Aus Liebe zum Fußball

Es ist heiß auf der Sportanlage in Lankwitz. Gut 40 Zuschauer verteilen sich um den Kunstrasenplatz, einige schauen über den Zaun, um den Eintritt zu sparen. Hinter den Toren werben ein Optiker und eine Druckerei auf Plastikbannern. Ein Spiel wie es auf Berlins Fußball-Plätzen jedes Wochenende hunderte gibt.

Kurz vor Schluss der niveauarmen Partie verwertet der Spieler mit der Nummer neun eine Flanke zum 2:1 für den 1. FC Spandau bei Wacker 21 Lankwitz, der Drittletzte gewinnt beim Vorletzten in der sechstklassigen Landesliga, 1. Abteilung. "Das war Not gegen Elend", wird Oliver Holzbecher später trotz seines Siegtreffers sagen. An Tagen wie diesem hält sich die Freude am Fußball bei ihm in Grenzen, aber es überwiegen die anderen Tage: "Ich habe immer noch Spaß am Fußball und an der Bewegung." Seit nunmehr fast 25 Jahren, seit er beim SC Staaken begonnen hat. Zwei Tage später ist er wieder auf dem Trainingsgelände.

Rückblende. Vor rund zehn Jahren stehen an einem regnerischen Juni-Sonnabend elf junge Männer Arm in Arm auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions. Der dritte von rechts trägt die Nummer neun, Oliver Holzbecher. Sie lauschen mit 76 391 Zuschauern den Klängen der Nationalhymne. Dann pfeift Markus Merk das DFB-Pokalfinale zwischen Bayer Leverkusen und den Amateuren von Hertha BSC an, das Bayer mit 1:0 gewinnen wird.

Inzwischen ist der Oberlippenbart ab, "den hab ich kurz nach dem Finale abrasiert", sagt Holzbecher und die lockigen Haare sind etwas weniger geworden. Der Hertha-Bubi, der in der sensationellen Pokal-Saison 92/93 mit drei Treffern bester Torschütze war und in den sechs Partien nur einmal ausgewechselt wurde, ist 32 Jahre alt und arbeitet bei einer Fluggesellschaft in der EDV-Abteilung. Er setzt klare Prioritäten: "Der Beruf geht vor." Ehrgeiz ist zwar noch da, aber für den Trainingsaufwand, der nötig wäre, um in höheren Klassen zu spielen, fehlen Zeit und Lust.

Die Entscheidung, nur noch hobbymäßig gegen den Ball zu treten, fiel 1998 mit dem Wechsel von den Reinickendorfer Füchsen zu Schwarz-Weiß Spandau, von der Regional- in die Verbandsliga. "Sonntags um sieben losfahren, abends um acht wiederkommen und dann auch noch 0:3 verlieren, das wollte ich nicht mehr", sagt Holzbecher. Nachtrauern tut er möglichen Chancen nicht: "Vielleicht bin ich nicht zum Profifußballer geboren. Ich habe bei einem Fehler gedacht, jetzt machst du nicht noch einen - und dann wirst du erst recht nervös."

So blieb es für den Spandauer, der sich selbst als bodenständig bezeichnet und immer noch in Spandau wohnt, bei vier Spielen in der U 15-Nationalmannschaft und zehn Einsätzen bei Hertha in der Zweiten Liga. Auch heute fällt noch manchmal auf, dass da einer auf dem Platz steht, der mehr drauf hat als die meisten anderen in der Landesliga. Aber eben nur manchmal. "Man passt sich dem Niveau an", sagt Holzbecher. Ein wenig stört ihn das, aber andererseits sind für ihn Dinge wie die Stimmung innerhalb der Mannschaft auch sehr wichtig: "Die ist bei uns gut."

Die große Karriere, die mehrere Trainer ihm zugetraut hatten, machte er nicht. Aber eins kann ihm keiner mehr nehmen, die Erinnerung an den unglaublichen Siegeszug bis ins DFB-Pokalfinale. "Ich bin froh, dass ich die Zeit erlebt habe. Wer kann schon von sich sagen, im Pokalfinale gestanden zu haben, ohne in der Bundesliga gespielt zu haben." Er sagt das nüchtern, ohne Emotionen. Doch das ändert sich: "Gegen Nürnberg (2:1 im Viertelfinale, d. Red.) dachte ich nach dem 1:1, jetzt ist alles aus. Und dann machen wir den Anstoß und schießen in der 90. Minute das Tor. Da krieg ich immer noch eine Gänsehaut."

Die Pokalspiele mit den Amateuren waren die Höhepunkte seiner Karriere. Aber die dauerten nur ein knappes Jahr. Spaß am Fußball hat er auch heute noch. Fast immer.