Berlin - Die Finanzierung des auf knapp zwei Milliarden Euro veranschlagten Großflughafens Berlin-Brandenburg International steht. Nach den gescheiterten Privatisierungsverhandlungen einigte sich der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH am Freitag auf ein Finanzierungskonzept in staatlicher Regie. Das teilte der Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, nach der Sitzung mit. Kritiker nannten die Planung unseriös.

Laut Wowereit übernehmen die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund zusammen 430 Millionen Euro, die ab 2005 bis zur geplanten Eröffnung 2010 fällig werden. Die Aufteilung erfolgt entsprechend den Gesellschafteranteilen: Je 159 Millionen Euro entfallen auf Berlin und Brandenburg, die dafür noch die Zustimmung ihrer Parlamente brauchen, 112 Millionen Euro zahlt der Bund, der die Summe im Haushaltsplan bereits abgesichert hat. Rund 1,5 Milliarden Euro sollen aus Eigenmitteln der Flughafengesellschaft und über Bankkredite aufgebracht werden. Einzelheiten dazu wollte Wowereit wegen noch ausstehender Verhandlungen mit Banken nicht nennen.

Die Investitionssumme umfaßt den Ausbau des Flughafens selbst sowie die Straßen- und Schienenanbindung einschließlich des Bahnhofs. Andere Infrastrukturprojekte wie Parkhäuser und Hotels sollen privat finanziert werden.

Wowereit nannte das Finanzierungskonzept einen wichtigen Meilenstein und ein klares Signal für die zügige Verwirklichung des Projekts. Für die nächsten Jahre sei der Flughafen das wichtigste Infrastrukturprojekt nicht nur für Berlin und Brandenburg, sondern für ganz Ostdeutschland.

Die oppositionelle CDU-Fraktion bezeichnete das Finanzierungskonzept als kleinen Fortschritt, rügte aber, daß noch "viele ungedeckte Schecks" offenblieben. So werde nur der Eigenanteil des Bundes und der Länder beziffert, nicht aber der der Flughafengesellschaft. Die Ausbaugegner vom Verein BVBB kritisierten, die Kosten würden schöngerechnet. Das Papier sei eine Täuschung.