Trainer Ziegert: "Wir hatten ein intelligente Mannschaft"

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Jochem Ziegert (49) führte die Hertha-"Bubis" ins Pokalfinale. Der ehemalige Zweitliga-Profi des KSV Baunatal, von Tennis Borussia und Hertha BSC kehrt zur neuen Saison zu Hertha zurück und trainiert den jüngeren B-Jugend-Jahrgang (1988) der Blau-Weißen. Hauptberuflich arbeitet Ziegert als Beamter bei der Oberfinanzdirektion. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost blickt er auf das Pokal-Wunder von 1993 zurück.

Berliner Morgenpost : Herr Ziegert, wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, dass Ihre junge Mannschaft solch eine sensationelle Entwicklung nehmen könnte?

Jochem Ziegert: Nach dem Achtelfinal-Spiel gegen Hannover 96. Da waren wir eigentlich schon weg vom Fenster, kassierten gleich nach der Pause das 0:2, doch die Jungs rissen die Partie noch herum. Von da an hat die ganze Mannschaft fest an sich geglaubt und gespürt, dass etwas zu löten ist.

Was sich im Duell mit Bundesligist Nürnberg ja bestätigt hat . . .

Zwei Minuten vor dem Abpfiff machte Nürnberg den Ausgleich. Wir waren vollkommen platt und wussten, dass wir eine Verlängerung nie durchstehen würden. Und dann schießt Daniel Lehmann fast im Gegenzug das verdiente 2:1. Das war der vielleicht schönste Moment der ganzen Saison.

Schöner als der Triumph über Chemnitz im Halbfinale oder das Auflaufen zum Endspiel im Olympiastadion?

Nürnberg war unser bestes Spiel. Das Finale selbst blieb hinter den Erwartungen zurück. Beide Mannschaften erwischten einen schlechten Tag. Selbst das Wetter war mies. Wir hatten Angst vor der eigenen Courage.

Die Herzen der Fans hatten sie schon vorher erobert. "Elf Freunde müsst ihr sein", dieses überholt geglaubte Motto schien bei Ihrer Mannschaft wieder aufzuleben.

Freunde waren die Spieler privat nicht, aber auf dem Platz haben sie zusammengehalten. Und feiern bis zum Abwinken konnten die Jungs auch. Die Feten waren atemberaubend. Unser Vorteil war, dass wir eine intelligente Mannschaft hatten, die ein Spiel eigenständig lesen konnte und nicht für jede Situation eine Anleitung brauchte.

Wer waren Ihre wichtigsten Spieler?

Sven Meyer als Libero sowie Andreas Schmidt und Carsten Ramelow, der damals weitaus offensiver spielte als jetzt in Leverkusen und viele Tore gemacht hat. Andreas hat ihm den Rücken freigehalten.

Neben Ramelow und Schmidt schaffte nur Torhüter Christian Fiedler den Sprung in die zweite und später in die erste Liga. Warum gelang dies den anderen, die einen Profi-Vertrag bekamen, nicht?

Da müsste man die Betroffenen selbst fragen. Dass nicht alle ihre Chance nutzen würden, war klar, aber ein paar Leuten mehr hatte ich das schon zugetraut. Vielleicht waren andere Dinge wichtiger für sie. Heutzutage wäre es allerdings bei Hertha undenkbar, dass fast die gesamte Amateur-Mannschaft nach Erreichen des Pokalendspiels zu den Profis aufrückt. Damals war der Unterschied längst nicht so groß.

Am 1. Juli steigen Sie wieder ein bei Hertha. Was hat sie dazu bewogen?

Hertha ist nun mal mein Verein, da möchte ich dabei sein. Außerdem arbeite ich gern mit jungen Leuten.

Was ist heute beim Wiedersehen der "Bubis" nach zehn Jahren geplant?

Wir werden uns das Pokalfinale ansehen und eine gemeinsame Fahrt auf Herthas Gründungsdampfer machen. Ich weiß nicht, ob alle kommen können, aber eine Party haben die Jungs bestimmt schon organisiert.