- Haarausfall kann viele Ursachen haben und sowohl Männer als auch Frauen betreffen
- Mediziner unterscheiden vier Hauptformen von Haarausfall
- Wann gesetzliche Krankenkassen die Therapie übernehmen und wann nicht
Haare sind ein bedeutender Teil unseres Erscheinungsbildes. Sie prägen unseren Stil, unsere Persönlichkeit und Selbstbild. Doch nicht jeder ist mit einer Löwenmähne gesegnet und im Laufe des Lebens kann sich das Haar und seine Struktur sich deutlich verändern. Haarausfall kann leider jeden treffen, das weiß auch Dr. Uwe Schwichtenberg. Er ist Dermatologe und Haarexperte sowie Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V.

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„Es ist völlig normal, dass auch gesunde Menschen Haare verlieren“, sagt Schwichtenberg. Der tägliche Haarverlust ist ein Zeichen dafür, dass das Haar seinen Wachstumszyklus durchläuft und an dessen Ende ausfällt. Anschließend beginnt der Zyklus von Neuem und das Haar wächst wieder nach. Als Faustregel gilt, dass jeder Mensch bis zu 100 Haaren täglich verliert, wenn deutlich mehr ausfallen und das über einen längeren Zeitraum, spricht die Medizin von Haarausfall. „Man muss aber nicht jedes einzelne Haar nachzählen, das ausfällt. Es wäre ja auch gar nicht möglich“, betont der Dermatologe.
Viel wichtiger sei es, das Gesamtbild zu betrachten. „Meistens merkt man ja relativ schnell, wenn plötzlich deutlich mehr Haare in der Bürste, im Abflusssieb der Dusche oder auf dem Kopfkissen bleiben“, sagt Schwichtenberg, der in seiner Praxis regelmäßig Menschen mit Haarausfall behandelt. Hält der Haarausfall länger an, sollte man ihn ärztlich abklären lassen. „Auch wenn der Haarausfall einen psychisch belastet, lohnt es sich, einen Arzt aufzusuchen“, so der Dermatolge.
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Haarausfall ist bei vielen Betroffenen oft genetisch bedingt
Warum es letztendlich zum Haarausfall kommt, kann verschiedene Gründe haben. „Oft ist Haarausfall genetisch bedingt. Es können aber auch Hormonumstellungen, Infektionen oder Krankheiten dahinterstecken, etwa der Schilddrüse oder Autoimmunerkrankungen. Auch ein Nährstoffmangel kann Haarausfall verursachen“, erläutert der Haarexperte.
Die Medizin unterscheidet heutzutage verschiedenen Arten von Haarausfall. Dazu zählen vor allem diese vier Hauptformen:
- Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
- Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
- Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie)
- Vernarbender Haarausfall
„Die häufigste Form ist der anlagebedingte Haarausfall und wird durch eine genetische Veranlagung und eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Sexualhormonen verursacht“, erklärt Schwichtenberg. Er betrifft sowohl Männer als auch Frauen und führt in der Regel zu einem fortschreitenden Haarverlust, der sich durch eine allgemeine Haarverdünnung zeigt.
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„Beim kreisrunden Haarausfall handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel an, was zu einem kreisrunden Haarausfall führt“, erläutert der Dermatologe. Warum die Krankheit genau entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. „Auslöser können verschiedene Ereignisse sein, die das Immunsystem irritieren. Auch Erbfaktoren können, aber müssen nicht eine Rolle spielen“, erklärt der Hautarzt. Genaue Mechanismen und Triggerfaktoren seien noch Gegenstand der Forschung. Fest steht jedoch, dass Alopecia areta jeden treffen kann, „auch Kinder“, sagt Uwe Schwichtenberg.
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Der diffuse Haarausfall ist weit verbreitet und „zeichnet sich durch einen vermehrten Haarumsatz aus. Da lange Haare durch kurze Haare ersetzt werden, kommt es zu einer allgemeinen Ausdünnung der Haare auf dem gesamten Kopf, ohne dass jedoch wirklich sichtbare kahle Stellen entstehen“, erklärt der Experte. Ursachen können hormonelle Veränderungen, Stress oder Mangelernährung sein.
Der vernarbende Haarausfall ist durch Narbenbildung auf der Kopfhaut gekennzeichnet. „Die Haarfollikel werden zerstört und durch Narben ersetzt, was zu dauerhaftem Haarausfall führt“, erläutert Schwichtenberg. Ursachen können Infektionen, Entzündungen oder Verletzungen sein.

Therapiemöglichkeiten beim Haarausfall: „Es gibt einen großen Haken“
So unterschiedlich der Haarausfall sein kann, so vielschichtig sind auch die Therapiemöglichkeiten. „In vielen Fällen gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, um den Haarausfall zu verlangsamen, zu stoppen oder sogar das Haarwachstum wieder anzuregen“, beruhigt der Dermatologe. Selbst der kreisrunde Haarausfall, Alopezia areata, gilt mittlerweile als gut behandelbar.
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„Es gibt jedoch einen großen Haken bei der Sache: Eine gesetzliche Krankenkasse wird leider kaum die Kosten dafür übernehmen“, sagt Schwichtenberg. Denn Medikamente gegen Haarausfall, die beim kreisrundem oder erblich bedingtem Ausfall empfohlen werden, sind als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel eingestuft. „Wer sie will, muss meist selbst zahlen. Und das können sich die meisten nicht leisten“, erläutert der Dermatologe. Eine Monatspackung des Medikaments mit dem Wirkstoff Baricitinib, der bei Alocepia areata eingesetzt wird, würde bereits mehr 1000 Euro kosten. „In vielen Fällen müssen die Betroffenen aber lebenslang damit therapiert werden“, so Schwichtenberg.
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Dass die Verantwortlichen, die dieses Gesetz entworfen haben, nicht unterschieden zwischen krankhaftem Haarausfall und anderen, kosmetischen Ansätzen für Haarwachstum, hält Schwichtenberg für einen Fehler: „Die Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung und kein kosmetisches Problem. Und diese Erkrankung belastet sehr viele Menschen vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter.“ Eine Petition mit Unterstützung des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen fordert deshalb, dass die zugelassenen Medikamente von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.












