Wissenschaftler der University of Exeter und der City St George’s University of London haben einen besonderen Mechanismus eines zunehmend verbreiteten Krankenhaus-Pilzes entschlüsselt. Der Erreger entwickelt unter bestimmten Umständen Resistenzen gegen bestimmte Medikamente und stellt vor allem für Patienten auf Intensivstationen eine tödliche Bedrohung dar.
Candidozyma auris: Krankenhaus-Pilz mit einer hohen Sterblichkeitsrate
Der Krankenhaus-Pilz Candidozyma auris hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auf den Intensivstationen von Krankenhäusern verbreitet. Deutschland zählt nach aktuellen Zahlen der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC zu den Ländern mit den höchsten Fallzahlen, die bei etwa 100 pro Jahr liegen. Gelangt der Pilzerreger in den Blutkreislauf eines bereits geschwächten Patienten, liegt die Sterblichkeitsrate bei 45 Prozent, berichtet der Hauptautor der Studie Hugh Gifford von der Universität Exeter.
Der Pilz kann von Mensch zu Mensch übertragen werden, auf der Haut haften und medizinische Geräte sowie Oberflächen in der Umgebung kontaminieren. Für Krankenhäuser bedeutet dies einen erheblichen Aufwand bei der Infektionskontrolle, zusätzliche Einschränkungen auf Intensivstationen und hohe Kosten.
Das Forschungsteam um Hugh Gifford hat im Rahmen einer Studie, die im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, einen Mechanismus entschlüsselt, der die zunehmende Resistenz von Candidozyma auris gegen bestimmte Medikamente wie Anidulafungin erklären könnte.
Pilz entwickelt durch Genom-Vervielfachung Resistenz gegen Medikamente
Der Zufall kam dabei den Forschern bei ihrer Entdeckung zu Hilfe. Durch ein Versehen wurden Kulturschalen mit Candidozyma auris und dem Antimykotikum Anidulafungin länger als vorgesehen kultiviert. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass ein Teil der Pilzzellen trotz der Behandlung weiterwuchs. Die überlebenden Zellen hatten sich offenbar an den Wirkstoff angepasst, indem sie mehrere Kopien ihres gesamten Genoms bildeten.

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Bei den schneller wachsenden Zellen größerer Pilzkolonien fanden die Forscher zudem deutlich mehr Mutationen im Gen CRZ1 als bei den ursprünglichen Isolaten und den kleineren Kolonievarianten. Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich auch die Reaktion der Zellwand auf das Antimykotikum verändert hatte.
Aus ihren Ergebnissen schließen die Wissenschaftler, dass sich die Medikamentenresistenz des Krankenhauspilzes nicht plötzlich, sondern stufenweise entwickelt. „Unsere Entdeckung bedeutet, dass wir nun nach neuen Wegen suchen müssen, um Patienten zu behandeln und diesen tödlichen Pilz aus Krankenhäusern zu beseitigen“, erklären die Autoren der Studie. Ein möglicher Ansatz besteht darin, verschiedene Antimykotika miteinander zu kombinieren, um den Erreger wirksamer zu bekämpfen.
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Die Herkunft von Candidozyma auris stellt für die Forschung weiterhin ein Rätsel dar. Der Pilz wurde 2009 erstmals in Japan wissenschaftlich beschrieben. Inzwischen ist er in rund 60 Ländern nachgewiesen worden und gilt als globale Bedrohung für die öffentliche Gesundheit.










