Berlin - Die USA haben Deutschland nicht offiziell über den Beginn der US-Angriffe auf Irak informiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erfuhr wie seine Minister vom Kriegsbeginn von den eigenen Lagediensten. Die stützten sich dabei offenbar teilweise auf deutsche Geheimdienst-Informationen, aber auch auf die Berichte von Nachrichtenagenturen und Fernsehsendern.

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) saß noch aus New York kommend im Flugzeug, als ihn die nach seinen Worten "bittere" Nachricht vom Kriegsbeginn ereilte. Er wurde - über dem kanadischen Luftraum - telefonisch vom Auswärtigen Amt unterrichtet. Danach stand Fischer in ununterbrochenem Telefonkontakt mit Berlin. Nach der Landung eilte er sofort ins Kanzleramt, wo sich Schröder schon seit dem frühen Morgen aufhielt.

Auch Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) war nach eigenen Angaben die ganze Nacht über wach. Dass die USA Deutschland nicht offiziell über den Beginn des Krieges unterrichteten, nahm er gelassen. "Wir fühlen uns nicht auf den Schlips getreten", versicherte er bereits am frühen Morgen im Fernsehen. Es sei ja abzusehen gewesen, dass der Krieg in dieser Nacht beginnen werde, da müsse nicht auf "Formalitäten" bestanden werden. Sein Ministerium informierte ihn unverzüglich - auch Struck wurde am Morgen angerufen.

Der britische Premier Tony Blair war nach Angaben eines Regierungsberaters kurz nach Mitternacht über den bevorstehenden Kriegsbeginn informiert worden. Israels Premier Ariel Scharon ließ wissen, er sei bereits vor Tagen von Washington in die Angriffspläne eingeweiht worden.

AFP