Ein Besuch beim Zahnarzt gehört für die meisten Kinder wohl eher nicht zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Dass diese für ihre Zukunft enorm wichtig ist – und zwar nicht nur für ihre Zahnhygiene – sollen jetzt jüngste Forschungsergebnisse aus Dänemark zeigen.

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Forschende der Universität Kopenhagen, des University College London und des dänischen Krebsinstituts untersuchten im Rahmen einer Kohortenstudie die Zusammenhänge zwischen Zahn- oder Zahnfleischproblemen im Kindesalter und späteren Gesundheitsproblemen. Konkret ging es um Erkrankungen im Erwachsenenalter, die Herz und Gefäße betreffen (kardiovaskuläre Erkrankungen, etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall). Hierfür nutzten die Fachleute Gesundheitsdaten von rund 568.000 Menschen aus ganz Dänemark, geboren in den 1960er- und 70er-Jahren.

Erstmaliger Fokus auf Mundgesundheit im Kindesalter

Mögliche Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit eines Erwachsenen und seiner allgemeinen Gesundheit zu untersuchen, ist kein neues Phänomen. Etwa in Hinblick auf kardiovaskuläre Erkrankungen hat es in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl an Studien gegeben, die Parallelen zu einer schlechten Mundgesundheit aufzeigen. 

Wie und ob das aber bereits für die kindliche Mundgesundheit gilt und welche langfristigen Auswirkungen Munderkrankungen im Kindesalter auf die spätere Gesundheit eines Menschen haben, werde bislang nicht oft erforscht, betonen die Forschenden, die hierin ihre Motivation hinter der Studie begründen. 

Dabei zeigte sich: Menschen, die in ihrer Kindheit schwere Zahnkaries aufwiesen, litten später öfter an kardiovaskulären Erkrankungen – die Häufigkeit war hier bis zu 45 Prozent höher als bei Menschen ohne kindliche Karies. Selbiges gilt auch für vermehrte Zahnfleischentzündungen im Kindesalter, hier war die Inzidenz bis zu 41 Prozent höher.

Entzündungen als mögliche Erklärung?

Es sind Ergebnisse, die verdeutlichen, wie wichtig Zahn- und Mundhygiene ist. Denn etwa in Dänemark sind laut Studie 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen für 80 Prozent aller registrierten Zahnerkrankungen verantwortlich, betont Studienautorin Merete Markvart, Associate Professorin am Institut für Zahnmedizin der Universität Kopenhagen.

„Wenn wir Marker identifizieren können, die auf ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen im späteren Leben hinweisen, können wir Präventionsmaßnahmen gezielt auf diese Gruppen ausrichten. Dies könnte langfristige gesundheitliche Vorteile bis ins Erwachsenenalter mit sich bringen“, schlussfolgert Markvart.

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Aber wie könnten diese Zusammenhänge erklärt werden? Mit Sicherheit gesagt werden kann das zum jetzigen Zeitpunkt bisher nicht, betonen die Forschenden. Sie haben mit ihren Ergebnissen nämlich lediglich statistische Korrelationen aufgezeigt, und nicht etwa an den Ursachen geforscht. Dennoch gibt es bereits Vermutungen.

„Wir vermuten, dass die Aussetzung gegenüber hohen Entzündungen in Form von Zahnfleischerkrankungen und Zahnkaries bereits in der Kindheit beeinflussen kann, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert“, sagt Studienautorin Nikoline Nygaard, Postdoc an der Abteilung für Zahnmedizin der Universität Kopenhagen. Andere Studien, etwa von der Weltherzföderation, legen ähnliche Vermutungen nahe. Nygaard und weitere Kollegen haben in einer weiteren Studie zudem ähnliche Zusammenhänge mit dem Vorkommen von Diabetes feststellen können.

„Menschen in die richtige Richtung lenken, indem wir ihre Zahngesundheit verbessern“

Natürlich kann auch der Lebensstil der Untersuchten Einfluss auf das Vorkommen kardiovaskulärer Erkrankungen haben, betonen die Studienautoren, weshalb sie in ihre Datenauswertung schließlich auch das Bildungsniveau einfließen ließen. Doch auch danach blieben erste Korrelationen bestehen. Ergebnisse, die jetzt eine große Menge an Raum für weitere, darauf aufbauende Untersuchungen bieten.

„Es ist nicht so, dass man Herz-Kreislauf-Erkrankungen heilen kann, indem man die Zähne von Kindern behandelt. Aber wenn wir unsere Bemühungen auf bestimmte Gruppen konzentrieren, können wir viele Menschen in die richtige Richtung lenken, indem wir einfach ihre Mundgesundheit verbessern“, so Merete Markvart.