Wo man in den vergangenen Tagen ging und stand, stach eine stets ins Auge: die Queen. Man kann sogar frei von Wertung formulieren, daß die 78jährige Frau Windsor in diesen grauen Tagen Farbe ins Berliner Stadtbild sprenkelte. Reichlich. Großzügig. Und vor allem eines nie: unauffällig.

Bis zum gestrigen Abend war sie dem Berliner in drei Garderoben erschienen. Doch erst bei gleichzeitiger Betrachtung erschließt sich, daß hier jemand mit der Farbwahl etwas über sich und seine Heimat mitteilen wollte. Von drei Epochen ihres Englands kündete die Queen:

Da war zunächst das "Mint" ihres Dienstags-Stylings. Ob auf dem roten Teppich oder neben dem Kanzler zeigte sie sich in einer Farbe, die Assoziationen mit den Fünfzigerjahren erzwang. "Mint" waren damals die Kofferradios, die Nierentische, das Polstermobiliar in den Szene-Bars. "Mint" zeugte von neuem Leben in Nachkriegs-Great-Britain, ein Queen-Auftakt also in der Farbe jenes Jahrzehnts, in dem sie gekrönt wurde.

Beim Staatsbankett trug ihre Majestät am Dienstagabend zum Diadem die Farbe Lila. Aha, dachten die 260 im Zeughaus da: Sixties, Epoche popkultureller Umwälzungen im Staate England. Lila war im Swinging London die Farbe eines Jimi Hendrix, war die Farbe der aufputschenden oder beruhigenden Pillen, die die Nächte in den Clubs verlängerten, während sich die Queen tagsüber Leute wie die Beatles nach Hause einlud, um ihnen Orden zu schenken. Auch eine Queen denkt an ihre Erlebnisse jener Epoche gern zurück.

In die Zukunft wies ihr gestriges Outfit. Noch nach Einbruch der Dunkelheit hätte man sie gesehen, so leuchtend war dieses Blau - exakt jene Farbe, in die moderne Fernsehstudios gehalten sind, um etwa Börsenkurse oder die Wetterkarte zu projizieren. Die Queen in Blau: Mensch und Technologie in harmonischem Einklang. Elizabeth II. hat in der Sprache der Farben zu uns gesprochen. Und ihre Botschaft ist angekommen.

Thanks Ma'am.

P. Goldstein