Zuschlagen oder abwarten? Bei den aktuellen Bauzinsen grübeln viele Kaufinteressenten über den richtigen Zeitpunkt. Eine grundsätzliche Trendwende erwarten Experten für die zweite Jahreshälfte 2026 zwar nicht, kurzfristige Ausschläge bleiben aber wahrscheinlich. Ohnehin zähle beim Immobilienkauf derzeit weniger der Zinssatz als andere Argumente, so eine Expertin.

Mit der richtigen Vorbereitung und Argumentation können Kaufinteressierte unter Umständen starke Positionen bei der Preisverhandlung einnehmen. Worauf Käufer bei der Immobiliensuche besonders achten sollten und wann sich die Zinsen für Baufinanzierungen doch noch drehen könnten.

Bauzinsen: Trotz Seitwärtsbewegung kurzfristige Chancen möglich

Rainer Eichwede leitet den Bereich Finanzcontrolling bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Rainer Eichwede leitet den Bereich Finanzcontrolling bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. © Bausparkasse Schwäbisch Hall AG | Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

In den kommenden Monaten bewegen sich die Bauzinsen vor allem seitwärts, prognostiziert Rainer Eichwede von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Gute Konditionen können sich teils sehr kurzfristig ergeben, aber nachhaltig stark sinkende Zinsen halten wir für eher unwahrscheinlich“, erklärt der Finanz-Profi. Aber: „Wir schließen stärkere Schwankungen aufgrund diverser politischer Konflikte nicht aus.“ Für Käufer lohne es sich, den Markt genau zu beobachten.

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Bauzinsen: Staatsanleihen beeinflussen Zinsentwicklung stärker als EZB

Viele Verbraucher richten ihren Blick derzeit auf die Europäische Zentralbank (EZB), denn der nächste Zinsentscheid steht im Juli an. Die Auswirkungen auf die Bauzinsen seien aber „weniger stark als häufig angenommen“, stellt Eichwede klar: „Entscheidungen der Europäischen Zentralbank wirken sich nur indirekt auf die Bauzinsen aus.“ Entscheidend seien die Renditen langfristiger Staatsanleihen, vor allem zehnjähriger Bundesanleihen. Sie zeigten „die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zu mittel- und langfristiger Zinsentwicklung“, so der Profi.

Zum Ausgang des kommenden Zinsentscheids äußert sich Eichwede nur verhalten: „Wir gehen wie der Markt davon aus, dass es im Sommer eher zu moderaten Anpassungen kommt als zu großen Zinsschritten.“ Falle oder stagniere die Inflation, spreche das „eher für eine Zinspause im Juli“, so der Profi. Hierbei spiele der Konflikt zwischen Iran und USA im Nahen Osten weiterhin eine zentrale Rolle. „Für Immobilienkäufer heißt das: Höhere Schwankungen der Zinsen werden uns weiterhin begleiten“, stellt Eichwede klar. Über den Kauf sollte derzeit ohnehin nicht nur die Finanzierung entscheiden.

Immobilienkauf: Wie Sie den Wert richtig einschätzen

In einem Markt mit vergleichsweise hohen Zinsen stellt sich eher die Frage, ob der Kaufpreis einer Immobilie für das Objekt überhaupt angemessen ist. Immobilienexpertin Kathrin Raach rät zum „Vergleich mit ähnlichen Immobilien in der Region, zum Beispiel über Immobilienportale oder Gutachterausschüsse der Kommunen oder Landkreise“.

Auch der Zustand der Immobilie, die Lage, die Energieeffizienz, notwendige Renovierungen oder bereits durchgeführte Modernisierungen zählen bei der Bewertung. „Eine unabhängige Wertermittlung oder ein Gutachten durch einen Bausachverständigen kann zusätzliche Sicherheit geben“, so Raach. Daraus ergibt sich ein weiterer Vorteil.

Immobilienkauf: Diese Argumente stärken die Position bei Verhandlungen

Wer den Markt kennt und den Zustand einer Immobilie realistisch einschätzt, verbessert seine Chancen bei Preisverhandlungen enorm. Argumente wie der Renovierungsbedarf, der Energieverbrauch oder notwendige Modernisierungen seien eher erfolgreich, sagt Raach. Auch gestiegene Finanzierungskosten akzeptierten die Eigentümer häufig als Verhandlungsgrund beim Verkauf.

Eine Expertin der Bausparkasse Schwäbisch Hall gibt Tipps, um den Immobilienpreis zu verhandeln.
Immobilienexpertin Kathrin Raach von der Bausparkasse Schwäbisch Hall nennt die derzeit stärksten Argumente bei Preisverhandlungen.© Schwäbisch Hall

Denn: Wenn viele Interessenten Finanzierungsprobleme haben, verkleinert sich laut Raach auch der Kreis der potenziellen Käufer. Das beeinflusse die Verhandlungsbasis zunehmend: „Wenn eine Immobilie länger am Markt ist, stärkt das zusätzlich die Position des Käufers“, so die Expertin. Eine gute Vorbereitung und konkrete Zahlen wirkten generell besser als reine Preisforderungen ohne Begründung.

Für Kaufinteressenten ergibt sich aus den derzeitigen Prognosen eine klare Richtung: Die Bauzinsen dürften vorerst schwankungsanfällig bleiben. Umso wichtiger werden zusätzliche Recherchen beim Immobilienwert und bei Finanzierungsangeboten.