- Über die App von bonify können Verbraucher einige ihrer Schufa-Daten kostenlos einsehen und Fehler melden
- Um die Schufa-App vollumfänglich zu nutzen, ist eine einmalige Identifikation notwendig
- Wir haben bonify getestet und ziehen ein ehrliches Fazit
Die Schufa kaufte die Finanzplattform bonify im Jahr 2022, um Verbrauchern mehr Transparenz zu bieten. Bisher zeigte die App nur den Basisscore. Ein neues Update erlaubt mittlerweile, Anfragen von Unternehmen sowie gespeicherte Vertragsdaten einzusehen. Doch unser Praxistest zeigt: Diese neuen Funktionen sind nicht so leicht nutzbar wie gedacht. Warum sich die bonify-App trotzdem lohnen kann, wie Sie sie einrichten und was ein Experte kritisiert, lesen Sie hier
Nach Kritik an Transparenz: Schufa steuert mit bonify-App gegen
Die Schufa-Daten können maßgeblich dafür sein, ob Verbraucher eine Finanzierung erhalten und wenn ja, zu welchen Konditionen. Eine gute Bonität ist zum Beispiel eine Voraussetzung für die Bestzinsen bei einer Baufinanzierung. Doch während die Schufa für Banken und Finanzierer ein mächtiges Instrument zur Bestimmung der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden ist, sehen letztere in der Wirtschaftsauskunft eine Blackbox.

Die Bonify-App ist ein Versuch der Schufa, der Kritik an fehlender Transparenz entgegenzusteuern. Durch die neuen App-Funktionen können Verbraucher ihre Daten nicht nur einsehen, sondern auch fehlende Einträge berichtigen lassen. Wir haben die Schufa-App getestet.
Vor dem Update Ende November konnten Nutzer über die Bonify-App lediglich ihren Schufa-Basisscore einsehen und wurden über negative Einträge durch Unternehmen informiert. Neu ist, dass jetzt auch detaillierte Informationen, wie Kreditkarten- oder Leasingverträge, in der App stehen. Auch wenn Unternehmen Daten über sie abfragen, sehen Verbraucher dies. Zudem zeigen simulierte Szenarien ihnen, wie sie ihre Bonität verbessern können.
Schufa-App Bonify nutzen: Diese Voraussetzung müssen Sie erfüllen
„Verbraucherinnen und Verbraucher haben nun neben der postalischen Datenkopie eine weitere kostenfreie Alternative, ihre Daten einzusehen – und zwar kurzfristig auf digitalem Weg, so oft sie möchten“, sagt Schufa-Vorstandvorsitzende Tanja Birkholz. Tatsächlich funktionieren sowohl die Registrierung als auch die Anmeldung in der App schnell und unkompliziert. Schwieriger wird es allerdings, wenn Nutzer ihren Schufa-Score einsehen möchten.

Denn dafür müssen sie sich – wie bei einer Bank – authentifizieren. Die Bonify-App bietet dazu drei verschiedene Möglichkeiten: über den Personalausweis mit Selfie, über das Bankkonto und über die elektronische Online-Ausweisfunktion (eID). Der Haken: Nur wer sich über die eID authentifiziert, kann alle Funktionen der App nutzen. Alle anderen Nutzer haben einen stark eingeschränkten Zugriff.
Schufa-App vollständig nutzen: Dieser Schritt ist zwingend nötig
Bonify begründet diese Sicherheitsmaßnahme gegenüber unserer Redaktion damit, dass es bei den neu einsehbaren Daten um personenbezogene und besonders schützenswerte Daten geht. Der Identitätscheck über den Online-Ausweis (eID) entspreche der höchsten Sicherheitsstufe und sei das einfachste und schnellste Prüfungsverfahren für Nutzer, die über die entsprechenden Voraussetzungen verfügen.
Wer keinen deutschen Pass besitzt, kann sich alternativ mit einem elektronischen Aufenthaltstitel authentifizieren. „Genau wie beim elektronischen Personalausweis müssen Bonify-Nutzerinnen und -Nutzer ihre Identität einmalig über ihre elektronischen Aufenthaltstitel bestätigen, um eine eindeutige Zuordnung der Daten sicherzustellen“, erklärt uns ein Sprecher.

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EU-Ausländer oder Bürger aus dem Europäischen Wirtschaftsraum können den Online-Ausweis dagegen bei einem Bürgerarmt beantragen. Für alle Nutzer gilt: Zur Anmeldung über die Ausweis-Identifikation brauchen sie eine persönliche PIN und ein NFC-fähiges Mobilgerät.
Schufa-Score kostenlos einsehen: Große Hürde im Praxistest
Ganz einfach war die Anmeldung über die eID-Identifikation in unserem Test deswegen nicht, denn die App fragte zunächst die sechsstellige-PIN ab. Diese müssen Nutzer erst über die AusweisApp des Bundes aktivieren. Das Innenministerium liefert eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von der Anmeldung bis zur PIN, allerdings hat diese in unserem Praxistest nicht auf Anhieb funktioniert. Erst einige Wochen später und nach einem Besuch im Bürgeramt war die eID einsatzbereit.
Mehr Transparenz: Schufa eröffnet mit Bonify neue Möglichkeit
In der Zwischenzeit testeten wir die Authentifizierung über das Bankkonto: Für den zweiten Anlauf melden wir uns über die Schufa-App im Online-Banking an. Die Nutzer müssen zustimmen, dass die Schufa – genauer gesagt die von ihr gekaufte Forteil GmbH – die im Girokonto hinterlegten Stammdaten abfragen darf. Einem Sprecher zufolge wird der Name, der bei der Online-Registrierung angegeben wurde, mit dem des Kontoinhabers abgeglichen.
Das bedeutet: Einen Einblick in die Transaktionen bekommt die Schufa nicht. Es werden lediglich die Stammdaten abgeglichen. Eine Ausnahme ist, wenn sich App-User später dazu entschließen sollten, Zusatz-In-App-Funktionen wie „FinFitness“ in Anspruch zu nehmen. Dann werden die Transaktionen tatsächlich genauer angeschaut, um einen indikativen Wert zu bestimmen, der die „finanzielle Gesundheit“ wiederspiegeln soll.
Schufa-App „bonify“ im Test: So sehen Sie Ihren Basisscore
Erst mit der Authentifizierung über die eID werden neben dem Basisscore und möglichen Negativeinträgen auch laufende Kredit-Verträge und Schufa-Anfragen einsehbar. Interessant ist dabei besonders die Möglichkeit, Fehler zu melden und Korrekturen zu beantragen. Dies funktioniert über die App in fünf Schritten. Genehmigt die Schufa den Korrekturantrag, können Verbraucher unter Umständen ihren Basisscore verbessern.

Fehler über Bonify melden: Experte kritisiert Vorgehen der Schufa
Michael Möller von der Bürgerbewegung Finanzwende begrüßt diese Möglichkeit der Korrektur. Gegenüber dem ZDF übt er aber auch Kritik: „Die Schufa sammelt viele Daten – kann aber gar nicht selbst sicherstellen, ob diese auch korrekt sind.“ Damit schiebe die Wirtschaftsauskunft ihre Aufgabe, die gesammelten Daten auf Fehler zu überprüfen, auf die Verbraucher ab.
Andererseits erhalten die Verbraucher damit auch etwas mehr Kontrolle über ihren Score. Zu viele Girokonten oder Kreditkarten können ein Negativmerkmal sein und den Basisscore beeinflussen. Während Fehleinträge vorher weniger gut nachvollziehbar waren, können Nutzer nun selbst tätig werden und so möglicherweise sogar von besseren Finanzierungs-Konditionen profitieren.
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Fazit zur Schufa-App: Deshalb empfehlen wir die eID
Unsere Einschätzung: Die Bonify-App ist übersichtlich, kostenfrei und nach einmaliger Authentifizierung tatsächlich vollumfänglich nutzbar. Kritiken wie jene von Möller sind gerechtfertigt. Auch die Tatsache, dass die Schufa über die Authentifizierung mittels Girokonto noch mehr sensible Daten abfragt, sollten Nutzer hinterfragen.
Dennoch bietet die Bonify-App durchaus praktische Vorteile, wie die Möglichkeit, den Schufa-Basis-Score kostenlos einzusehen, Negativeinträge zu überprüfen und Unstimmigkeiten direkt zu melden. In unserem Test waren die neuen Funktionen allesamt nutzbar. Wer die App nutzen möchte, sollte also die datensparsamere Online-Ausweisfunktion (eID) verwenden.








