Deutschland schwitzt – und das immer häufiger. Die Zahl der sogenannten heißen Tage, also Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius, hat sich laut Deutschem Wetterdienst (DWD) seit den 1950er-Jahren verdreifacht: von drei auf heute durchschnittlich neun pro Jahr. „Klimamodelle zeigen: Sommer, die früher als extrem galten, werden künftig zur Normalität“, erklärt Meteorologe und Klimaforscher Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Die Wetterlagen würden beständiger werden, Extreme wie Dürren oder Dauerregen zunehmen.

Mit dramatischen Folgen: Allein in den Jahren 2023 und 2024 gab es laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jeweils etwa 3.000 Todesfälle in Deutschland, die auf Hitze zurückzuführen sind. Besonders gefährdet: ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen, Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere. Was hat das, was wir beim Gang vor die Haustür erleben, bereits mit dem Klimawandel zu tun? Und könnte das in Zukunft noch schlimmer werden?

Hitze im Sommer: Nicht nur höhere Temperaturen sind schuld

„Die Veränderungen, die wir im Klimasystem beobachten, sind vor allem auf den menschengemachten Treibhauseffekt und damit den globalen Temperaturanstieg zurückzuführen“, sagt Andreas Walter, Klimatologe beim DWD: Zwar gebe es auch natürliche Schwankungen, aber in den letzten Jahren sehe man einen beschleunigten Anstieg der Temperaturen – in Deutschland und weltweit.

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Doch bringt der Klimawandel nicht nur mehr Hitze. Entscheidend ist auch, wie sich das Wetter über Wochen hinweg verhält. „Typische Westwetterlagen vom Atlantik treten seltener auf“, so Klimaforscher Hoffmann. Diese bringen normalerweise feuchte, milde Luft vom Atlantik nach Deutschland – sie sorgen für wechselhaftes Wetter mit Regen und gemäßigte Temperaturen. Der Klimawandel verändert aber die Luftströmungen. Da sich die Arktis schneller erwärmt als andere Regionen, wird der Jetstream – ein Starkwindband, das unser Wetter lenkt – schwächer. Die Folge: „Blockierende Wetterlagen werden wetterbestimmender. Während es in einigen Gebieten über Wochen kaum regnet, ist anderswo zu nass für die Jahreszeit“, so Hoffmann.

Klimawandel: Wetterextreme nehmen zu

Dem Klimaforscher zufolge können die Sommer deswegen inzwischen sehr unterschiedlich ausfallen: „Mal erleben wir extreme Hitze, mal sind beispielsweise Juni und Juli eher durchwachsen, bevor im August eine langanhaltende Hitzewelle einsetzt.“ Im Durchschnitt werde der Sommer trotzdem heißer, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühle.

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Deutschland muss sich also in den kommenden Jahren auf mehr Hitzewellen einstellen. „Die Zahl und Intensität solcher Ereignisse wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen“, warnt Walter vom DWD. „Mittlerweile messen wir in Deutschland auch Temperaturen, von denen wir Anfang des Jahrhunderts kaum gedacht haben, dass sie eintreten könnten.“ Auch Hoffmann vom PIK macht deutlich: „Schon jetzt lassen sich klimatische Verschiebungen nach Süden beobachten. So könnte sich Berlin in den nächsten Jahrzehnten klimatisch wie Südfrankreich anfühlen, wenn sich die beobachteten Entwicklungen so fortsetzen.“

Heißere Sommer: Das sind die Folgen von Hitze

Mit den Folgen von Hitze setzt sich Klimaforscher Andreas Marx auseinander. Er ist Leiter des Deutschen Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Er sagt: „Für die tieferen Bodenschichten und das Grundwasser ist es besonders wichtig, dass es in den Wintermonaten und im Frühjahr genug Niederschlag gibt, damit sich die Böden mit Wasser auffüllen können.“ Wenn aber die Hitzeperioden früher kommen oder immer länger dauern, würden die Böden langfristig im Spätsommer zukünftig trockener.

Ein Traktor verschwindet bei der Aussaat von Winterraps in einer Staubwolke, Luftaufnahme.
Staubig, trocken: In Zukunft wird die Hitze im Sommer zunehmen. Ein Starkregen hilft da wenig.© picture alliance / Countrypixel | FRP

Die Auswirkungen sind bereits jetzt sichtbar: Sinkende Flusspegel, Niedrigwasserstände am Bodensee und eine erhöhte Waldbrandgefahr bereits früher im Jahr sind nur einige Beispiele. Wenn es dann mal einen regenreichen Sommer gebe, reiche das nicht aus, um mehrjährige Trockenheit zu beheben, so Marx: „Böden können große Mengen Wasser speichern, aber wenn sie einmal ausgetrocknet sind, dauert es normalerweise einige Monate, bis sich die Speicher wieder auffüllen.“ Beim Grundwasser könne das sogar mehrere Jahre dauern.

Dürre: „Böden werden durch den Klimawandel öfter austrocknen“

Zudem sind die Niederschläge oft ungleich verteilt. Wenn es regnet, dann zum Teil heftig – in Form von Starkregen, der auf trockene, harte Böden trifft. „Häufig kann das Wasser bei Starkregen gar nicht vollständig vom Boden aufgenommen werden und fließt oberflächlich ab“, sagt Marx. „In den tieferen Bodenschichten kann dann immer noch eine Dürre herrschen.“

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Zumindest aktuell kann Marx Entwarnung geben: Die Grundwasserspiegel in Deutschland haben sich nach einer langen Dürreperiode von 2018 bis 2024 wieder normalisiert. Allerdings würden mehrere heiße Sommer hintereinander das Grundwasser generell vor Herausforderungen stellen. „Auch wenn nicht jedes Jahr eine Dürre bringt, werden die Böden durch den Klimawandel öfter austrocknen“, warnt der Experte.

Hitze in der Stadt: Das fordert der Experte

Darum fordert Marx: „Wir müssen lernen, Regenwasser besser zu nutzen, statt es einfach in die Kanalisation abzuleiten.“ Denn: Wenn Wasser vor Ort versickern kann, profitierten Bäume und Grünflächen. Das habe besonders in der Stadt einen positiven Effekt: Die Pflanzen wirken wie natürliche Klimaanlagen. „Sie spenden Schatten und kühlen die Umgebung durch Verdunstung. Städte mit viel Beton und Asphalt heizen sich dagegen tagsüber stark auf und geben die Wärme nachts ab“, sagt Marx. So entstünden auch bei uns Tropennächte, die nicht unter zwanzig Grad abkühlen.

Fest steht: Deutschland steht in Zukunft vor einer doppelten Herausforderung. Mehr Hitze, mehr Trockenheit und gleichzeitig mehr Niederschlag. Und das alles schneller als erwartet, wie Hoffmann vom PIK sagt: „Die Realität holt uns gewissermaßen ein: Die Entwicklungen gehen schneller voran, als viele Klimaforscher erwartet haben.“