Ein Tor für den Vater

In all dem Jubel über den Klassenerhalt und der Vorfreude auf das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern machte er stets ein nachdenkliches Gesicht. Und das, obwohl der 1,64 m große Mann aus Portugal so etwas wie der Gewinner der Saison ist beim 1. FC Kaiserslautern. Doch in die Freude über seine sportliche Wiedergeburt mischten sich bei Jose Manuel Dominguez schwere private Sorgen.

So oft es ging, reiste der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler zuletzt in die Heimat zu seinem kranken 50 Jahre alten Vater Jose Manuel. Zuletzt durfte er fünf Tage am Stück ans Krankenbett. "Wenn solche Dinge passieren, fällt es einem natürlich schwer, jeden Tag zu lächeln. Ich hänge sehr an meinem Vater und will bei ihm sein. Er ist erst 50 und sieht aus wie mein Bruder", sagt Dominguez, und: "Ich versuche, gegen die Bayern ein Tor für ihn zu schießen. Er war immer bei mir in meiner schweren Zeit."

Lange gab es für Dominguez junior als FCK-Profi nur Schwierigkeiten - erst mit dem neuen Trainer Erik Gerets verschwanden sie. "Ich liebe den Kleinen", sagte der Belgier kürzlich - und das äußerte sich auf dem Platz so: Dominguez kehrte in die Stammelf zurück. 18 seiner 21 Saisoneinsätze absolvierte er unter Gerets, seine drei Tore schoss er alle, seitdem der Belgier da ist.

"Er hat mit seinem dynamischen Spiel in der Spitze Schwung in unser Spiel gebracht", sagt der Trainer. So soll es auch heute gegen die Bayern sein.

Beim Vorgänger Andy Brehme war das Tischtuch schnell zerschnitten. "Du bist das Letzte, hau doch ab", soll der zu ihm gesagt haben. "Ich war am Boden. Erst Gerets hat mir den Spaß am Fußball wieder gegeben", sagt Dominguez, der zeitweise mit den Amateuren in der Regionalliga spielen musste. Der graue Alltag sah dann so aus: Waldläufe und Sprinttraining mit den anderen Wackelkandidaten im großen Pfälzer Kader.

Brehme hatte Dominguez zwar für rund 320 000 Euro von Tottenham Hotspur geholt und ihm einen Vierjahresvertrag verpasst. Der Weltmeister von 1990 meinte aber kurze Zeit später, der Flügelstürmer passe nicht mehr in sein System. Überall in Europa wurde der Aussortierte angeboten wie Sauerbier. "Es war sehr hart für mich. Ich dachte nur: Warum habt ihr mich geholt und mir einen Vierjahresvertrag gegeben?", sagt Dominguez. Zu Hause mussten ihn seine Frau und das fünf Jahre alte Töchterchen Mariana aufrichten.

Das ist jetzt vorbei. "Ich bin zurück und fühle mich großartig. Der Klassenerhalt ist geschafft, jetzt wollen wir als krönenden Abschluss den Pokal gewinnen", sagt Dominguez. "Das wäre für mich der größte Sieg nach dieser Saison."

Trotz aller privater Sorgen lächelt er da wieder. "Wenn sie meine Mutter und meinen Vater sehen würden, dann wüssten sie, warum ich so klein bin. Ich bin der Größte in der Familie", sagt er am Ende und kichert. "Ich bin in bester Stimmung, schade ist nur, dass mein Vater nicht hier sein kann. Aber er bekommt eine Videokassette."