Der Entwurf der Senatsverwaltung für Wirtschaft sieht vor, dass die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft künftig den Bezirken je einen Unternehmensberater zur Seite stellt. Zudem soll die Vernetzung der Akteure verbessert und eine gemeinsame Datenbank aufgebaut werden. "Dass endlich Ordnung in die Bestandspflege kommt, ist absolut notwendig", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder.

Hintergrund für die geplanten Änderungen ist das schlechte Abschneiden der Stadt in mehreren Umfragen und Analysen. Bereits Anfang des Jahres kritisierten Ökonomen der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW), dass die Hauptstadt im Vergleich zu anderen Städten in der Wirtschaftsförderung personell schlechter ausgestattet und zuständige Mitarbeiter in den Bezirken häufig nicht genügend qualifiziert seien.

Eine Studie im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft vom April zeigte zudem, dass nur die Hälfte der Berliner Unternehmen sich ausreichend gut betreut fühlt. Die Mehrheit der befragten Firmen gab außerdem an, nicht zu wissen, welche Organisation für welche Fragen zuständig ist. "Bisher arbeiten eine Vielzahl von Akteuren parallel, aber ohne gemeinsame Strategie", meint auch Jan Eder.

Die auf Basis der Studie geplanten Maßnahmen jedoch kritisiert die IHK als bislang nicht konkret genug. Eindeutig geklärt sein müssten zum Beispiel die Zuständigkeiten, so Eder. Die Verantwortung für das sogenannte Key-Account-Management müsse vollständig bei Berlin Partner liegen. So auch die Zuständigkeit für besonders wichtige Unternehmen. Die Betreuung kleinerer und mittelständischer Unternehmen solle dagegen weiterhin bei den Wirtschaftsförderern der Bezirke liegen. Handlungsbedarf sieht die Kammer auch in anderen Bereichen der Wirtschaftsförderung. Während das Land Brandenburg über seine Zukunftsagentur (ZAB) Beratungen zu Unternehmensansiedlungen, Innovation und Technologietransfer aus einem Guss biete, gebe es in Berlin kein geschlossenes und stimmiges Angebot. Berlin Partner und die TSB Innovationsagentur GmbH würden nebeneinander parallel agieren und müssten deshalb zusammengeführt werden. Von einer einzigen Einrichtung für die gesamte Hauptstadtregion aber würde der Standort wohl am meisten profitieren, lautet die Empfehlung der Kammer.

IHK-Präsident Eric Schweitzer kritisiert dabei den derzeit fehlenden politischen Willen in beiden Ländern für eine Vereinigung. "Ohne Fusion verschärft sich der Wettbewerb zwischen Berlin und Brandenburg." Das Nachbarland werbe mit den Vorteilen Berlins, ohne die Nachteile tragen zu müssen, zähle zudem zu den günstigsten Standorten bundesweit. Außer in Potsdam läge der Gewerbesteuersatz im Speckgürtel überall deutlich niedriger als in Berlin. In Zossen und Waltersdorf bei nur 200 Prozent, in der Hauptstadt bei 410 Prozent. Deshalb fordere er den Senat auf, den Hebesatz auf unter 400 Prozent zu senken.