Der ADC erwägt seinen jährlichen Kongress und die Verleihung des Kreativpreises für Deutschlands beste Werbeagenturen in einer anderen Stadt abzuhalten.

Bislang war der ADC Gipfel ein Fixpunkt im Berliner Terminkalender der Kreativbranche. Seit 1994 kommen die Werber, Marketing- und Kommunikationsfachleute in der Hauptstadt zusammen. Im Frühjahr 2009 waren es rund 7000. Doch derlei Events sind teuer. Für die Teilnahme am Wettbewerb um die begehrten Nägel müssen die Agenturen zahlen. In Zeiten der Wirtschaftskrise sind sie dazu nicht mehr so oft bereit. Kassaei wollte deshalb, wie zu hören ist, die Kosten für derartige Veranstaltungen drücken. Auch deswegen entschied sich der ADC im Juni, seinen Kongress auszuschreiben. Mehr als zwei Dutzend Städte haben Interesse signalisiert. Sie wollen Deutschlands wichtigstes Branchentreffen der Kreativen aus der Hauptstadt weglocken.

Für Berlins Kreativbranche, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt mit einem Jahresumsatz von 21 Mrd. Euro, wäre das ein weiterer Rückschlag. Im Juni hatte bereits die Musikmesse Popkomm wegen mangelnden Interesse der Plattenfirmen für dieses Jahr abgesagt. Ob es die Popkomm wieder geben wird, ist äußerst unsicher. Und um den Kongress des ADC ist jetzt ein harter Wettstreit zwischen den Städten entbrannt. Insbesondere Hamburg kämpft darum, der Hauptstadt das Event abspenstig zu machen.

"Der ADC Gipfel würde ideal zu Hamburg als Kreativ- und Werbestandort", sagt Ilka von Bodungen, Sprecherin von Senatorin Karin von Welck. Deren Behörde für Kultur und Medien kümmert sich in der Hansestadt um die Belange der Kreativwirtschaft. "Es wäre klug vom ADC, das bei uns zu machen", sagt von Bodungen. Zwischen Berlin und Hamburg gibt es seit Jahren eine Rivalität. Die Hauptstadt konnte den Musikkonzern Universal und die Nachrichtenagentur dpa an die Spree locken. Hamburg hätte es fast geschafft, die Zentrale der Deutschen Bahn an die Elbe zu holen. Nun hat Hamburg sich sofort beworben, nachdem der ADC im Juni seinen Gipfel ausschrieb. Und die Hansestadt will sich das etwas kosten lassen.

"Im Endeffekt geht es um Geld", sagt Matthias Rieger, Chef der Hamburg Convention Bureau (HCB). HCB kümmert sich ähnlich wie die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner um Standortmarketing. Rieger sagt, dass über das Gesamtpaket für den ADC Kongress noch beraten werde. Vorstellbar sei aber, dass Hamburg für den ADC gewisse Kosten zahlen oder komplett auf Mietforderungen verzichten würde. Sprich: Der ADC könnte seinen Kongress wesentlich günstiger ausrichten. Im Gegenzug könnte sich Hamburg an der Strahlkraft des wichtigsten deutschen Werbepreises erfreuen.

Doch Berlin hat noch nicht aufgegeben. "Wir haben den ADC auch bislang unterstützt", sagt Christoph Lang von Berlin Partner. Er ist optimistisch, den Kongress des ADC hier halten zu können. "Die Leute kommen einfach gern hierher." Die Senatsverwaltung für Wirtschaft ist im Gespräch mit dem ADC. "Wir loten aus, welche Art der Unterstützung wir geben können", sagt ein Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Die Entscheidung für Berlin oder eine andere Stadt will der ADC im Herbst treffen.