- In Deutschland ist Stalking weit verbreitet, auch wenn es kaum verlässliche Zahlen gibt
- Die Betroffenen sind oft ratlos, wie sie mit der Situation umgehen sollen
- Ein Ex-Polizist verrät, wie man sich in solche Situationen selbst helfen kann
Das ständige Gefühl, beobachtet zu werden, ein Name, der immer wieder auf dem Display erscheint, die Angst, nicht entkommen zu können – Stalking dringt tief in das Leben der Betroffenen ein. Unaufhörliche Anrufe oder Auflauern sind manchmal nur der Anfang. Oft eskaliert es weiter: Drohungen, Sachbeschädigungen, sogar Gewalt. Die Folgen für Opfer können gravierend sein.

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Aber warum stalken Menschen? Andreas Wilming-Weber, Gewaltschutzberater beim Weißen Ring und ehemaliger Polizist, gibt Einblicke in die Motive der Täter und erklärt, was Betroffene machen können, um sich zu schützen.
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Experten: Dadurch wird Stalking meist getriggert
„Stalker sind Personen, die einen anderen Menschen wiederholt verfolgen, belästigen und terrorisieren, sodass ihr Leben eingeschränkt wird“, sagt Wilming-Weber. „Täter und Opfer kennen sich in den meisten Fällen.“ Stalking gehe häufig auf eine gescheiterte Beziehung oder eine persönliche Kränkung zurück. Es beschränke sich aber nicht auf das häusliche Umfeld – auch Arbeitskollegen oder Bekannte können Täter sein.
Der Gewaltschutzberater weiß aus seiner Erfahrung: „Stalker versuchen oft, Macht und Kontrolle zurückzugewinnen oder zu bekommen. Manche hoffen vielleicht, die Beziehung so noch zu retten. Oder sie wollen Dominanz zeigen.“ Eine Zurückweisung könne dann schnell in Wut und Rache umschlagen. Wichtig sei, das, so früh es geht, zu unterbinden.
So wehren sich Betroffene gegen Stalking
• Teilen Sie dem Stalker unmissverständlich mit, dass Sie keinen Kontakt mit ihm möchten.
• Bleiben Sie konsequent und ignorieren Sie den Stalker. Lassen Sie sich auf keine Telefonate, Gespräche oder Treffen ein.
• Dokumentieren Sie alles, was der Stalker schickt, mitteilt oder unternimmt, damit Sie, falls erforderlich, Fakten und Beweismittel haben.
• Informieren Sie Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Denn eine geschaffene Öffentlichkeit schreckt die Täter meist ab.
• Holen Sie sich psychologische, juristische Hilfe oder Unterstützung von Hilfsorganisationen.
• Gehen Sie nach einem Vorfall unbedingt zur Polizei und lassen Sie ein Protokoll aufnehmen. Dort können Sie sich auch über Schutzvorkehrungen informieren.
Oft beginne das Ganze schleichend und intensiviere sich mit der Zeit. „Stalker nehmen immer mehr Raum im Leben ihrer Opfer ein, was die Betroffenen zunehmend belastet und ihnen das Gefühl gibt, die Kontrolle zu verlieren.“
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Stalking: Experte rät zu wichtigem Schritt
Studien zeigen: Rund 80 Prozent der Täter sind männlich. 2023 wurden laut Bundeskriminalamt etwa 23.200 Fälle polizeilich erfasst – die Dunkelziffer liegt Schätzungen zufolge jedoch viel höher und wird in Deutschland auf 600.000 bis 800.000 Betroffene geschätzt. Wilming-Weber vermutet, dass viele aus Ohnmacht keine Anzeige erstatten. Oder auch aus Angst, dass es danach noch schlimmer wird. Er rät klar dazu, jede Tat zu dokumentieren und sich Hilfe zu suchen, wenn die eigene Grenze überschritten ist.
Seine Erfahrung zeigt: Täter weichen oft zurück, sobald die Polizei eingeschaltet wird und strafrechtliche Konsequenzen drohen. Seit 2007 ist Stalking als „Nachstellung“ strafbar – dazu zählen das gezielte Aufsuchen räumlicher Nähe, unerwünschte Kontaktaufnahmen, der Missbrauch persönlicher Daten, Bedrohungen oder die Veröffentlichung privater Fotos. Auch Cyberstalking, also das Belästigen einer Person über digitale Kommunikationsmittel und -kanäle, wird zunehmend ein Problem. Oft handele es sich aber nicht um eine klar abzugrenzende Einzeltat.

Psychische Belastung enorm: So können Opfer gegen Stalking vorgehen
Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht Opfern, eine Schutzanordnung zu beantragen – etwa ein Kontakt- oder Annäherungsverbot. Die Strafen für Stalking reichen von Geldbußen bis zu drei Jahren Haft, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren. Weil Stalker oft über längere Zeit agieren, können weitere Delikte wie Sachbeschädigung, üble Nachrede, Verleumdung oder Körperverletzung hinzukommen.
Hier finden Betroffene Hilfe
Das Opfer-Telefon des Weißen Rings ist unter der Nummer 116 006 jederzeit erreichbar. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ steht rund um die Uhr unter 116 016 zur Verfügung.
Außerdem gibt es die NO STALK App: Mit der App können Betroffene die Handlungen des Täters beweiskräftig sichern und dokumentieren. Die so gesammelten Beweismittel werden wie in einem Tagebuch gesammelt - auf einem geschützten Server in Deutschland.
Wilming-Weber sagt deutlich: „Keiner muss das ertragen.“ Denn die Folgen können gravierend sein – von Angststörungen über posttraumatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen, bis hin zu Suizidgedanken. „Stalking kann aber auch physische Folgen haben und zum Beispiel Bauchschmerzen oder Herz-Kreislauf-Störungen auslösen“, sagt der ehemalige Polizist. In jedem Fall rät er: „Sobald die Privatsphäre und das Leben massiv eingeschränkt werden, sollte man das nicht alleine durchstehen müssen.“






