Wöchentlich befragen wir Expertinnen und Experten zur aktuellen Entwicklung der Bauzinsen. Dabei beobachten wir seit Monaten ein ähnliches Bild: außergewöhnlich große Ausreißer gibt es bei den Konditionen für Baufinanzierungen nicht. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Immobilienkauf?
Kristian Kehlert, Leiter Marktanalyse bei der Immobilienplattform Immoscout24, beschreibt die Lage derzeit als außergewöhnlich stabil. Die Bauzinsen lägen „aktuell recht stabil um die 3,6 Prozent für ein zehnjähriges Darlehen“, sagt er. Er betont: „Wir erwarten bis Ende des Jahres keine größeren Änderungen in die eine oder andere Richtung.“
Bauzinsen: Gegenwind zum Jahreswechsel wahrscheinlich
Laut der aktuellen Expertenumfrage des Kreditvermittlers Interhyp rechnen einige Profis langfristig mit steigenden Bauzinsen. Auch Kehlert vermutet, dass es auf mittlere Sicht für Kreditnehmende etwas teurer werden könnte. Der Marktanalyst rechnet zum Jahreswechsel mit Gegenwind. „Im neuen Jahr sind eher Anpassungen in Richtung vier Prozent wahrscheinlicher aufgrund aufkommender Inflationsängste im Euroraum.“

Einer der wichtigsten Treiber dieser Entwicklung ist aus seiner Sicht die Lage am Anleihemarkt. Die Zinsentwicklung werde „maßgeblich durch die Entwicklung langfristiger Staatsanleihen – insbesondere zehnjähriger Bundesanleihen – geprägt“, erklärt Kehlert.
Dass die Bundesregierung zuletzt deutlich mehr Schulden aufgenommen hat, sei nicht ohne Folgen geblieben: „Die aktuelle Erhöhung der Staatsverschuldung in Deutschland trieb die Rendite der Bundesanleihen zuletzt nach oben.“ Für Banken erhöhe das wiederum die Refinanzierungskosten – und diese würden „in Form höherer Bauzinsen weitergegeben“.
Über Kristian Kehlert
Kristian Kehlert ist Leiter der Abteilung Marktanalyse bei der Immobilienplattform Immoscout24. Er ist bereits seit 2010 bei dem Unternehmen tätig und startete damals als Business Analyst.
Baufinanzierung: Analyst hält drei Dinge für entscheidend
Für Käufer bedeutet das: Wer sich für eine Immobilie interessiert, sollte nicht zu lange zögern. Kehlert rät davon ab, auf schnell sinkende Zinsen zu spekulieren. „Hat man ein passendes Objekt und Zinsangebot gefunden, sollte man zeitnah handeln und nicht auf sinkende Zinsen hoffen.“ Die Marktdynamik spricht seiner Einschätzung nach ebenfalls dagegen, lange abzuwarten. Daten von Immoscout24 zeigen, „dass die Kaufnachfrage anzieht und die Preise wieder um drei bis fünf Prozent im Jahresvergleich steigen“.
Der Zins-Check der Woche:
Im Format „Zins-Check der Woche“ teilen Profis aus der Branche jede Woche praktische Tricks für Immobilienkäufer und aktuelle Entwicklungen auf dem Markt. Die wichtigsten Fragen rund um Baufinanzierung und Zinstrends diskutieren wir mit Immobilienprofis. Haben Sie auch Fragen oder Anmerkungen zu dem Thema? Schreiben Sie unserer Redakteurin, sie stellt sie unseren Experten.
Umso wichtiger sei ein gründlicher Vergleich verschiedener Kreditangebote – denn selbst minimale Zinsunterschiede können erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten haben.
Zudem rät Kehlert zu einer tragfähigen Finanzierungsstruktur: „Entscheidend ist natürlich auch eine solide Finanzierung mit zehn bis 20 Prozent Eigenkapital, eine Zinsbindung von zehn bis 15 Jahren zur Planungssicherheit und die Möglichkeit, Sondertilgungen leisten zu können.“
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Quellen:
Im Gespräch mit Kristian Kehlert Leiter Marktanalyse bei Immoscout24 am 17. November 2025.
Interhyp Zinsupdate – Bauzinsen bis Jahresende auf gleichbleibendem Niveau, in: interhyp.de. Zuletzt abgerufen am 20.11.2025



