Die Lage am Zinsmarkt hat sich zuletzt deutlich verändert. Wer eine Baufinanzierung plant, stellt fest: Die Bauzinsen sind in Bewegung und der weitere Ausblick bleibt unsicher. Sollten sich Käufer die aktuellen Zinsen sichern oder abwarten? Wüstenrot-Experte Bernd Hertweck warnt: Die größte finanzielle Herausforderung bei der Finanzierung liegt jetzt woanders.

Der Vorstandsvorsitzende der Bausparkasse beschreibt den Wendepunkt am Zinsmarkt im Zins-Check der Woche. „Vor Ausbruch des Iran-Kriegs wurde am Markt erwartet, dass die Bauzinsen in den nächsten Monaten stabil bleiben und in mittlerer Frist tendenziell von rund 3,5 Prozent in Richtung 4,0 Prozent für typische zehnjährige Finanzierungen steigen werden“, erklärt er. Nun stehen Kreditnehmer vor neuen Fragen.

Bauzinsen über 4 Prozent: Geopolitische Krisen lassen Kosten steigen

Die Prognosen zum Jahresanfang klangen vielerorts optimistischer. Jetzt sagt Hertweck: „Seit Ende Februar 2026 stellt sich die Lage anders dar, und die Zielmarke von 4,0 Prozent wurde bereits überschritten.“ Der Grund liege vor allem in den geopolitischen Entwicklungen. Warum die Bauzinsen durch den Iran-Krieg steigen.

Bernd Hertweck Wüstenrot
Bernd Hertweck ist Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse AG. © TOM ZIORA | TOM ZIORA

Höhere Energiepreise, mögliche Lieferkettenengpässe und neue Inflationsrisiken könnten auch den Kurs der Geldpolitik in eine andere Richtung drehen. So ist laut Hertweck „eine erneute geldpolitische Wende der Europäischen Zentralbank (EZB) hin zu wieder spürbar steigenden Zinsen“ möglich. Eine „exakte Prognose“ ließe sich derzeit kaum geben, so der Profi. Die größte Hürde beim Immobilienkauf seien aktuell aber weder die Zinsen noch die Immobilienpreise.

Baufinanzierung: Das unterschätzte Risiko jenseits der Monatsrate

Die größte Herausforderung bei der Finanzierung sei fehlendes Eigenkapital, erklärt der Experte. Das Problem entstehe im Zusammenspiel: Hohe Kaufpreise träfen auf gestiegene Zinsen und erhebliche Kaufnebenkosten. Gerade die Grunderwerbsteuer treibt den Kapitalbedarf laut Hertweck nach oben: „Aus der Kombination ergibt sich ein erheblicher Bedarf an Eigenkapital, woran es den meisten jungen Mieterhaushalten mangelt.“

Für viele Haushalte beginnt das Problem damit nicht bei der monatlichen Rate: Wer Eigentum anstrebt, muss gezielt Eigenkapital aufbauen. Als langjähriger Bauspar-Profi empfiehlt Hertweck „Bausparen, das vom Staat unverändert mehrfach gefördert wird“. Allerdings haben Bausparverträge auch Nachteile.

Über den Experten

Bernd Hertweck ist seit Mai 2006 Teil des Vorstands der Wüstenrot Bausparkasse und seit September 2013 ihr Vorstandsvorsitzender. Zuvor war er bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall tätig.

Sicherheit oder Flexibilität: Experte nennt Faustregel für Finanzierung

In unsicheren Zeiten stellt sich auch die Frage nach der richtigen Zinsstrategie. Kurz binden und flexibel bleiben – oder langfristig absichern? Hertwecks Faustregel: „Je unsicherer ist, was vor uns liegt, desto wichtiger ist es, sich das derzeitige Zinsniveau zu sichern.“ Trotz der jüngsten Anstiege sei das Niveau historisch gesehen noch immer „moderat“, sagt er. Planungssicherheit gewinnt damit an Bedeutung – auch wenn sie ihren Preis hat.

„Sicherheit gibt es allerdings nie zum Nulltarif“, so der Experte. „Sicherheit kostet Geld.“ Statt sich hier finanziell zu übernehmen, könnten Käufer kleine Kompromisse beim Objekt in Erwägung ziehen. „Meine Empfehlung ist, im Grenzfall die Immobilie, wenn möglich, etwas bescheidener zu wählen“, sagt Hertweck. „Denn ein ruhiger Schlaf ist insbesondere in unserer heutigen Zeit ein hohes Gut.“

Durch die plötzlichen Zinsunterschiede kann sich ein Vergleich von Baufinanzierungskonditionen derzeit besonders lohnen. Ein Rechner kann helfen, passende Angebote zu finden: