Die Inflation macht Sparern einen Strich durch die Rechnung: Wer sein Geld auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten geparkt hat, muss derzeit mit realen Wertverlusten rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Der durchschnittliche Realzins beim Tagesgeld – also der Zins unter Berücksichtigung der Kaufkraftverluste durch Inflation – liegt aktuell bei minus 1,12 Prozent. Das sei der tiefste Wert seit über anderthalb Jahren, heißt es von den Vergleichsprofis. Die Situation beim Festgeld sieht kaum besser aus: Hier erzielen durchschnittlich verzinste Anlagen ebenfalls eine negative Realrendite, und zwar unabhängig von der gewählten Laufzeit.
Doch was können Sparer dagegen tun und lohnen sich Tagesgeld und Festgeld überhaupt noch? Wir haben die Lösungsvorschläge der Profis zusammengefasst, unsere Spar-Übersicht zeigt zudem aktuelle Angebote der Banken.

Fest- und Tagesgeld: Anziehende Inflation macht Zinserholung zunichte
Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Tagesgeldangebote stehen laut Verivox seit rund zwei Monaten stabil bei 1,28 Prozent und damit um 0,12 Prozentpunkte höher als zu ihrem vorläufigen Tiefststand Anfang August. Die Festgeldzinsen sind im Oktober leicht gestiegen – bei Anlagen mit einem Jahr Laufzeit von 1,93 zu Monatsbeginn auf aktuell 1,95 Prozent und bei fünfjährigen Festgeldern von 2,16 auf 2,19 Prozent. Wo Neukunden noch drei Prozent Zinsen auf Tagesgeld bekommen.
„Auf den ersten Blick könnten Sparer mit der aktuellen Zinsentwicklung zufrieden sein, doch die deutlich angezogene Inflation macht die sanfte Erholung der Sparzinsen wieder zunichte“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich. „Tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen für Sparer dadurch sogar verschlechtert.“
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Nach dem Anstieg der Inflationsrate auf einen neuen Jahreshöchststand von 2,4 Prozent (Stand September) liegt die reale Rendite durchschnittlich verzinster Tagesgeldanlagen aktuell bei minus 1,12 Prozent – und damit so tief im Minus wie seit Februar 2024 nicht mehr. Auch beim Festgeld liegen die durchschnittlichen Realzinsen inzwischen unabhängig von der Laufzeit unterhalb der Nulllinie. Kurzfristige Anlagen mit einem Jahr Laufzeit stehen bei minus 0,45 Prozent und fünfjährige Anlagen bei minus 0,21 Prozent.
„Ein negativer Realzins bedeutet, dass der Zinsertrag nicht ausreicht, um den inflationsbedingten Kaufkraftverlust des Kapitals auszugleichen. Die Ersparnisse auf dem Tages- oder Festgeldkonto verlieren an Wert“, erklärt Maier.
ETFs wie der MSCI World & Co. als Alternative?
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Auswertung des Onlinebrokers XTB und des Beratungsunternehmens Barkow Consulting. Laut ihrer Analyse beläuft sich der Wertverlust klassischer Geldanlagen – also Girokonto, Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen – im laufenden Jahr bereits auf rund 33 Milliarden Euro. Grund dafür sind sinkende Zinsen bei gleichzeitig steigender Inflation. Bis Ende 2025 rechnen die Experten sogar mit über 40 Milliarden Euro Wertverlust.
„Die Zahlen sind allein deshalb schon sehr ernüchternd, weil sich keine Besserung abzeichnet“, sagt Jens Chrzanowski, Deutschlandchef des Onlinebrokers XTB.
Dabei wäre der Schaden laut den Profis leicht zu vermeiden gewesen. Eine alternative Anlage von nur 20 Prozent des Geldvermögens in den MSCI-World-Index hätte den realen Zinsverlust im laufenden Jahr nahezu vollständig ausgeglichen, rechnet die Analyse von XTB und Barkow Consulting vor. Genügt der MSCI World im Depot? Eine ETF-Expertin hat einen klaren Rat.

Allerdings sollten Anleger bedenken, dass Investitionen an der Börse auch mit Verlusten verbunden sein können. Hier gilt die grundlegende Regel: Je höher die mögliche Rendite, desto größer das Risiko.
Abseits der Börse gibt es allerdings auch erhebliche Zinsunterschiede: Laut Verivox liegt der marktweit höchste Zinssatz für fünfjähriges Festgeld aktuell bei 3 Prozent, einjährige Festgeldanlagen werden bei den Top-Banken mit 2,7 Prozent verzinst.
Beim Tagesgeld liegt der höchste Zins, der unbefristet sowie für Neu- und Bestandskunden gleichermaßen gilt, derzeit bei 2,8 Prozent. Die Angebote kommen von Banken mit Sitz im EU-Ausland, für alle gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Unser Tagesgeld-Vergleich und Festgeld-Vergleich stellt einige Angebote vor.
„Wer vor der Anlageentscheidung Angebote vergleicht und sein Geld bei Banken mit guten Konditionen deponiert, kann Kaufkraftverluste je nach Laufzeit entweder ganz vermeiden oder zumindest deutlich reduzieren“, betont Maier.
Quellen:
Barkow Consulting (2025): Falsches Sparen kostet uns ein Vermögen – Analyse der Kosten des Einlagensparens unter Berücksichtigung der Inflation zum Weltspartag 2025. Verfügbar unter: https://www.barkowconsulting.com/wp-content/uploads/2025/10/XTB_Weltspartag-FINAL.pdf (Abruf: 5. November 2025).
Verivox (2025): Tages- und Festgeld: Steigende Inflation drückt Realzinsen ins Minus. Verfügbar unter: https://www.verivox.de/presse/tages-und-festgeld-steigende-inflation-drueckt-realzinsen-ins-minus-1121356/ (Abruf: 5. November 2025).
Statistisches Bundesamt (Destatis) 2025, Inflationsrate im Oktober 2025 voraussichtlich + 2,3 % – Pressemitteilung Nr. 389 vom 30. Oktober 2025, Wiesbaden.
Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_389_611.html (Abruf: 6. Nov. 2025).



