktie dieses Unternehmens hat jetzt deutlich nachgegeben.
Trade Republic: Die 1-Euro-Order bleibt – was sich allerdings ändert
Die wichtigste Nachricht zuerst: Die bekannte 1-Euro-Order verschwindet nicht. Wer bei Trade Republic* kauft oder verkauft, kann weiterhin für eine Abwicklungspauschale von einem Euro handeln. Neu ist der sogenannte „Bestpreis“-Modus. Er ist standardmäßig aktiviert. Laut Trade Republic vergleicht ein Algorithmus in Echtzeit die Kurse „relevanter“ Handelsplätze, darunter Xetra, Euronext und Nasdaq. Die Order soll anschließend zum besten verfügbaren Preis ausgeführt werden.
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Für Anleger entfällt damit die Wahl des Handelsplatzes. Stattdessen übernimmt Trade Republic die Auswahl automatisch. Die Funktion ist interessant, weil eine Aktie nicht an jeder Börse exakt denselben Preis hat. Jeder Handelsplatz hat ein eigenes Orderbuch. Dort treffen Kauf- und Verkaufsangebote aufeinander. Deshalb kann der günstigste verfügbare Kaufkurs bei Xetra anders aussehen als bei Euronext, Nasdaq oder einem anderen Börsenplatz. Oft geht es nur um wenige Cent. Bei größeren Orders oder weniger stark gehandelten Aktien können daraus aber deutliche Unterschiede entstehen.

Trade Republic: Wer an einer bestimmten Börse handeln will, zahlt jetzt 2 Euro
Die neue 2-Euro-Order ersetzt die 1-Euro-Order also nicht, sie kommt hinzu. Die zwei Euro werden dann fällig, wenn Anleger den Handelsplatz selbst auswählen möchten. Wer also nicht dem Bestpreis-Algorithmus folgen will, sondern gezielt über Xetra, Nasdaq, NYSE oder einen anderen Handelsplatz handelt, nutzt die sogenannte Direktpreis-Order. Diese kostet bei Trade Republic* zwei Euro pro Trade. Wer das ausprobieren möchte, kann das über das „Web-Terminal“ machen.
Für viele ETF-Sparer dürfte das kaum eine Rolle spielen. Wer gelegentlich einen Sparplan ausführt oder eine Aktie kauft, wird wahrscheinlich weiter beim automatischen Bestpreis bleiben. Interessanter ist die neue Funktion für Anleger, die aktiver handeln, Kurse vergleichen oder bewusst einen bestimmten Börsenplatz nutzen wollen.
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Trade Republic: Neues Orderbuch zeigt Kurse mehrerer Börsen auf
Wir haben die neuen Funktionen ausprobiert und festgestellt: Es ist nicht ganz transparent, wie viele Börsen in den Bestpreis-Algorithmus einfließen. Trade Republic versucht, diesen Punkt mit zusätzlichen Marktdaten abzufedern. In der App zeigt der Broker ein aggregiertes Orderbuch. Dort sollen Anleger nachvollziehen können, welche Kauf- und Verkaufskurse über die relevanten Referenzbörsen hinweg verfügbar sind.
Zusätzlich zeigt Trade Republic eine Übersicht zu „Time & Sales“. Dort werden tatsächliche Orderausführungen über relevante Börsen hinweg angezeigt, sofern das jeweilige Instrument in Euro gelistet ist.
Ganz lückenlos ist dieser Blick aber nicht. In den App-Hinweisen schreibt Trade Republic, dass Handelsaktivitäten von nicht in Euro handelnden Plätzen wie Nasdaq, NYSE oder TSX im eurobasierten Bestpreis-Feed nicht angezeigt werden können. Wer diese Aktivität sehen möchte, muss in den Direktpreis wechseln und den jeweiligen Handelsplatz selbst auswählen.

Trade Republic startet neue Desktop-Version
Neben den neuen Orderfunktionen gibt es nun das „Web Terminal“. Für viele Anleger dürfte diese Neuerung sogar bedeutender sein als die neue 2-Euro-Order. Denn bislang setzte der Broker vor allem auf eine einfache App und einen möglichst unkomplizierten Wertpapierhandel.
Die neue Desktop-Version richtet sich vor allem an aktive Anleger. Sie bietet professionelle Charts, anpassbare Arbeitsbereiche und Live-Marktdaten. Damit nähert sich Trade Republic klassischen Trading-Plattformen an. Die App bleibt zwar bestehen. Ergänzt wird sie aber um einen Bereich für Nutzer, die mehr Analyse- und Handelsmöglichkeiten wünschen.
Für Trade Republic ist das ein wichtiger strategischer Schritt. Mit dem „Web-Terminal“ erweitert der Broker sein Angebot und spricht stärker Anleger an, die häufiger handeln oder umfangreichere Werkzeuge nutzen möchten.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Warum Trade Republic sein Modell jetzt umstellt
Der Umbau kommt nicht zufällig. Trade Republic reagiert damit auch auf eine neue regulatorische Situation. Seit dem 1. Juli ist in Europa Schluss mit Payment for Order Flow. Gemeint sind Zahlungen, die Broker von Handelsplätzen erhalten, wenn sie Kundenorders zur Ausführung dorthin weiterleiten.
Für viele Neobroker war dieses Modell lange wichtig. Es half ihnen, besonders günstige oder sogar kostenlose Angebote zu finanzieren. Der Kunde zahlte also nur eine niedrige Orderpauschale. Ein Teil der Einnahmen kam aber zusätzlich von der Handelsseite, an die die Order weitergeleitet wurde.
Genau darin sah die EU ein Problem. Denn dadurch kann ein Interessenkonflikt entstehen: Ein Broker könnte theoretisch den Handelsplatz bevorzugen, der ihm die höchste Vergütung zahlt – und nicht den Handelsplatz, der für den Kunden den besten Ausführungskurs bietet.

Die neue 2-Euro-Order schafft eine zweite Erlösquelle, ohne den bekannten 1-Euro-Trade komplett abzuschaffen. Wer die einfache Variante nutzt, bleibt beim automatischen Bestpreis-Modell. Wer aber selbst einen Handelsplatz auswählen will, zahlt künftig zwei Euro. Trade Republic verdient damit mehr an Kunden, die aktiv handeln und mehr Kontrolle wollen.
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Neue Funktionen bei Trade Republic: Was Anleger jetzt wissen sollten
Für die meisten Kunden ändert sich zunächst weniger, als die neue 2-Euro-Order vermuten lässt. Wer wie bisher handelt, nutzt automatisch den Bestpreis-Modus und zahlt weiterhin einen Euro pro Trade. Neu ist vor allem die Wahlmöglichkeit. Trade Republic* will nicht mehr nur die einfache App für den schnellen Aktienkauf sein. Der Neobroker baut sich zur umfassenderen Handelsplattform um. Für Kunden kann das mehr Transparenz und mehr Möglichkeiten bringen. Es macht das Angebot aber auch ein Stück komplexer.
Quellen:
Eigene Recherche in der Trade-Republic-App im Juli 2026
Spend – Invest, spend and bank, in: Trade Republic. Zuletzt abgerufen im Juli 2026
Capital markets union: Council and Parliament agree on proposal to strengthen market data transparency, in: European Council. Zuletzt abgerufen im Juli 2026.



