Woche für Woche analysieren wir gemeinsam mit Finanzexperten die Entwicklung der Bauzinsen. Für unsere aktuelle Einschätzung haben wir Rainer Eichwede von der Bausparkasse Schwäbisch Hall befragt, der seit Jahren die Zinsmärkte beobachtet. Er gibt konkrete Tipps für die Baufinanzierung. Zusätzlich haben wir uns bei Immobilienexperte Oliver Adler erkundigt, welche Objekttypen derzeit besonders günstige Finanzierungsbedingungen bieten.

Baufinanzierung: Worauf es bei der Zinsprognose wirklich ankommt

Schwankungen bei den Kapitalmarktzinsen werden oft als Frühindikator für die Bauzinsen betrachtet. Doch Eichwede beruhigt: „Die Baufinanzierungszinsen für private Häuslebauer zeigen in unserer Beobachtung weniger Schwankungen als die Kapitalmarktzinsen.“

Nicht jede kurzfristige Bewegung werde direkt an Privatkunden weitergegeben. Stattdessen rät der Experte, den Blick auf die wirklich wichtigen Faktoren zu richten: „Entscheidend ist es, die größeren Einflussfaktoren und mittelfristigen Trends richtig zu erkennen. Besonders relevant sind hierbei die Entwicklung der Inflation, die Konjunktur sowie die Staatsverschuldung.“

Ein junges Paar zieht in ein neues Haus ein
Der Effektivzins kann je nach Bank deutlich variieren. © Getty Images | mixetto

Immobilienkredit: Sollzins allein reicht nicht für den Vergleich

Bei der Suche nach der besten Finanzierung machen viele Interessenten einen entscheidenden Fehler: Sie vergleichen Angebote ausschließlich anhand des Sollzinses. Warum das problematisch ist, erklärt Eichwede: „Es ist nicht sinnvoll, Angebote ausschließlich anhand des Sollzinses zu vergleichen, da dieser nur die reinen Darlehenskosten ohne zusätzliche Gebühren oder Konditionen abbildet.“

Der Effektivzins biete hier eine wesentlich bessere Orientierung, da er auch Nebenkosten wie Bearbeitungsgebühren, Tilgungsmodalitäten und Sondertilgungsoptionen berücksichtige. Ein umfassender Vergleich sollte daher immer auf den Effektivzins und die individuellen Vertragsbedingungen achten.

Bauzinsen: Erhebliche Unterschiede zwischen den Banken möglich

Wer mehrere Angebote einholt, wird schnell feststellen: Die Konditionen können erheblich voneinander abweichen, selbst wenn es um die gleiche Darlehenssumme geht. „Effektivzinsen können selbst bei gleicher Darlehenssumme erheblich variieren, da sie von mehreren Faktoren abhängen“, so Eichwede.

Dazu zählen die Bonität des Kreditnehmers, der Wert der vereinbarten Besicherung durch die Hypothek, die Laufzeit und Tilgungsrate sowie Zusatzleistungen wie Sondertilgungsoptionen. „Auch die Marktstrategie der Bank spielt eine Rolle, da einige Institute aggressivere Konditionen anbieten, um Kunden zu gewinnen, während andere auf stabilere Zinssätze setzen“, ergänzt der Finanzexperte.

Der Zins-Check der Woche:

Im Format „Zins-Check der Woche“ teilen Profis aus der Branche jede Woche praktische Tricks für Immobilienkäufer und aktuelle Entwicklungen auf dem Markt. Die wichtigsten Fragen rund um Baufinanzierung und Zinstrends diskutieren wir mit Immobilienprofis. Haben Sie auch Fragen oder Anmerkungen zu dem Thema? Schreiben Sie unserer Redakteurin, sie stellt sie unseren Experten.

Diese Immobilien lassen sich besonders günstig finanzieren

Nicht nur die persönliche Bonität, sondern auch die Art der Immobilie selbst hat Einfluss auf die Finanzierungskonditionen. Adler weiß, welche Objekttypen derzeit im Vorteil sind: „Aktuell gelten energieeffiziente Immobilien, wie KfW-Effizienzhäuser, als besonders zinsfreundlich, da sie oft von Förderprogrammen profitieren. Auch Neubauten erhalten häufig bessere Konditionen.“

Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Lage: Immobilien in wirtschaftlich stabilen und gefragten Regionen würden von Banken als weniger risikobehaftet eingestuft, was sich positiv auf die Zinskonditionen auswirken könne.

Gut zu wissen: Wer die Konditionen einer Baufinanzierung vergleicht, kann hunderte Euro sparen. Unser Rechner kann helfen, passende Anbieter zu finden:

Quellen:

Im Gespräch mit Rainer Eichwede und Oliver Adler von der Bausparkasse Schwäbisch Hall am 17. November 2025.