Köpenicker Misswirtschaft

Horst Bläsig

Nun hat der 1. FC Union den Salat. Der Abstieg aus der Zweiten Liga kommt die Köpenicker teuer zu stehen. Um in der Regionalliga überhaupt antreten zu können, müssen sie beim Deutschen Fußball-Bund bis zum 9. Juni eine Liquiditätsreserve in Höhe von 1,461 Millionen Euro hinterlegen. Geld, das Union nicht besitzt und nun mühsam erbetteln muss, um nicht am Saisonende in die Oberliga durchgereicht zu werden oder gar zum Insolvenzrichter gehen zu müssen. Man fühlt sich wie von einer Zeitmaschine zurückversetzt. Vor sieben Jahren stand Union vor dem Konkurs, bevor der Filmhändler Michael Kölmel den Verein mit einem Neun-Millionen-Euro-Darlehen rettete und in eine scheinbar rosige Zukunft führte. Der Zweitliga-Aufstieg 2001 nährte die Zuversicht, machte Union aber leichtsinnig. Die Eisernen haben sich maßlos übernommen, Schulden nicht abgebaut, sondern wieder angehäuft. Der Preis für die Misswirtschaft (mit Spieler-Spitzengehältern von 500 000 Euro im Jahr) könnte diesmal zu hoch sein. Die Zeche aber müssen sowieso wieder einmal die zahlen, die es am wenigsten verdient haben: die Fans. Es ist der blanke Hohn, dass sie am Sonntag für das Abschiedsspiel vom Profi-Fußball zwei Euro mehr berappen sollen. Doch ihnen allein ist zu gönnen, dass der Verein überlebt und mit ihm ein Stück Lebensqualität im Berliner Osten erhalten bleibt.