Sie gilt als eine der diskretesten und unkompliziertesten Methoden der Verhütung: die Mini-Pille. Besonders in Europa greifen viele Frauen auf sie zurück – sie ist verlässlich, niedrig dosiert und oft rezeptfrei erhältlich. Doch eine groß angelegte Studie aus Frankreich sorgt nun für Aufmerksamkeit. Im Zentrum steht die Frage, ob die regelmäßige Einnahme bestimmter Mini-Pillen das Risiko für gutartige Hirntumore, sogenannte Meningeome, erhöhen könnte.

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Die im renommierten medizinischen Fachjournal „The BMJ“ veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Hinweise, die für Langzeitanwenderinnen von Bedeutung sein könnten. Sie machen auch deutlich, wie unterschiedlich das Risikoprofil hormoneller Wirkstoffe tatsächlich ausfallen kann.
Hormonelle Verhütung und Hirntumore: Neue Studie untersucht Risiko bei Mini-Pille
Meningeome zählen zu jenen stillen Wachstumsformen unter den Hirntumoren. Meist gutartig, wachsen sie langsam aus den das Gehirn umschließenden Häuten. Doch ihre Gutartigkeit ist trügerisch, denn je nach Lage können sie lebenswichtige Funktionen bedrohen und machen dann nicht selten eine Operation erforderlich.
Dass bestimmte Hormonpräparate das Entstehen solcher Tumore begünstigen, ist bekannt. Frühere Studien hatten bei hochdosierten Wirkstoffen wie Cyproteronacetat oder Nomegestrol deutliche Zusammenhänge gezeigt – Medikamente, die etwa bei Akne oder in den Wechseljahren eingesetzt werden. Unklar blieb jedoch, ob auch jene Hormone betroffen sind, die tagtäglich millionenfach zur Verhütung eingenommen werden.
Dieser Lücke widmete sich nun das Forschungsteam der französischen Arzneimittelbehörde ANSM (Agence nationale de sécurité du médicament). Es griff auf ein nahezu flächendeckendes Gesundheitsregister zurück und wertete die Daten von über 91.000 Versicherten aus. Darunter befanden sich 8.391 Patientinnen, bei denen zwischen 2020 und 2023 ein Meningeom operativ entfernt worden war. Eine Kontrollgruppe von mehr als 83.000 Frauen ohne entsprechenden Eingriff diente zum Vergleich und wurde nach Alter und Wohnort angepasst.
Im Fokus standen drei in Europa häufig verschriebene Präparate: eine Minipille mit Desogestrel, eine niedrig dosierte Pille mit Levonorgestrel sowie eine Kombinationspille aus Levonorgestrel und Östrogen. Ziel war es, zu klären, ob und in welchem Maß die Einnahme dieser Präparate mit dem Auftreten von Meningeomen in Verbindung steht.
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Desogestrel und Hirntumoren: Langzeiteinnahme verdoppelt das Meningeom-Risiko
Die zentrale Erkenntnis: Bei Frauen, die Desogestrel über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren kontinuierlich einnahmen, war das Risiko, an einem Meningeom operiert zu werden, deutlich erhöht – teils doppelt so hoch wie bei Frauen, die das Medikament nicht einnahmen. Bei einer kürzeren Einnahmedauer zeigte sich hingegen kein erhöhtes Risiko. Auffällig war zudem, dass besonders Tumore an der Schädelbasis – einer für hormoninduzierte Meningeome typischen Stelle – gehäuft auftraten.
Die Forscher stellten außerdem fest, dass sich das Risiko normalisierte, wenn die Einnahme von Desogestrel mehr als ein Jahr vor der Diagnose beendet worden war. Dies legt nahe, dass hormonbedingte Meningeome nicht nur entstehen, sondern sich auch zurückbilden können, wie es bei anderen Gestagenen bereits beobachtet wurde. Unter Umständen würde dies sogar eine Operation überflüssig machen.
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Sicherere Hormonpille? Levonorgestrel zeigt kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren
Ganz anders das Bild bei Levonorgestrel, einem in Europa weit verbreiteten Wirkstoff: Weder als Einzelpräparat noch in Kombination mit Östrogen ließ sich ein erhöhtes Risiko feststellen, selbst bei längerer Einnahme.
Die Studienautoren folgern daraus, dass Levonorgestrel-basierte Präparate für bestimmte Nutzergruppen – etwa Frauen über 45 oder Frauen mit hormoneller Vorgeschichte – eine sicherere Option darstellen könnten, vorausgesetzt, die medizinische Einschätzung spricht nicht dagegen.
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Mini-Pille bleibt meist unbedenklich
So deutlich der Anstieg des relativen Risikos auch sein mag, die absolute Zahl der betroffenen Frauen bleibt niedrig. Laut den Berechnungen des Forschungsteams müsste man mehr als 17.000 Frauen über einen Zeitraum von fünf Jahren kontinuierlich mit Desogestrel behandeln, um einen zusätzlichen Tumorfall zu verursachen. Bei noch kürzerer Einnahmedauer liegt diese Schwelle sogar bei über 67.000 Frauen.
Für die Mehrheit der Nutzerinnen besteht daher kein unmittelbarer Anlass zur Sorge, wie die Forscher betonen. Dennoch empfehlen sie, die Verordnung der Mini-Pille künftig stärker auf die individuelle Risikolage und Einnahmedauer abzustimmen. Frauen, die Desogestrel bereits über mehrere Jahre hinweg einnehmen, über 45 Jahre alt sind oder weitere Risikofaktoren mitbringen, sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, ob eine Fortsetzung der Medikation sinnvoll ist oder ob eine Alternative infrage kommt.
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Depo-Provera unter Druck: Sammelklage in den USA wegen erhöhtem Hirntumorrisiko
Während sich die aktuelle Studie auf Desogestrel konzentriert, steht ein anderes hormonelles Präparat derzeit im juristischen Rampenlicht: die Depo-Provera-Spritze mit dem Wirkstoff Medroxyprogesteronacetat. Auch hier zeigt eine frühere Studie des BMJ ein erhöhtes Meningeomrisiko – sogar um das Fünffache. In den USA läuft eine Sammelklage gegen den Hersteller Pfizer, da der entsprechende Warnhinweis auf dem US-Beipackzettel fehlte. In Europa hingegen ist der Risikohinweis längst Standard.
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Die neue Studie fällt kein Urteil über die hormonelle Verhütung, zeichnet aber ein differenziertes Bild. Nicht jede Pille ist gleich und nicht jede Langzeiteinnahme ist harmlos. Für viele Frauen dürften die Ergebnisse kaum praktische Konsequenzen haben. Für einige könnten sie jedoch Anlass sein, die eigene Verhütung gemeinsam mit dem Arzt neu zu justieren – unter Berücksichtigung von Dauer, Alter und individuellen Risikofaktoren.














