• Herzinfarkt bei Frauen: Forscher enthüllen unterschätzte Risiken
  • Warum bekommen Frauen oft falsche Diagnosen?
  • Spontane Arterienrisse & Co.: Das sollten Sie über Herzinfarkte wissen

Mehr als 300.000 Menschen in Deutschland erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt, wie Daten des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung zeigen. Meist wird dieser durch Ablagerungen von Fett und Kalk in den Arterien verursacht. Eine neue Studie offenbart jedoch geschlechtsspezifische Unterschiede: Besonders bei Frauen unter 65 Jahren treten weniger bekannte Ursachen stärker in den Vordergrund.

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Herzinfarkt bei Frauen: Forscher entdecken häufig übersehene Ursachen

Die Herz-Spezialisten der renommierten Mayo-Klinik in den USA analysierten 1474 Herzinfarktfälle bei Menschen im Alter von 65 Jahren und jünger. Die Diagnosen stammten aus dem Zeitraum 2003 bis 2018 und wurden im Olmsted County, Minnesota (USA), gestellt. Das Forscherteam um Claire E. Raphael, Yader Sandoval und Joel D. Beachey hatte sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen für Herzinfarkte zu erforschen – jenseits der üblichen Verstopfung der Arterien. Besonders bei Frauen vermuteten sie weniger bekannte Auslöser, die bisher häufig übersehen wurden.

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Wie erwartet, förderte die Auswertung einige überraschende Ergebnisse zutage: Bei mehr als der Hälfte der Herzinfarkte bei Frauen unter 65 Jahren war nicht die typische Verkalkung der Gefäße (Atherothrombose) die Ursache. Diese war nur in 47 Prozent der Fälle verantwortlich, während sie bei Männern ganze 75 Prozent der Herzinfarkte ausmachte. Dabei wurde deutlich, dass bei Frauen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Herzens spielen:

  • Spontane Risse in der Arterienwand (SCAD)
  • Embolien – plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes
  • Der Vasospasmus – krampfartige Verengung eines Blutgefäßes
  • Sekundärer Myokardinfarkt (SSDM) – verursacht durch ein Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf im Herzmuskel

Die an der im „Journal of the American College of Cardiology“ erschienen Studie beteiligten Forscher berichten, dass der plötzliche Herzinfarkt (SCAD) häufig falsch diagnostiziert wurde – und zwar in 55 Prozent der Fälle, insbesondere bei Frauen. Oft wurde SCAD mit Arterienverkalkung (Atherothrombose) oder einem MINOCA (Herzinfarkt ohne Verschluss der Koronararterien) verwechselt. Dr. Claire Raphael, Kardiologin an der Mayo Clinic und Erstautorin der Studie, hob in einer Mitteilung die Bedeutung dieser Erkenntnisse hervor: „Diese Forschung wirft ein Schlaglicht auf die Ursachen von Herzinfarkten, die in der Vergangenheit, insbesondere bei Frauen, unterschätzt wurden.“

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Spontane Arterienrisse: Bei Frauen sechsmal häufiger als bei Männern

Die Studienergebnisse sind alarmierend, denn werden die wahren Ursachen eines Herzinfarkts nicht entdeckt, führe es zu „weniger wirksamen oder sogar schädlichen Behandlungen“, wie Dr. Raphael betont. Insbesondere bei Frauen und jüngeren Patienten sei es von zentraler Bedeutung: „Unsere Forschung unterstreicht die Notwendigkeit, unseren Umgang mit Herzinfarkten bei dieser Patientengruppe und insbesondere bei jüngeren Frauen zu überdenken. Ärzte müssen ihr Bewusstsein für Erkrankungen wie SCAD, Embolie und stressbedingte Auslöser schärfen, und Patienten sollten sich um Antworten bemühen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt“, sagt Kardiologe Rajiv Gulati, leitender Autor der Studie.

Beispielsweise traten spontane Arterienrisse bei Frauen fast sechsmal häufiger auf als bei Männern. Auch sekundäre Myokardinfarkte (SSDMs) kamen bei weiblichen Patienten doppelt so häufig vor. Darüber hinaus waren Frauen häufiger von Embolien, Gefäßkrämpfen (Vasospasmen) sowie Herzinfarkten ohne klare Ursache oder relevante Gefäßverengung betroffen.

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Herzinfarkte: Bessere Diagnosen für eine zielgerichtete Behandlung

Die Studie zeigt, dass bei Frauen oft völlig andere Ursachen für einen Herzinfarkt vorliegen als die typische Arterienverkalkung, die bei Männern die häufigste Ursache ist. „Zu verstehen, warum ein Herzinfarkt passiert ist, ist genauso wichtig wie ihn zu behandeln“, betont Dr. Raphael. „Es kann den Unterschied zwischen Genesung und Rückfall ausmachen.“ Die gewonnenen Erkenntnisse könnten künftig die Diagnostik und Behandlung von Herzinfarkten bei jüngeren Erwachsenen, insbesondere bei Frauen, erheblich verbessern.