In Deutschland wird wieder geschnieft und gehustet. Mit den sinkenden Temperaturen ist die Erkältungssaison offiziell da – und das Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnet seit Anfang Oktober deutlich erhöhte Zahlen. Zu Beginn der Saison litten rund 8900 von 100.000 Menschen an einem Atemwegsinfekt, inzwischen sind es noch etwa 6.000. Hochgerechnet sind damit derzeit fast fünf Millionen Menschen in Deutschland erkältet.

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Die meisten dieser Infekte gehen auf Viren zurück. Antibiotika helfen dagegen nicht, weil sie nur Bakterien bekämpfen. Und viele frei verkäufliche Mittel aus der Apotheke lindern allenfalls vorübergehend Symptome wie Husten, Schnupfen oder Kopfschmerzen. Vor diesem Hintergrund rückt ein unscheinbares Hilfsmittel in den Blick, das weder verschreibungspflichtig noch teuer ist – und in aktuellen Studien überraschend gut abschneidet: die Nasenspülung mit Kochsalzlösung.
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Doch was steckt eigentlich hinter einer Nasenspülung? Gemeint ist das gezielte Spülen der Nasenhöhle mit einer salzhaltigen Wasserlösung. In Studien kommen dafür unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz: Mal nutzen die Teilnehmenden eine Sprühflasche mit Pumpmechanismus, mal eine klassische Nasendusche – ein Kännchen, das an eine Teekanne erinnert. Man füllt die Kochsalzlösung ein, setzt die Tülle an ein Nasenloch und lässt die Flüssigkeit so einlaufen, dass sie durch die Nasenhöhle fließt und aus dem anderen Nasenloch wieder herausläuft.
Die Technik ist alles andere als neu. Ursprünglich stammt sie aus der altindischen Gesundheitslehre Ayurveda: Dort wird die Nasenspülung als „Jala Neti“ seit Jahrhunderten im Yoga praktiziert – eine Art rituelle Nasenreinigung mit salzhaltigem Wasser. Erst viel später tauchen ähnliche Geräte auch in der antiken griechischen und römischen Medizin auf, wie historische Beschreibungen von Naseninstrumenten zeigen.
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Mary J. Scourboutakos, Hausärztin und Adjunct Assistant Professor an den Macon & Joan Brock Virginia Health Sciences der Old Dominion University, erklärt gegenüber der Plattform „The Conversation“, dass die Kochsalzlösung zunächst eine sehr einfache Aufgabe habe: Sie spült die Nase sauber. Beim Spülen werden Schleim, Krusten und andere Ablagerungen aus der Nasenhöhle gelöst und abtransportiert. Nach ihren Angaben werden dabei auch Viren, Allergene und winzige Partikel aus der Luft mit ausgespült, die sich vorher an der Schleimhaut festgesetzt hatten.
Gleichzeitig spielt die Zusammensetzung der Lösung eine Rolle. Scourboutakos erläutert, dass Kochsalzlösung im Vergleich zu normalem Leitungswasser einen etwas niedrigeren pH-Wert habe. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist. Eine leicht saure Umgebung sei für viele Viren ungünstig, sagt sie, weil sie sich darin schlechter vermehren können.
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Eine wichtige Rolle spielt außerdem das sogenannte Flimmerepithel. Die Innenseite der Nasenhöhle ist von winzigen, haarähnlichen Strukturen bedeckt, den Zilien. Man kann sie sich wie ein laufendes Bürstchen vorstellen, das Schleim und Fremdstoffe in Richtung Rachen transportiert, wo sie geschluckt oder ausgehustet werden. Scourboutakos betont, dass die Nasenspülung mit Kochsalzlösung genau dieses Reinigungssystem unterstützt. Die Lösung verflüssigt den Schleim, löst festklebende Partikel und sorgt dafür, dass die Zilien wieder ungehindert „durchkehren“ können.
Studienlage: Nasendusche verkürzt Erkältung und senkt Viruslast
Die Beobachtungen aus Praxen wie der von Scourboutakos bleiben nicht nur anekdotisch. Sie werden von Studiendaten gestützt. In einer 2024 im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichten Studie mit mehr als 11.000 Teilnehmenden wurde untersucht, wie sich eine Nasenspülung mit Kochsalzlösung auf den Verlauf einer Erkältung auswirkt. In der Arbeit heißt es, dass Menschen, die bereits bei den ersten Erkältungssymptomen mit der Nasendusche begannen und diese bis zu sechsmal täglich durchführten, im Durchschnitt rund zwei Tage kürzer krank waren als die Vergleichsgruppe ohne Spülung. Die Autorinnen und Autoren führen den Effekt darauf zurück, dass die Viruslast in der Nase schneller sinkt und die Schleimhaut ihre Reinigungsfunktion besser erfüllen kann.
Auch zur Ansteckungsgefahr gibt es Hinweise: In einer Studie mit hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten spülte eine Gruppe der Erkrankten nach positivem Nasenabstrich alle vier Stunden über 16 Stunden mit Kochsalzlösung. Dort sank die Viruslast um 8,9 Prozent, während sie in der Kontrollgruppe ohne Spülung im selben Zeitraum weiter anstieg. Die Forschenden folgern, dass eine regelmäßige Nasenspülung nicht nur den eigenen Verlauf abmildern, sondern auch die Weitergabe von Viren verringern könnte.
Nasendusche bei Allergie und chronischem Schnupfen: Mehr als nur ein Erkältungstipp
Die Wirkung der Nasenspülung endet nicht bei der klassischen Erkältung. In einer Metaanalyse, in der zehn randomisierte, kontrollierte Studien zur allergischen Rhinitis – besser bekannt als Heuschnupfen – ausgewertet wurden, wird die Methode ebenfalls positiv beurteilt. In der Analyse heißt es, dass Patientinnen und Patienten, die regelmäßig mit Kochsalzlösung spülten, ihren Verbrauch an Allergiemedikamenten im Schnitt um 62 Prozent senken konnten.
Auch bei chronisch verstopfter Nase, beim sogenannten postnasalen Tropfen – wenn ständig Sekret den Rachen hinunterläuft – und bei wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen berichten Studien von spürbaren Vorteilen. In den Arbeiten wird beschrieben, dass Betroffene seltener über Druckkopfschmerzen, ein dauerhaft „zugeschnürtes“ Gefühl in der Nase oder ständiges Räuspern wegen zähen Schleims klagen, wenn die Nasenspülung zu einem festen Ritual im Alltag wird.
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Wer nach all den Studienergebnissen selbst testen möchte, ob eine Nasenspülung Erleichterung bringt, muss dafür weder tief in die Tasche greifen noch vorher zum Arzt. Nasenduschen und passende Kochsalzlösungen sind in Deutschland rezeptfrei erhältlich. In Apotheken gibt es Nasenduschen, gebrauchsfertige Kochsalzlösungen und Dosierbeutel mit Nasenspülsalz, aus denen man die Lösung zu Hause mit Leitungs- oder abgekochtem Wasser anrührt. Auch Drogeriemärkte führen Nasenduschen und Nasenspülsalz – meist als Komplett-Sets mit Kännchen und Salzbeuteln, als Nachfüllpackungen oder als gebrauchsfertige Meerwasser-Nasensprays, die sich besonders gut für unterwegs eignen.










