Irina erlebt an ihrem zwölften Geburtstag eine Überraschung, die rückblickend – so sagt sie – bezeichnend sei für ihre Beziehung zur Mutter. Irina soll sie begleiten, aber das Mädchen will nicht, sie möchte lieber zu Hause bleiben. Sie hat damals kaum Freunde und fühlt sich oft fehl am Platz. Doch die Mutter verspricht ihr etwas Besonderes. Also geht sie mit. Was sie erwartet, ist kein Geschenk, kein Kuchen und keine Überraschungsparty. Stattdessen sitzt Irina plötzlich in einer Therapiesitzung. Die Botschaft dahinter schmerzt sie sehr. „Ich habe lange gedacht, ich bin das Problem“, sagt Irina heute.

Auf dem Heimweg weint sie. Für Irina ist dieser Geburtstag eine frühe Erfahrung von Druck, übergangenen Grenzen und Ohnmacht. Solche Erlebnisse seien in toxischen Mutter-Kind-Beziehungen keine Ausnahme, sagt die Berliner Psychologin und systemische Therapeutin Inga Diminstein-Matzkuhn. „Es ist grausam, aber für die Kinder ist es Normalität. Sie haben seit ihrer Geburt nie eine andere Mutter kennengelernt. Sie sind ihrer Mutter vollkommen ausgeliefert.“ Irina erzählt, wie sie ihre Kindheit erlebt hat und welche Folgen das bis heute für sie hat.

Vernachlässigung durch die Mutter: Mangelnde Nähe und Grenzüberschreitungen