Werbegipfel zieht nach Hessen

Berlin verliert den Art Directors Club

Berlin hat einen weiteren wichtigen Kongress verloren: Der Art Directors Club veranstaltet seinen nächsten Werbegipfel nicht in Berlin, sondern in Frankfurt am Main. Damit hat die Hauptstadt den Kampf um den Kongress, der seit 1994 hier stattfand, verloren. Nach dem Verlust der Popkomm ist das eine weitere herbe Niederlage.

Der Werbegipfel des Art Directors Clubs (ADC) zieht von Berlin nach Frankfurt. Die Stadt habe sich unter den Bewerbungen durchgesetzt und werde für mindestens drei Jahre Standort des Treffens der Kreativ- und Kommunikationsbranche sein, teilte der ADC mit. Erster Termin in Frankfurt ist der 12. bis 16. Mai 2010. Das Festival wird sich an mehreren Orten präsentieren. Geplant sind eine Ausstellung, ein Kongress sowie eine Preisverleihung.

Überzeugt habe die Stadt Frankfurt mit ihrer hervorragenden Infrastruktur, vielen interessanten Locations und dem großen Engagement von Politik und Wirtschaft fu?r die Kreativwirtschaft. „Die Kreativszene in Frankfurt ist breiter und bunter als an vielen anderen Standorten“, sagten Claus Fischer und Stephan Vogel, ADC-Vorstände aus der Sektion Frankfurt. „Gerade in den innovativen Bereichen Cyber, Digital und Kommunikation im Raum haben wir hier einige der kreativsten Agenturen am Start. Und im Schatten der Bankentürme blüht mehr Kultur und Subkultur als viele denken.“

Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Personal und Sport der Stadt Frankfurt erklärte: „Über die Entscheidung des ADC freuen wir uns sehr! Der Kreativgipfel des ADC wird das innovative und dynamische Image des Wirtschaftstandortes Frankfurt am Main und den Ruf als Hauptstadt der Werbung stärken.“

Das Festival soll an verschiedenen Orten der Stadt stattfinden. Neben traditionellen Veranstaltungsorten wie der Messe Frankfurt und dem Congress Center, wollen die Kreativen sich außerdem an außergewöhnlichen Orten von Kunst, Kultur und Szene treffen. Neben der ADC Ausstellung, dem Kongress, der Preisverleihung

und Party finden 2010 auch die Junior Days im Rahmen des großen ADC Festivals statt. Im Angebot fu?r den Kreativnachwuchs werden auch Ausbildungsstätten wie Universitäten und Hochschulen sowie Agenturen der Region Frankfurt konzeptionell mit einbezogen.

Vorstandssprecher will zurücktreten

Anfang August hatte der bisherige ADC-Vorstandssprecher Amir Kassaei seinen Rücktritt verkündet, zum Jahresende soll auf der Hauptversammlung ein Nachfolger gewählt werden. Der Rückzug von Kassaei, im Hauptberuf Kreativchef der Berliner DDB Group, offenbart tiefe Konflikte beim ADC, die auch Wirtschaftsstandort Berlin betreffen. Der Wechsel des Standortes kommt daher nicht ganz überraschend.

Bislang war der ADC Gipfel ein Fixpunkt im Berliner Terminkalender der Kreativbranche. Seit 1994 kommen die Werber, Marketing- und Kommunikationsfachleute in der Hauptstadt zusammen. Im Frühjahr 2009 waren es rund 7000. Doch derlei Events sind teuer. Für die Teilnahme am Wettbewerb um die begehrten Nägel müssen die Agenturen zahlen. In Zeiten der Wirtschaftskrise sind sie dazu nicht mehr so oft bereit. Kassaei wollte deshalb, wie zu hören ist, die Kosten für derartige Veranstaltungen drücken. Auch deswegen entschied sich der ADC im Juni, seinen Kongress auszuschreiben. Mehr als zwei Dutzend Städte hatten Interesse signalisiert. Sie wollten Deutschlands wichtigstes Branchentreffen der Kreativen aus der Hauptstadt weglocken.

Für Berlins Kreativbranche, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt mit einem Jahresumsatz von 21 Milliarden Euro, bedeutet die Entscheidung einen weiteren Rückschlag. Im Juni hatte bereits die Musikmesse Popkomm wegen mangelnden Interesses der Plattenfirmen für dieses Jahr abgesagt. Ob es die Popkomm wieder geben wird, ist unsicher.

Um den ADC-Kongress hatte vor allem Hamburg gekämpft, der Hauptstadt das Event abspenstig zu machen. "Im Endeffekt geht es um Geld", hatte Matthias Rieger, Chef der Hamburg Convention Bureau (HCB), im Sommer gesagt. HCB kümmert sich ähnlich wie die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner um Standortmarketing. Rieger sagt, dass über das Gesamtpaket für den ADC Kongress noch beraten werde. Vorstellbar sei aber, dass Hamburg für den ADC gewisse Kosten zahlen oder komplett auf Mietforderungen verzichten würde. Sprich: Der ADC könnte seinen Kongress wesentlich günstiger ausrichten. Im Gegenzug könnte sich Hamburg an der Strahlkraft des wichtigsten deutschen Werbepreises erfreuen. Offensichtlich war jedoch auch das Angebot aus Hamburg nicht gut genug.

Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft war im Gespräch mit dem ADC. Als Fehleinschätzung hat sich jedoch die Haltung von Berlin Partner erwiesen. So zeigte sich Christoph Lang optimistisch, den Kongress in Berlin halten zu können: „Die Leute kommen einfach gern hierher.“ Doch Berlin allein reicht als Grund für eine Entscheidung zugunsten der Hauptstadt offenbar.

Der Art Directors Club hat rund 560 Mitglieder aus der Werbe-, Medien und Kreativbranche. Er wurde 1964 nach amerikanischem Vorbild in Düsseldorf gegründet und hat seinen Sitz in Berlin, wo der ADC- „Gipfel der Kreativität“ seit 1994 ausgerichtet wurde.

www.adc.de