• Blasenkrebs betrifft in Deutschland mehr Menschen, als viele annehmen
  • Forscher entdecken: Ein Virus könnte als möglicher Auslöser eine Rolle spielen
  • Was bedeuten die Ergebnisse für die Prävention?

Britische Forschende der University of York haben neue Hinweise darauf entdeckt, dass das weit verbreitete BK-Virus ein entscheidender Auslöser für Blasenkrebs sein könnte. Mit dem Erreger infizieren sich viele Menschen bereits in der Kindheit – meist ohne Beschwerden. Doch das Virus bleibe im Harnwegsystem zurück und kann dort, insbesondere in der Blase, unbemerkt DNA-Schäden verursachen, heißt es in einer bei „Science Advances“ veröffentlichten Studie. Laut der Charité zählt Blasenkrebs mit über 614.000 Fällen pro Jahr weltweit zu den neunthäufigsten Krebsarten – und ist besonders schwer zu behandeln, wenn er erst spät erkannt wird.

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Diese Mutationen deuten auf virale Ursache für Blasenkrebs hin

In Blasentumorgewebe fanden die britischen Wissenschaftler auffallend viele Mutationen, die typisch für die Aktivität des APOBEC3-Enzyms sind. Dieses Enzym wird normalerweise aktiviert, wenn der Körper Viren bekämpft – ein deutlicher Hinweis auf eine virale Beteiligung. Auch der Umstand, dass Menschen nach Nierentransplantationen ein stark erhöhtes Blasenkrebsrisiko haben, lenkte den Verdacht der Forschenden zusätzlich auf das „schlafende“ BK-Virus.

Um diesen Zusammenhang genauer zu prüfen, analysierte das Forschungsteam sowohl gesundes als auch tumorbefallenes Harnweggewebe und verglich die jeweiligen Mutationsmuster. Parallel infizierten sie Blasenzellen im Labor künstlich mit dem BK-Virus. Durch die Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden gelang es ihnen, die biologischen Abläufe besser zu verstehen.

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BK-Virus löst Krebs-Mutationen auch in gesunden Nachbarzellen aus

Ihre Ergebnisse sind eindeutig: Das BK-Virus aktiviert APOBEC3 – doch das Enzym richtet nicht nur Schaden an der Virus-DNA an, sondern auch am Erbgut gesunder menschlicher Zellen. Die so entstehenden Mutationen entsprechen exakt den Mustern, die man in Blasenkrebszellen findet. Überraschend war zudem, dass selbst benachbarte, nicht infizierte Zellen DNA-Schäden aufwiesen. Das könnte erklären, warum sich in vielen Tumoren später keine Virusreste mehr finden lassen.

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Solange das Immunsystem stabil ist, bleibt das Virus meist inaktiv. Wird es jedoch geschwächt – etwa durch transplantationsbedingte Immunsuppression, bestimmte Medikamente oder schlicht durch das Alter –, kann das schlafende Virus reaktiviert werden. Dann beginnt möglicherweise ein Prozess, der langfristig zur Krebsentstehung beiträgt. Die neuen Erkenntnisse sprechen dafür, dass das BK-Virus eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Blasenkrebs spielen könnte – vielleicht sogar die wichtigste.

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Blasenkrebs-Prävention: Neue Ansätze durch Virusforschung in Aussicht

Sollte sich dieser Zusammenhang bestätigen, könnten sich daraus völlig neue Wege der Prävention ergeben. Ähnlich wie bei HPV wären gezielte Therapien oder sogar Impfungen denkbar, die das Risiko für Blasenkrebs künftig deutlich senken. Noch steht die Forschung jedoch ganz am Anfang. Es ist unklar, wie oft eine Reaktivierung des Virus tatsächlich zu Krebs führt und welche Menschen besonders anfällig sind. Sicher ist nur: Die aktuellen Ergebnisse eröffnen vielversprechende Perspektiven für neue Strategien in der Blasenkrebsprävention.

lcz