Wer früher Sport getrieben hat, kennt das Gefühl: Mit Anfang 20 reagiert der Körper wie von selbst, mit Mitte 30 ist man einen Tick langsamer, mit 50 spürt man es deutlich. Dass Reaktionszeiten im Laufe des Lebens nachlassen, ist bekannt. Eine neue Forschung zeigt jedoch: Wie schnell wir reagieren, ist weit mehr als eine sportliche Randnotiz.

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Denn das hängt nicht nur mit Fitness oder Konzentration zusammen. Studien zeigen: Reaktionsgeschwindigkeit steht in Verbindung mit Gehirnalterung, körperlicher Gebrechlichkeit, dem Sturzrisiko – und sogar mit der Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben.
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Gesundheit: Reagieren ist Teamarbeit im Körper
Reagieren ist ein komplexer Vorgang. Die Augen müssen den Reiz wahrnehmen, das Gehirn ihn einordnen, Nervenbahnen das Signal weiterleiten und Muskeln es umsetzen. „Wenn die Reaktionszeit nachlässt, zeigt das meist, dass mehrere dieser Systeme nicht mehr optimal zusammenspielen“, erklärt der schottische Alternsforscher Simon Cox von der Universität Edinburgh der „BBC“.
Entscheidend sei dabei weniger, wie schnell jemand im Vergleich zu anderen ist. Menschen unterscheiden sich von Natur aus stark. Aussagekräftiger ist, ob sich die eigene Reaktionsgeschwindigkeit über Jahre hinweg deutlich verschlechtert.
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Der Lineal-Test für zu Hause
Ein einfacher Selbsttest macht das messbar: Sie setzen sich an einen Tisch, lassen die Hand locker über die Kante hängen. Eine zweite Person hält ein Lineal senkrecht über Ihre Finger und lässt es ohne Vorwarnung los. Sie versuchen, es so schnell wie möglich zu fangen.
Die Fallstrecke zeigt, wie schnell Sie reagiert haben. Unter 7,5 Zentimeter gilt als sehr gut, bis rund 20 Zentimeter als durchschnittlich, darüber als langsam. Wer diesen Test in regelmäßigen Abständen wiederholt, kann Veränderungen gut beobachten.
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Studien zeigen: Schwankende Reaktionszeiten erhöhen Sterberisiko
Dass Reaktionszeiten mehr sind als eine Spielerei, belegen Bevölkerungsstudien. In einer großen US-Untersuchung mit über 5000 Erwachsenen zeigte sich: Menschen mit langsameren oder stark schwankenden Reaktionszeiten hatten ein deutlich höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben oder insgesamt früher zu versterben. Die Stärke dieses Zusammenhangs war vergleichbar mit klassischen Risikofaktoren wie Rauchen. Für Krebserkrankungen zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht.
Auch Langzeitdaten aus Schottland kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Längere und unregelmäßigere Reaktionszeiten standen dort mit einer höheren Sterblichkeit durch Herz-, Atemwegs- und andere Erkrankungen in Zusammenhang.
Verbindung zur Gebrechlichkeit im Alter
Eine aktuelle Auswertung der Helsinki Birth Cohort Study mit rund 1300 Teilnehmern zeigt zusätzlich: Bereits im späten mittleren Alter hängen langsamere Reaktionszeiten mit höherer körperlicher Gebrechlichkeit zusammen. Wer bei komplexeren Reaktionstests genauer und schneller war, zeigte über die folgenden Jahre einen langsameren Anstieg dieser Gebrechlichkeit. Das geriatrische Syndrom gilt als wichtiger Vorläufer für Stürze, Krankenhausaufenthalte und den Verlust der Selbstständigkeit.
Interessant ist, wo der Abbau beginnt. Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Gehirn den Reiz häufig noch sehr schnell verarbeitet. Das Problem liegt eher im Körper: Muskeln reagieren träger, schnelle Muskelfasern nehmen ab, die Energieproduktion in den Zellen lässt nach.
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Alaa Ahmed von der University of Colorado Boulder beschreibt es so: Schnelle Bewegungen sind für ältere Menschen schlicht anstrengender geworden. Das Nervensystem könne häufig noch Schritt halten – die körperliche Umsetzung nicht mehr.
Messungen des sogenannten Schreckreflexes zeigen sogar, dass ältere Menschen auf ein plötzliches Geräusch nervlich fast so schnell reagieren wie Jüngere. Nur die Bewegung selbst dauert länger.
Frühe Hinweise auf kognitive Veränderungen
Auch am Computer lassen sich Reaktionstests durchführen, etwa indem man so schnell wie möglich auf ein Farbsignal klickt. Deutliche Verschlechterungen über die Zeit können Hinweise darauf sein, dass die Verarbeitung in den Sinnes- und Entscheidungszentren des Gehirns langsamer wird. Studien legen nahe, dass solche Veränderungen viele Jahre vor ersten Demenzsymptomen auftreten können.
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Reaktionsfähigkeit kann trainiert werden
Die gute Nachricht: Reaktionsvermögen ist keine starre Größe. Fachleute empfehlen sogenannte Dual-Task-Übungen, die Bewegung und Denken verbinden. Etwa auf einem Bein stehen und dabei das Alphabet aufsagen, beim Gehen den Kopf drehen oder einen Ball fangen und gleichzeitig Wörter nennen.
Auch Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, das Erlernen eines Instruments oder regelmäßige geistige Aktivität scheinen sich positiv auszuwirken.










