Schwierige Beziehungen gelten vor allem als Belastung für die Psyche. Doch sie könnten auch den Körper stärker beeinflussen als bisher angenommen. Eine neue Studie zeigt: Menschen, die in ihrem engen Umfeld regelmäßig mit besonders anstrengenden Personen zu tun haben, altern biologisch schneller. Besonders stark scheint der Effekt bei Konflikten innerhalb der Familie zu sein. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht.
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Wenn Beziehungen zur dauerhaften Belastung werden
Die Forscher sprechen von sogenannten „Hasslern“. Gemeint sind Menschen im persönlichen Umfeld, die häufig Probleme verursachen oder das Leben anderer dauerhaft erschweren – etwa durch Kritik, Konflikte oder ständige Forderungen.

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Solche Beziehungen sind keineswegs selten: In der Studie berichtete knapp ein Drittel der Teilnehmenden, mindestens eine solche Person in ihrem engeren Netzwerk zu haben. Rund zehn Prozent gaben sogar an, zwei oder mehr „Hassler“ in ihrem Umfeld zu kennen.
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Für die Untersuchung wertete ein Forschungsteam Daten von 2345 Erwachsenen aus, die zwischen 18 und 103 Jahre alt waren. Neben Befragungen zu sozialen Beziehungen analysierten die Wissenschaftler auch DNA-Proben aus Speichel, um das biologische Alter der Teilnehmenden zu bestimmen.
Messung des biologischen Alters
Dabei kamen sogenannte epigenetische „Uhren“ zum Einsatz – molekularbiologische Methoden, die chemische Veränderungen im Erbgut messen. Diese Veränderungen geben Hinweise darauf, wie schnell der Körper tatsächlich altert, unabhängig vom kalendarischen Alter.
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Die Analyse zeigte einen klaren Zusammenhang: Jede zusätzliche belastende Beziehung im persönlichen Umfeld war im Schnitt mit rund neun Monaten mehr biologischem Alter verbunden. Zudem alterten die Zellen etwa 1,5 Prozent schneller pro Jahr. Über längere Zeit kann sich dieser Effekt deutlich aufsummieren.
Familie wirkt besonders stark
Auffällig war, dass nicht alle problematischen Beziehungen gleich stark mit beschleunigtem Altern verbunden waren. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Familienmitgliedern, also bei Eltern, Geschwistern oder erwachsenen Kindern.
Konflikte mit Bekannten oder Kollegen spielten ebenfalls eine Rolle, allerdings schwächer. Überraschend war hingegen ein anderes Ergebnis: Belastende Beziehungen zum Ehepartner zeigten in dieser Studie keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang mit den untersuchten Alterungswerten.
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Die Forscher vermuten, dass vor allem familiäre Bindungen schwer zu verändern sind. Während Freundschaften oder berufliche Kontakte eher beendet oder reduziert werden können, bestehen familiäre Verpflichtungen oft dauerhaft. Wenn solche Beziehungen gleichzeitig konfliktreich sind, entsteht dadurch möglicherweise chronischer Stress.
Folgen auch für die Gesundheit
Der Zusammenhang beschränkte sich nicht auf die Alterungsmarker in der DNA. Menschen mit mehr belastenden Beziehungen berichteten häufiger von Depressionen und Angstzuständen. Auch körperliche Werte waren ungünstiger: Sie hatten im Durchschnitt einen höheren Body-Mass-Index, ungünstigere Fettverteilungen sowie häufiger mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig.
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Als mögliche Erklärung verweisen die Forscher auf die körperliche Stressreaktion. Dauerhafte Konflikte können dazu führen, dass Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin immer wieder ausgeschüttet werden. Wird dieses System über längere Zeit aktiviert, kann das Entzündungsprozesse im Körper fördern und verschiedene Organsysteme belasten.
Ungleich verteilt im Alltag
Die Studie zeigt zudem, dass solche belastenden Beziehungen nicht gleichmäßig verteilt sind. Frauen berichteten häufiger von „Hasslern“ in ihrem Umfeld als Männer. Auch Menschen mit schwierigen Kindheitserfahrungen oder schlechterer Gesundheit gaben öfter an, mit problematischen Beziehungen umgehen zu müssen.
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Damit könnten soziale Beziehungen eine weitere Ebene darstellen, über die sich gesundheitliche Unterschiede im Laufe des Lebens verstärken.
Ergebnisse zeigen Zusammenhänge – keine direkte Ursache
Die Forscher betonen jedoch, dass ihre Studie keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung beweist. Da die Daten überwiegend zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, lässt sich nicht sicher sagen, ob belastende Beziehungen tatsächlich das Altern beschleunigen – oder ob Menschen mit schlechterer Gesundheit eher in konfliktreiche soziale Situationen geraten.
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Dennoch sehen die Autoren in ihren Ergebnissen einen wichtigen Hinweis darauf, dass soziale Beziehungen nicht nur unterstützend wirken können. Auch die „dunkle Seite“ sozialer Netzwerke könnte langfristig Einfluss auf Gesundheit und Alterungsprozesse haben.















