Wenn die Financial Times Deutschland (FTD) einlädt, kommt Namhaftes gern. Selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder folgte am Dienstagabend der Einladung ins Atrium Friedrichstraße, in dem das Wirtschaftsblatt am 1. September neue Berliner Redaktionsbüros bezogen hatte.

"Warum ham'se den denn eingeladen?" fragte in der Schlange vor der Garderobe ein Gast den anderen. "Vielleicht", erwiderte dieser, "hofft man, daß er die Queen mitbringt." Tatsächlich überwiegen in der FTD die Schröder-Fans keinesfalls - und um so genüßlicher breitete der Kanzler in seinem Grußwort aus, wie "katastrophal" er die Wahlempfehlung empfunden habe, die das Blatt im September 2002 gegeben hatte - pro CDU nämlich.

Echten Ärger verursache ihm allerdings Gedrucktes nicht, ließ er die Berichterstatter im Publikum lässig wissen, überhaupt fände er die Zeitung unter anderem wegen ihrer Farbe so schön: "Ich dachte das sei Rosa, aber offenbar nennt man das Lachsfarben." Mit oder ohne Queen: Der Auftritt des Kanzlers kam an - und wenn es bei ihm mal beruflich nicht mehr so klappt, reicht es zum Harald - Schmidt -Nachfolger allemal. Kurz verweilte er im Anschluß noch vor der Bühne. Ob er am gegenüberliegenden Büfett eine der von ihm so geschätzten Currywürste kostete, war im Gedränge nicht auszumachen.

Denn eng war's im Atrium, mancher Gast hatte gar vor Besuch des Staatsbanketts der britischen Königin im Zeughaus einen Stopp an der Friedrichstraße eingelegt. So begegneten sich etwa Kulturstaatsministerin Christina Weiss , Gesundheitsministerin Ulla Schmidt , Justiministerin Brigitte Zypries , Außenminister Joschka Fischer , BDI-Chef Michael Rogowski und BND-Chef August Hanning . Vorausgesetzt, daß der Mix der etwa 400 FTD-Gäste repräsentativ für Politik und Wirtschaft war, hinterließ der Abend allerdings den Eindruck, daß allzu viele Frauen ganz oben noch nicht mitmischen.

Patrick Goldstein