31. Berliner Halbmarathon

Sabrina Mockenhaupt will ihre Bestzeit unterbieten

Sabrina Mockenhaupt nahm den Mund ganz schön voll. Die 30-Jährige aus dem Siegerland, Favoritin beim 31. Vattenfall Berliner Halbmarathon am Sonntag, schwadronierte gestern über ihr Ziel beim Lauf. Den Streckenrekord wolle sie angreifen, aufgestellt vor fünf Jahren mit 67:16 Minuten von der Kenianerin Edith Masai.

Mockenhaupts Bestzeit steht bei 68:45 Minuten. Verständnislos schauten sich die Zuhörer an. Ist "Mocki", wie alle sie nennen, nun größenwahnsinnig geworden? Renndirektor Mark Milde vom Veranstalter SCC Events guckte etwas verwirrt. Doch dann die Auflösung: "April, April", sprudelte es aus Frohnatur Mockenhaupt heraus. "Ich kann so schlecht lügen..." Der Aprilscherz war ihr jedoch absolut gelungen.

Was nichts daran ändert, dass sie sich immer hohe Ziele setzt, ihr Ehrgeiz ist es diesmal, eben die genannten 68 Minuten und 45 Sekunden zu unterbieten. Sehr gut in Form fühle sie sich. Am Dienstag beim Abschlusstraining war sie eigentlich - kein Scherz - viel zu schnell. "Mein Trainer hat immer gerufen, es gehe doch bestimmt noch schneller. Das habe ich dann gemacht." Am Ende stellte sie allerdings fest, dass ihr Trainer "eigentlich die mitlaufenden Jungs aus meiner Trainingsgruppe gemeint hatte". 28 nationale Titel hat sie bisher gewonnen, auf der Bahn, auf der Straße, im Crosslauf. Doch inzwischen liegt ihr Fokus auf Straßenrennen - Halbmarathon und Marathon. Das Fernziel, dem alles untergeordnet ist, heißt Olympische Spiele 2012 in London, dort will sie die Königsstrecke über 42,195 Kilometer laufen. Eine Etappe auf dem Weg dorthin ist die halbe Strecke in Berlin.

Sabrina Mockenhaupt wirkte aufgeräumt. Sicher, sie ist nie um einen Spruch verlegen, doch es war ihr anzumerken, dass sie gerade mit sich vollkommen im Reinen ist. Im vergangenen Herbst sei sie "in ein Loch gefallen", erinnerte sie sich. Damals ging ihr durch den Kopf: "Du musst was ändern in deinem Leben." Wobei sich das besonders auf den sportlichen Part bezog. Was tun? Sie entschied sich für einen neuen Trainer. Da ihr langjähriger Coach Heinz Weber altershalber sowieso kürzertreten wollte, wechselte sie vor drei Monaten zu Thomas Eickmann.

Bisher war der Wechsel ein voller Erfolg. Die Trainingsumfänge wurden erheblich gesteigert. Bis zu 160 Kilometer pro Woche kommen da zusammen. "Ich mache auch mehr Intervallläufe, die habe ich früher regelrecht gemieden", sagte sie. Ron Waigel, der neue Marathon-Bundestrainer, steht ihr mit Rat und Tat ebenso zur Seite wie der deutsche Spitzenläufer Andre Pollmächer; gemeinsam war das Trio - neben anderen Läufern - zuletzt im Trainingslager in Südafrika. Training in einer Gruppe, für Mockenhaupt ebenfalls eine neuen Erfahrung. "Bei uns in Deutschland war es doch so, dass jeder sein eigenes Süppchen kochte." In guten Trainingsgruppen profitiere jedoch einer vom anderen.

Elf Jahre jünger als Mockenhaupt ist Geoffrey Kipsang aus Kenia. Der 19-Jährige holte sich vor zwei Wochen in Spanien den Weltmeisterschaftstitel im Crosslauf bei den Junioren. "Es ist mein internationales Debüt beim Halbmarathon", erzählte er. Er zählt wie seine Landsleute Kiplimo Kimutai und Leonhard Langat zu den Favoriten beim Männerrennen. Kipsang wird eine große Zukunft prophezeit. Noch sieht er sich bei Straßenläufen aber als Lernender. Gelernt hat er auch gestern schon etwas: Jetzt weiß der Afrikaner, was ein Aprilscherz ist.