Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch erneut über den Leitzins entschieden. Dabei hat die Fed zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die neue Spanne liegt fortan bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der Beschluss vom 10. Dezember dürfte sich auf Aktien sowie auf alternative Investments wie Gold und Bitcoin auswirken. Wir haben Expertenmeinungen aus der Finanzbranche zusammengestellt.

Fed senkt Leitzins: Folgt jetzt eine Zinspause?

„Die Zinssenkung der Fed war weithin erwartet worden, obwohl von größer werdenden Meinungsunterschieden im Offenmarktausschuss auszugehen war“, erklärt Michael Heise von der Investmentgesellschaft HQ Trust.

Bei verhältnismäßig hoher Inflation und einem anfälligen Arbeitsmarkt werde die Entscheidungsfindung der Fed auch im Jahre 2026 einer Gratwanderung gleichen, denkt Heise. „Wie bei jeder Gratwanderung ist auch bei Zinsentscheidungen Vorsicht angebracht. Die Fed wird die Zinsen nur sehr moderat absenken. Vor allem, weil ein deutlicher Inflationsrückgang in Richtung 2 Prozent in 2026 sehr unwahrscheinlich ist“, so der Ökonom

Johannes Mayr vom Vermögensverwalter bei Eyb & Wallwitz ergänzt: „Die Entscheidung war umstritten, ist aber gut begründbar als Versicherung gegen die gestiegenen Risiken am Arbeitsmarkt und eine ausgeprägtere Konsumschwäche.“ Dabei äußerte sich die Fed nur vorsichtig zum weiteren Ausblick und verwies auf kommende Daten. „Das ist richtig“, sagt Mayr. Auch in den kommenden Monaten sollten die Ratsmitglieder „sparsam mit Zinssignalen umgehen.“

„Die Fed hat eine Zinssenkung um 25 Basispunkte vorgenommen, signalisiert jedoch die Absicht, darüber hinaus eine Pause einzulegen, da die Leitzinsen nun im neutralen Bereich liegen“, sagt hingegen Ray Sharma-Ong vom Vermögensverwalter Aberdeen Investments. Die Hürde für weitere Zinssenkungen seien „sehr hoch“, was darauf hindeute, dass die geldpolitische Landschaft für längere Zeit unverändert bleibt. „Mit pausierenden Leitzinsen erwarten wir keine breite Beta-Rallye bei Aktien“, so der Profi.

US-Dollar
Die US-Notenbank hat den Leitzins zum dritten Mal in Folge gesenkt. © Getty Images/iStockphoto | Darren415

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet nächste Woche erneut über den Leitzins. Hier finden Sie alle EZB-Termine.

Fed-Zinsentscheid: Diesen Einfluss hat die US-Notenbank auf Investments

Damit bleibt es also unklar, ob die Fed die Zinsen im ersten Halbjahr 2026 erneut senken wird. Doch wie hat sich die gestrige Entscheidung ausgewirkt? Für Verbraucher bedeutet eine Fed-Zinssenkung niedrigere Kreditkosten – ob bei der Kreditkarte, beim Autokredit oder bei variablen Baufinanzierungen. Das macht Anschaffungen und Investitionen leichter. Sparer hingegen verlieren: Tagesgeld und Festgeld rentieren sich noch weniger.

Der Goldpreis schwankt
Gold ist vor allem in Krisenzeiten eine beliebte Wertanlage. © Getty Images/iStockphoto | bymuratdeniz

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Mathias Beil von der Hamburger Sutor Bank äußert zudem Bedenken, was den weiteren Kurs der Fed nach dem anstehenden Führungswechsel betrifft. „Für Aktienmärkte wäre eine anfängliche Fortsetzung lockerer Geldpolitik zunächst positiv“, erklärt Beil. „Doch mittelfristig würden steigende Inflationserwartungen und Zweifel an der Notenbank-Unabhängigkeit zu höheren Risikoprämien führen. Anleger würden höhere Renditen fordern – was Bewertungen unter Druck setzen würde.“

Für Anlegerinnen und Anleger könnte es daher sinnvoll sein, einen Inflationsschutz im Portfolio einzubauen. Bei einer möglichen Versteilerung der Zinskurve sollten Anleger die Duration ihrer Anleihenportfolios kritisch prüfen – kürzere Laufzeiten könnten attraktiver werden. Im Aktiensegment dürften Qualitätsaktien mit stabilen Cashflows und soliden Bilanzen an Bedeutung gegenüber hoch bewerteten Wachstumswerten gewinnen. „International sollten Anleger stärker diversifizieren, da eine zu starke Fokussierung auf US-Märkte Risiken birgt. Europäische und asiatische Märkte könnten von einer anderen geldpolitischen Dynamik profitieren“, schließt Beil.

Gold und Bitcoin: So haben die Vermögenswerte auf den Zinsentscheid reagiert

Sinkende Zinsen schaffen traditionell ein günstiges Umfeld für Bitcoin und andere Kryptowährungen. Niedrigere Leitzinsen machen konservative Staatsanleihen weniger attraktiv, wodurch Investoren verstärkt nach renditestärkeren Alternativen suchen – darunter auch risikobehaftete Assets wie Aktien oder Digitalwährungen.

Beim Bitcoin hat sich dieser Effekt bisher noch nicht gezeigt. Der Kurs ist im Vergleich zum Vortag um minus 2,79 Prozent gefallen. Damit hält die Talfahrt bei der digitalen Währung an. Ein Bitcoin kostet an diesem Donnerstag rund 76.967 Euro (Stand: 11. Dezember, 09:45 Uhr). Historisch betrachten Marktteilnehmer niedrige Zinsen zwar als positiven Katalysator für Bitcoin, allerdings haben die Märkte eine potenzielle Zinssenkung bereits weitgehend eingepreist. Die begrenzte Reaktion folgt also dem Muster „Sell the News“.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Zur Frage, welche Faktoren bis 2026 die größte Volatilität im Bitcoin-Markt auslösen könnten, sieht Joshua Krüger von der Kryptoorganisation dEURO Association, die größten Impulse klar von globalen makroökonomischen Entwicklungen ausgehen. Hierbei dürfte vor allem das weitere Vorgehen der Federal Reserve bezüglich der US-Leitzinsen entscheidend sein. Auch geopolitische Risiken wie der weitere Verlauf des Ukraine-Kriegs könnten kurzfristig starke Ausschläge verursachen, erklärt Krüger.

Zusätzliche positive Impulse könnten seiner Einschätzung nach von einer möglichen BTC-Staatsreserve der USA ausgehen. Der Bundesstaat habe bereits den strukturierten Aufbau einer strategischen Reserve begonnen. „Sollten diese Entwicklung auch in anderen Bundesstaaten zu beobachten sein, würde es weitere starke Signale senden“, so Krüger abschließend.

Der Bitcoin hat in diesem Jahr schon neue Höchststände verzeichnet.
Der Bitcoin hat in diesem Jahr schon neue Höchststände verzeichnet. © Getty Images | Leonidas Santana

Auch beim Goldpreis ging es im Vergleich zum Vortag nach unten um minus 0,43 Prozent. Der Kurs liegt derzeit bei etwa 3602 Euro pro Unze (Stand: 11. Dezember 09:45). Adrian Ash vom Edelmetallhändler Bullionvault erwartet kurzfristig weitere Schwankungen beim Goldpreis aufgrund der sich ändernden Erwartungen hinsichtlich der Zinssätze der US-Notenbank. Diese Schwankungen würden sich noch verstärken, wenn das Weiße Haus Donald Trumps Nachfolger für Jerome Powell bekannt gebe.

Langfristig gesehen hätten strukturelle Kräfte Gold zu einem der leistungsstärksten Vermögenswerte des 21. Jahrhunderts gemacht, führt Ash weiter aus. Die wachsenden Schulden westlicher Regierungen, der Aufstieg Chinas und der Zusammenbruch der westlichen Einheit spielten dabei eine entscheidende Rolle. „Die Dominanz der USA bei den globalen Investitionsströmen hat zu einem enormen Risiko für KI-Aktien sowie für Hyperscaler und Kryptowährungen geführt“, so Ash.

Quellen:

Martkommentar von Mathias Beil, Leiter Private Banking der Hamburger Sutor Bank vom 11. Dezember 2025

Marktkommentar von Ray Sharma-Ong, Deputy Global Head of Multi-Asset Bespoke Solutions bei Aberdeen Investments vom 11. Dezember 2025

Marktkommentar von Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust vom 10. Dezember 2025

Marktkommentar von Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz vom 10. Dezember 2025

Im Gespräch mit Adrian Ash, Forschungsleiter bei BullionVault am 27. November 2025

Im Gespräch mit Joshua Krüger, Head of Growth bei der dEURO Association am 01. Dezember 2025

Goldpreis, in: gold.de. Zuletzt abgerufen am 11. Dezember 2025

Bitcoin (BTC) Kurs und Marktdaten, in: coinmarketcap.com. Zuletzt abgerufen am 11. Dezember 2025