ADHS wird häufig mit Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität in Verbindung gebracht. Die Störung gilt längst nicht mehr als reines Kindheitsthema: Bei vielen Betroffenen bestehen die Symptome bis ins Erwachsenenalter fort. Eine neue internationale Auswertung legt nun nahe, dass ADHS auch mit einem Risiko für einen früheren Tod verbunden ist.

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Ein Forschungsteam hat dafür 19 wissenschaftliche Studien mit insgesamt rund 15,9 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewertet. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift „JAMA Network Open“ veröffentlicht. Es handelt sich nicht um ein neues Experiment, sondern um eine sogenannte Meta-Analyse. Dabei werden die Ergebnisse mehrerer bereits veröffentlichter Studien statistisch zusammengeführt, um übergreifende Zusammenhänge besser beurteilen zu können.

Höheres Suizid-Risiko bei Menschen mit ADHS

Die Forscher untersuchten neben der Gesamtsterblichkeit innerhalb des Beobachtungszeitraums auch verschiedene Todesursachen. Dabei zeigten sich mehrere Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne ADHS. Im Vergleich zu Menschen ohne ADHS hatten Betroffene ein um 71 Prozent erhöhtes Sterberisiko. Besonders deutlich war der Unterschied bei Suiziden: Hier lag das Risiko um 89 Prozent höher. Auch tödliche Verletzungen traten häufiger auf, mit einem um 55 Prozent erhöhten Risiko. Bei natürlichen Todesursachen, etwa infolge von Erkrankungen, betrug der Anstieg 27 Prozent.

Die Ergebnisse beruhen je nach untersuchter Todesursache auf unterschiedlich vielen Studien. Für die Gesamtsterblichkeit flossen neun Studien in die entsprechende Auswertung ein, für die einzelnen Ursachen waren es jeweils nur wenige.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen relativem und absolutem Risiko. Ein um 71 Prozent erhöhtes relatives Risiko bedeutet nicht, dass 71 von 100 Menschen mit ADHS sterben. Es beschreibt vielmehr den Unterschied zwischen zwei Gruppen. Wie hoch das tatsächliche Sterberisiko einer einzelnen Person ist, lässt sich aus diesem Prozentwert allein nicht ableiten.

Zudem unterschieden sich die Ergebnisse der einzelnen Studien teilweise erheblich. Die zusammengefassten Zahlen beschreiben deshalb einen statistischen Gesamtzusammenhang und keine für alle Betroffenen gleichermaßen geltende Prognose.

Welche Faktoren könnten das Sterberisiko erhöhen?

Warum Menschen mit ADHS in der Auswertung häufiger starben, lässt sich anhand der Daten nicht abschließend klären. Die Studien liefern Hinweise auf mögliche Einflussfaktoren, belegen aber keinen einzelnen Mechanismus als Ursache.

Menschen mit ADHS leiden häufig unter weiteren psychischen Erkrankungen, darunter Depressionen und Angststörungen. Auch soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung können die psychische Belastung erhöhen. Solche Faktoren könnten dazu beitragen, dass das Suizid-Risiko in dieser Gruppe höher ausfällt. Bei tödlichen Verletzungen kommen möglicherweise die für ADHS typischen Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Impulskontrolle ins Spiel. Frühere Untersuchungen haben etwa Zusammenhänge zwischen ADHS und schweren Verkehrsunfällen beschrieben.

Auch bei natürlichen Todesursachen gibt es mehrere denkbare Erklärungen. Chronische Erkrankungen, Schlafprobleme, Rauchen und ungünstige Ernährungsgewohnheiten könnten eine Rolle spielen. Hinzu kommen mögliche Schwierigkeiten, medizinische Behandlungen konsequent einzuhalten. Finanzielle Belastungen und ein niedrigerer Bildungsstand könnten ebenfalls mit dem Risiko zusammenhängen.

Die Meta-Analyse kann allerdings nicht feststellen, welchen Anteil diese Faktoren jeweils haben. Ebenso wenig lässt sich aus ihr ableiten, dass jeder dieser möglichen Einflussfaktoren bei Menschen mit ADHS tatsächlich vorliegt.

ADHS-Medikamente: Zusammenhang mit geringerer Sterblichkeit

Ein weiterer Befund der Untersuchung betrifft die medikamentöse Behandlung. Bei Menschen mit ADHS, die entsprechende Medikamente einnahmen, war das Risiko, aus beliebigen Gründen innerhalb des beobachteten Zeitraums zu sterben, statistisch um 25 Prozent niedriger als bei Betroffenen ohne eine solche Medikation. Dieser Befund fällt auf, sollte aber vorsichtig eingeordnet werden. Die Auswertung zu Medikamenten stützte sich lediglich auf drei Studien aus Taiwan, Kanada und Schweden. Die Datengrundlage ist damit deutlich schmaler als bei der Untersuchung des allgemeinen Sterberisikos.

Außerdem handelt es sich um eine beobachtete Verbindung, nicht um den Nachweis einer Ursache. Menschen, die Medikamente erhalten, können sich in vielerlei Hinsicht von unbehandelten Betroffenen unterscheiden. Dazu zählen etwa der Zugang zur medizinischen Versorgung, die Ausprägung der Symptome, die Lebensumstände und die Regelmäßigkeit der Einnahme.

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Deshalb lässt sich nicht sicher sagen, ob die Medikamente selbst für die geringere Sterblichkeit verantwortlich sind. Frühere Untersuchungen haben zwar Zusammenhänge zwischen einer ADHS-Behandlung und weniger Verletzungen, suizidalem Verhalten oder problematischem Substanzkonsum beschrieben. Die aktuelle Analyse kann jedoch nicht belegen, dass diese Effekte den beobachteten Unterschied bei der Sterblichkeit erklären.