Kommt eine Frau zum Arzt ... Was klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes, kann für Millionen Patientinnen in Wahrheit ernste bis tödliche Folgen haben. Denn Frauen werden in Praxen und Kliniken in den meisten Fällen noch immer untersucht und behandelt wie Männer. Medikamente sind in aller Regel nicht an Frauen getestet. Das führt oft zu falschen Dosierungen, schlechterer Wirkung und macht sie für Patientinnen weniger gut verträglich. Wie eklatant die Versorgungslücke bei Frauen klafft, unterstreicht unter anderem die jüngste „Gender Health Gap“-Studie der Krankenversicherung Axa.

Welche Gefahr das etwa für innere Erkrankungen bedeutet, verdeutlicht Prof. Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger: „Frauen haben eigentlich bis zur Menopause einen Vorteil gegenüber Männern, einen gewissen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn sie ansonsten gesund sind“, erklärt die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie im Gespräch mit dieser Redaktion. „Werden Frauen aber vor der Menopause stark übergewichtig oder entwickeln gar einen Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, eine Fettstoffwechselstörung oder gar alles zusammen, geht dieser Vorteil verloren.“

In diesen Fällen haben Frauen dann sogar ein gleich hohes, wenn nicht noch höheres Risiko als Männer, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bis hin zum Herzinfarkt zu entwickeln, warnt Schumm-Draeger: „Und das wird überhaupt nicht realisiert, obwohl dazu gute Daten vorliegen. Es wird hier weder rechtzeitig diagnostiziert noch Prävention betrieben und auch nicht leitliniengerecht behandelt.“ Was müssen Patientinnen wissen?