Heute fällt die Federal Reserve (Fed) in den USA erneut einen Zinsentscheid – und an den Märkten gilt eine Pause als so gut wie sicher. Die eigentliche Spannung liegt jedoch woanders: Wie lange hält die US-Notenbank ihren Kurs durch – und wer führt die Fed in die nächste Phase?
Denn neben Inflation, Arbeitsmarkt und Energiepreisen gewinnt auch die Frage der Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell an Gewicht. Seine Amtszeit als Vorsitzender endet Mitte Mai. Für Anleger zählt daher nicht nur, ob die Fed den Leitzins anpasst. Es ist auch wichtig, welchen Ton Powell in seiner möglicherweise letzten Pressekonferenz als Fed-Chef anschlägt. Wann der Zinsentscheid fällt und was die Profis erwarten, lesen Sie hier.
>> Auch die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet diese Woche über den Leitzins. Prognosen für den EZB-Zinsentscheid finden Sie in einem separaten Text. <<
Fed-Zinsentscheid heute: Entscheidung und Livestream am 29. April
Die nächste Sitzung der Fed findet am 28. und 29. April 2026 statt. Die Notenbank veröffentlicht ihr geldpolitisches Statement am Mittwoch, den 29. April, um 20 Uhr deutscher Zeit. Ab 20:30 Uhr stellt sich Fed-Chef Jerome Powell den Fragen der Presse. Anleger können die Pressekonferenz über die offiziellen Kanäle der Federal Reserve verfolgen.
Für die Märkte dürfte dabei weniger der Zinsentscheid selbst im Mittelpunkt stehen. Denn: Experten rechnen zunächst nicht mit einer Änderung des Leitzinses. Wichtiger wird daher, wie Powell die Inflationsrisiken, den Arbeitsmarkt und den weiteren Kurs der Fed einordnet.

Prognosen vor Fed-Entscheidung: Profis erwarten keine Zinssenkung, aber „sorgenvolle Worte“
Edgar Walk, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Metzler Asset Management, sieht derzeit wenig Spielraum für eine schnelle Lockerung der Geldpolitik. „Aufgrund des erwarteten Inflationsanstiegs durch höhere Energiepreise sollte die US-Notenbank den Leitzins nicht senken, sondern abwarten.“ Bedeutet: Die Fed werde den Leitzins wahrscheinlich bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen.
Auch Robert Greil, Chefstratege vom Finanzdienstleister Merck Finck, rechnet zunächst nicht mit einem Zinsschritt. Die Unsicherheit im Nahen Osten belaste die Inflationsprognosen der Notenbanken erheblich, sagt Greil. Deshalb rechne er bei der Sitzung der Fed „mehr mit sorgenvollen Worten als mit Taten, sprich Leitzinsänderungen“.

Hinzu komme die anstehende Staffelübergabe an der Spitze der Fed. Auch das spreche aus Sicht Greils gegen eine unmittelbare Veränderung des Leitzinses. Für die Zeit danach sieht er allerdings Unterschiede zwischen den Notenbanken: Während die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen in den kommenden Monaten eher anheben könnte, werde die Fed unter Kevin Warsh als möglichem neuen Chef „wohl eher senken“.
>> Weitere Prognosen zum EZB-Leitzins finden Sie auch in einem separaten Artikel. <<
Fed-Zinsentscheid: Powell-Nachfolge rückt stärker in den Fokus
Jörg Held, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Ethenea Independent Investors, sieht die Personalfrage als entscheidend an. Dennoch verweist er auf erhebliche Unsicherheiten rund um den Führungswechsel. Eine fristgerechte Bestätigung eines Nachfolgers hält er keineswegs für selbstverständlich. „Eine Übergangsphase ohne bestätigten Chairman ist das realistischere Szenario“, sagt Held.

Sollte Warsh rechtzeitig bestätigt werden, würde er die Sitzung am 16. und 17. Juni erstmals als Chairman leiten. Sollte die Bestätigung scheitern, bliebe Powell nach Helds Darstellung vorübergehend im Amt, bis ein Nachfolger den Vorsitz übernimmt.
Zinssenkungen trotz Marktskepsis? Profi sieht Potenzial
Die Märkte preisen nach Helds Einschätzung derzeit keine Zinssenkungen bis Jahresende ein. Diese Erwartung hält er jedoch für „nicht plausibel“. Mit Warsh an der Spitze sieht Held Raum für zwei bis drei Zinssenkungen – vor allem, wenn sich der Arbeitsmarkt im Sommer abkühlt und der Ölpreis wieder unter die Marke von 90 Dollar fällt.
Warsh gilt in Helds Analyse als Befürworter niedrigerer Zinsen. Allerdings gehen hier die Einschätzungen auseinander. Ob der künftige Notenbankchef diese Linie tatsächlich umsetzen könne, hänge aber weniger von den nächsten Konjunkturdaten ab als vom politischen Ringen in Washington, sagt Held. „Anleger sollten beides im Blick behalten“, so der Profi.
Warum der Fed-Kurs für Bitcoin wichtig ist
Für Anleger ist der Kurs der Fed wichtig, weil er die Risikobereitschaft an den Märkten beeinflusst. Hohe Zinsen machen sichere Anlagen attraktiver und können die Nachfrage nach spekulativeren Vermögenswerten wie Kryptowährungen bremsen. Rückt eine Zinssenkung näher, steigt dagegen häufig der Appetit auf Risikoanlagen.
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Davon können auch Kryptowährungen wie Bitcoin profitieren. Die Digitalwährung schwankt stark und reagiert empfindlich auf Veränderungen bei Zinsen, Liquidität und Risikostimmung. Wenn die Fed Zinssenkungen vorbereitet oder zumindest andeutet, könnte das Bitcoin und anderen Kryptowerten Rückenwind geben. Bleibt die Unsicherheit dagegen hoch, könnten neue Ausschläge nach unten folgen.

Entscheidend ist für Bitcoin demnach Powells Tonfall in der anschließenden Pressekonferenz. Bleibt er mit Blick auf Inflation, Energiepreise und Arbeitsmarkt vorsichtig, könnte das den US-Dollar stützen und Risikoanlagen belasten. Signalisiert die Fed hingegen, dass Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf wahrscheinlicher werden, dürfte das die Risikobereitschaft stärken.
Angesichts der anhaltenden Unsicherheit im Nahen Osten und der daraus entstandenen Energiekrise erscheint ein klares Zinssenkungssignal aber zunächst unwahrscheinlich.
Quellen:
Marktkommentar von Edgar Walk, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Metzler Asset Management, im April 2026
Marktkommentar von Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A., im April 2026
Marktkommentar von Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck, im April 2026


