Prenzlauer Berg Großflächige Baustellen sorgen zurzeit in einem der begehrtesten Berliner Kieze für Konflikte. Rund um den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg hat das Bezirksamt Pankow die Straßen aufreißen lassen, um verkehrsberuhigte Zonen einzurichten. Vor allem am frühen Abend suchen Anwohner, Restaurantgäste und Kinobesucher die engen Seitenstraßen nach knappen Parkplätzen ab.

"Warum müssen die überall gleichzeitig buddeln", ärgert sich eine Mutter, deren zwei Kinder auf den Rücksitzen quengeln, am Steuer ihres Kombis. Eine andere Anwohnerin befürchtet, das Bezirksamt plane einen grundlegenden Umbau der Straßen um den Kollwitzplatz mit der Konsequenz, dass Parkplätze dauerhaft wegfallen. "Wieso missachtet die Behörde den Willen der Anwohner", erregt sich ein Mann.

Vor- und Nachteile

"Zwiespältig" sieht die Café-Besitzerin Sybille Hirsch, die Arbeiten. Den voraussichtlichen Wegfall von Parkplätzen kritisiert sie, die Verkehrsberuhigung begrüßt sie. Verständnis für das Ziel einer Verkehrsberuhigung hat auch Hakan Ceylan, vor dessen Café am Kollwitzplatz Fahrbahn und Bürgersteig großflächig aufgerissen und abgesperrt sind. Regelrecht sauer ist er aber über die Dauer der Arbeiten. Drei Wochen lang sei vor seiner Tür gar nicht gearbeitet worden. Er habe seit dem Sommer 60 Prozent seines Umsatzes verloren, was auch an der Baustelle liege. Ceylan beklagt außerdem mangelnde Informationen. Das Bezirksamt schweige sich über Planänderungen aus.

So wussten die Befragten auch nicht, dass die Arbeiten in den nächsten Tagen noch erweitert werden. Auf der Kollwitzstraße etwa, wo zurzeit die Fahrbahn neu gestaltet wird, kommt auch die gegenüberliegende Seite unter den Bagger. Baustadtrat Jens-Holger Kirchner nennt den 15. Dezember als Termin der Fertigstellung. Er räumte aber ein, dass dieses Datum nicht zu halten sein könnte, sollte Frost einsetzen. "Wir haben erst im Herbst mit den Arbeiten begonnen", so Kirchner. "Aber deshalb, weil wir nicht wollten, dass eine zentrale Anlaufstelle Berlins zur Hauptsaison zugebaut ist". Der späte Baubeginn sei außerdem "wirtschaftsfreundlich", weil der Sommerbetrieb der Cafés nicht gestört worden sei. Weniger Verständnis bringt der Stadtrat den Anwohnerklagen entgegen. Er habe böse Briefe von Eltern erhalten, die sich über unsichere Schulwege beklagten, sich aber über die Parkplatznot beschwerten. Untragbar sei auch das morgendliche Verkehrschaos vor der Grundschule am Kollwitzplatz, für das der Stadtrat die Eltern verantwortlich macht. Kirchner wörtlich: "Wir haben viele vor Selbstgerechtigkeit tropfende Bürger in diesem Kiez."

Nur noch im Schritttempo

Ziel der Bauarbeiten ist eine umfassende Verkehrsberuhigung. Auf den Straßen um den Kollwitzplatz soll nur noch Schritttempo erlaubt sein. An Kreuzungen und Einmündungen werden Bürgersteige verbreitert und Fahrbahnen verengt. Die Parkplatznot sieht der Stadtrat als eines der dringendsten Verkehrsprobleme an, verbunden mit einer hohen "Anspruchshaltung der Anwohner", die kostenlose Stellplätze direkt vor der Haustür erwarteten. Das sei aber schon rechnerisch nicht möglich, weil die Mehrheit der überwiegend gut situierten Kiezbewohner motorisiert sei. Die Bewohner müssten selber für ihre Parkplätze sorgen und Tiefgaragenplätze nutzen. Von denen gebe es im Kiez 1500, darunter allein 450 unter der Kulturbrauerei. Die kosten freilich monatlich 92,50 Euro Miete. Das ist Vielen zu teuer und zu unbequem.

Tiefgaragen hält das Bezirksamt dennoch für die Lösung. Für die Stargarder Straße sucht Kirchner derzeit Investoren, die ein System nach einem Münchner Vorbild errichten sollen: Dort stellen Anwohner ihr Auto auf eine ebenerdige Plattform. Auf Knopfdruck verschwindet es dann im unterirdischen Parkdeck.