Kreativität scheint mehr zu bewirken, als nur Freude und Entspannung zu bringen: Sie könnte das Gehirn tatsächlich jünger halten. Das legt eine neue Studie nahe, die im Fachjournal Nature Communications erschienen ist. Forscher aus zehn Ländern haben die Gehirne von Tänzerinnen, Musikerinnen, bildenden Künstlern und Computerspielern untersucht – und dabei deutliche Unterschiede gefunden.

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Gehirne „jünger“ als das Alter

Das Team um den Neurowissenschaftler Agustín Ibáñez von der Universität Adolfo Ibáñez in Chile nutzte sogenannte Brain Clocks. Diese Modelle auf Basis von maschinellem Lernen vergleichen das biologische Alter des Gehirns mit dem tatsächlichen Lebensalter. Je größer der Unterschied, desto „jünger“ wirkt das Gehirn.

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Für die Studie wurden Daten von 1.240 Personen ausgewertet und auf 232 Kreative angewendet – darunter Tango-Tänzer, Musiker, Malende und Gamer. Das Ergebnis: In allen Gruppen war die Alterung des Gehirns verlangsamt. Besonders deutlich war der Effekt bei den Tango-Tänzern, ihre Gehirne wirkten im Schnitt sieben Jahre jünger als ihr tatsächliches Alter.

Kreativität vernetzt das Gehirn

In den Bereichen des Gehirns, die besonders stark vom Alterungsprozess betroffen sind, zeigte sich eine erhöhte Aktivität und bessere Kommunikation zwischen verschiedenen Regionen. Die Forscher sehen darin ein Zeichen für eine gesteigerte neuronale Plastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Lernen und Erfahrung zu verändern.

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Selbst Einsteigerinnen und Einsteiger profitierten: Menschen, die neu ein kreatives Hobby begannen, zeigten nach kurzer Zeit eine messbar langsamere Gehirnalterung. In einem Versuch lernten Teilnehmende, das komplexe Strategiespiel StarCraft II zu spielen und schon nach wenigen Wochen reagierten ihre Gehirne schneller und zeigten eine gesteigerte Aktivität in Bereichen, die für Wahrnehmung und Aufmerksamkeit wichtig sind.

„Muss kein Da Vinci sein, um positive Effekte zu erzielen“

„Man muss kein Da Vinci sein, um positive Effekte zu erzielen“, sagt Ibáñez. Entscheidend sei die regelmäßige Beschäftigung mit kreativen Tätigkeiten, nicht das Talent. Kreativität aktiviere weit mehr Gehirnregionen als klassische Denksportaufgaben wie Kreuzworträtsel oder Sudokus.

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Auch Francisca Rodriguez vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Greifswald betont die biologische Grundlage: Kreative Aktivität steigere die Ausschüttung von Dopamin und BDNF (Brain Derived Neurotrophic Factor), Botenstoffe, die Lernen, Motivation und das Wachstum neuer Nervenzellen fördern.

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Ein Plädoyer für mehr Kreativität im Alltag

Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen ein starkes Argument dafür, kreatives Tun als präventive Maßnahme für geistige Gesundheit zu begreifen, ähnlich wie Bewegung für den Körper. Ob Tanzkurs, Malklasse oder Musikschule: Wer regelmäßig kreativ ist, scheint seinem Gehirn etwas Gutes zu tun.