Schon der Eingangs- und Kabinenbereich leuchtet in frischer Farbe. Hauptaugenmerk legten die Bauleute jedoch auf die Dachkonstruktion, die größtenteils erneuert werden musste. Im Innern spiegelt die neue, gelochte Aluminiumdecke in Wellenform jetzt nicht nur das Blau des Wasserbeckens wider, sondern sie erweckt bei den Badenden auch mehr Vertrauen als die alte Putzdecke. "Vor der Sanierung habe ich schon manchmal beunruhigt zur Decke geschaut, ob sie noch hält", sagt Dieter Kniebel, der Stammgast im Stadtbad an der Mecklenburgischen Straße ist.

"Alle 37 Hallenbäder werden erhalten"

Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) lobte bei der Eröffnung die Instandsetzungsarbeiten - die Kosten belaufen sich auf fast 1,3 Millionen Euro - und betonte: "Wir sind dabei, mehr zu tun als nur Gefahrenquellen zu beseitigen. Hier ist ein kleines Schmuckstück wiederhergestellt worden, bei dem künftig auch bis zu 20 Prozent Energie eingespart werden." Gleichzeitig versicherte er, dass alle 37 Hallenbäder des Landes Berlin erhalten werden sollen. Mit 50 Millionen Euro - das Geld stammt aus dem Verkauf der GSG an die Orco-Gruppe - sollen Berlins marode Bäder bis 2012 wieder in Schuss gebracht werden.

Um den Sanierungsstau von rund 67 Millionen Euro in den kommenden Jahren nicht wieder anwachsen zu lassen, sollen die Berliner Bäderbetriebe (BBB) ab 2010 jährlich fünf Millionen Euro extra für Instandhaltungsarbeiten bekommen. Auch wenn die Summe noch "feinjustiert" und beschlossen werden müsse, seien sich CDU- und SPD-Fraktion im Großen und Ganzen darüber einig, sagten die Abgeordneten Christian Gaebler (SPD) und Andreas Statzkowski (CDU) am Rande der Eröffnung. Auch Peter Hanisch, Präsident des Landessportbundes, hatte an dem Programm zur Sanierung der Berliner Bäder nichts auszusetzen: "Das finanzielle Konzept ist vernünftig. Wir werden aber weiter Druck machen, dass es auch in allen Bezirken zügig umgesetzt wird und Ersatzstandorte angeboten werden."

Im Moment verfügen die BBB über einen jährlichen Etat von rund 60 Millionen Euro. 40 Millionen Euro davon sind ein Zuschuss, 20 Millionen Euro werden durch Einnahmen erwirtschaftet, so Vorstandsmitglied Michael Schenk. Für die bauliche Unterhaltung stünden im Moment etwa 9 Millionen Euro zur Verfügung. "Damit der Sanierungsstau nicht anwächst, brauchen wir 5 Millionen Euro zusätzlich", sagte Schenk. Der Zuschuss sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgebaut worden.

Das Wilmersdorfer Stadtbad gehört zu jenen Schwimmhallen, für die 2007 die ersten fünf Millionen Euro aus dem 50-Millionen-Sanierungsprogramm zur Verfügung gestellt wurden. An 13 Standorten sanierten Bauleute und Handwerker die dringendsten Mängel. Eigentlich sollten in den vier Schwimmhallen, die 2007 wegen Instandsetzung geschlossen wurden, alle Arbeiten bereits Ende vergangenen Jahres abgeschlossen sein, doch sie verzögerten sich. So öffnete als erstes das Lankwitzer Bad an der Leonorenstraße. Die Alte Halle in Charlottenburg wird ebenfalls später als geplant öffnen (siehe Text rechts). "Wir arbeiten dort mit Hochdruck", versicherte Wolfram Kaube, Leiter der Abteilung Bau und Technik der Bäderbetriebe. Am längsten aber dauert die Sanierung der Marzahner Schwimmhalle. Nachdem es im November 2007 zunächst einen Baustopp gab, mussten Mitarbeiter der Bundesanstalt für Materialprüfung zunächst untersuchen, ob die Statik des Spannbetondachs eine Sanierung überhaupt zulässt. Kaube: "Sie ist möglich, jetzt schreiben wir aus."

Stadtrat: Mehr an die Sportler denken

Aus Erfahrung wünschte Sportstadtrat Reinhard Naumann (SPD) niemandem eine zweite Ausschreibung. Die hatte maßgeblich mit zur etwa halbjährigen Verzögerung bei der Eröffnung des nun sanierten Wilmersdorfer Stadtbades geführt. "So erfreulich die abgeschlossene Sanierung ist, so ärgerlich war für die Bürger und die Sportvereine der allzu lange Sanierungszeitraum", rügte er. Dass zudem zeitgleich die Alte Halle gesperrt wurde, sei außerdem keine besucherorientierte Planung seitens der BBB gewesen.